Alles klar Herr Kommissar?

Raue Schale, weicher Kern, Ruhrpott-Charme, gut trainierte Figur, Waschbrettbauch, Schnauzer unter der Nase, schlagkräftige Fäuste, total freche Klappe und strahlend blaue Augen, Frauenschwarm. Horst Schimanski. Einer wie Bud Spencer, zumindest, wenn’s ums Zuhauen geht.

Der Alte und Derrick – wir kennen sie alle – waren mal die Platzhalter der Männerdomäne. Das ist längst vorbei. Dank Alice Schwarzer und anderen taffen Weibsbildern haben Frauen dieses Monopol durchgebrochen. Kommissarinnen, Ermittlerinnen, Soko-Chefinnen stehen schon lange auf der Fernseh-Tagesordnung. Sie stöckeln auf hohen Hacken zum Tatort, zeigen dank Minirock jede Menge Bein und beweisen, dass unter gestylten Haaren auch viel Köpfchen steckt. Hannelore Elsner, Iris Berben – und viele andere – sind feminine Antworten auf Bienzle, Trimmel und Palu.

Die neue Fernseh-Ermittler-Generation ist männlich und weiblich, gleichberechtigt, teilweise alleinerziehend, unterliegen allesamt einem Erfolgszwang und sind weitgehend Eigenbrötler.

Sie sind fertig auf der Bereifung. Sie pfeifen auf dem letzten Loch. Manche gehörten besser in die Psychiatrie, als Ermittler an den Tatort. Familienleben kennen sie selten bis gar nicht, weil der Beruf sie auffrisst, ihnen alles abverlangt. Das Böse ist ihr Beruf und der ist ihnen vielfach wichtiger als alles andere.

Manche sind dödelig, fahrig, unkonzentriert, scheinen total unfähig und völlig überfordert. Aber sie bleiben dabei, bis zum Umfallen arbeiten sie – wenn es sein muss ohne Pause, Tag und Nacht. Selbst wenn sie im Urlaub sind, den Vater im Krankenhaus oder die Oma im Altenheim besuchen, sind sie im Dienst, denn auch dort wird schließlich gemordet.

Allesamt haben sie eine Gemeinsamkeit: Sie sind Fernsehkommissare, die mit der Realität des wirklichen Polizeidienstes nichts, aber auch gar nichts zu tun haben – heißt es jedenfalls! Aber stimmt das auch? Hoffentlich! Nicht auszudenken, wenn diese kaputten, durchgeknallten TV-Bullen dem richtigen Leben abgekupfert wären…………womöglich eins zu eins!

In allen Krimis, ob in deutschen, skandinavischen, südeuropäischen, amerikanischen und von sonst woher, sind Ermittler-Typen vertreten, denen man im Ernstfall nicht wirklich begegnen möchte. Kommissar Wallander, der mit seiner Alzheimer Krankheit kämpft, dem trotteligen Inspektor Colombo, dem britischen Gentlemen Barnaby, Bella Block, die gerne mal einen süffelt, Inga Lürsen aus Bremen mit ihrem Adjutanten Stedefreund, das geschiedene Duo Keppler und Saalfeld aus dem Ossi-Land, Thiel und sein Leichenfledderer Boerne aus Münster und die vielen anderen mit und ohne Knall.

Wer weiß eigentlich, woher die Drehbuchautoren ihre Themen rekrutieren? Orientieren sie sich am Polizeialltag in deutschen Revieren und ihren Kriminalisten? Oder lassen sie ihrer Fantasie freien Lauf? Sind sie vielleicht „Auftragsschreiber“, bestimmt durch die Entscheider in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten? Sollen sie uns eine Illusion darstellen oder verkaufen sie uns gar die Realität?

Unterhaltung und Realität sind meilenweit voneinander entfernt. Wissen wir seit Eduard Zimmermann, dem „Verbrecherjäger“ des ZDF. Er hat uns mit Vorsicht Falle, Aktenzeichen XY …ungelöst und Nepper, Schlepper, Bauernfänger gezeigt, wie es in der richtigen Verbrecherwelt zugeht. Dass dort ein gutgebauter, blauäugiger Schimanski eher selten ist, die modisch-aufgekrückte Kommissarin ebenfalls und ebenso der singende Manfred Krug alias Kommissar Stoever.

30.10.2017