Die mit den Igeln in der Tasche

Kennen Sie doch auch: Sie freuen sich gemeinsam mit einem Bekannten auf die Bratwurst mit Pommes an der Currywurstbude. Bestellt ist, jetzt muss nur noch bezahlt werden. Ihr Bekannter sucht und sucht und sucht……er hält den gesamten Betrieb auf. Peinlich! Wieder einmal zücken Sie Ihr Portemonnaie und zahlen, während er beteuert, dass er beim nächsten Mal aber wirklich dran ist.

Wer’s glaubt wird selig. Weiß der Geier, was dem Geizkragen beim nächsten Mal wieder einfällt. Irgendwas ist mit seiner Geldbörse doch immer – mal liegt sie zuhause auf der Kommode, mal steckt sie in der Regenjacke, die im Kofferraum seines knallroten Porsches liegt und mal hat er sie dabei, aber ohne Inhalt, weil er nicht bei der Bank war.

Fürchterlich solche Typen – das sind genau die Richtigen, nämlich die notorischen Geizhälse! Scheinbar haben sie ständig Angst, von den spitzen Nadeln der kleinen possierlichen Igel gestochen zu werden, die genau in der Tasche leben, in der auch ihre Geldbörse steckt.

Geizig und knickrig sind Pfennigfuchser, Geizkragen und Knauser. Diese Menschen lassen sich gerne aushalten, gönnen sich selbst nichts, sind mehr als sparsam, leiern immer den anderen was aus dem Ärmel, sind aber nicht bereit, selbst mal in die Brieftasche zu greifen.

Bereits im 17. Jahrhundert hat sich Molière dieser Spezies Mensch mit dem bürgerlichen Laster Geiz poetisch angenommen und einen seiner Romane „Der Geizige“ genannt. Die Roman-Hauptfigur ist ein kleinkrämerischer Erbsenzähler, der in hohem Maße vom Adel verpönt wird. Denn Adlige der damaligen Zeit waren eher verschwenderisch unterwegs, denn Geiz war seinerzeit überhaupt nicht geil. Damals regierten eher Verschwendungssucht und die Eigenschaft, Geld mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen.

Dafür ist unsere heutige Zeit aber von Geiz geprägt. Geiz ist geil ist der vielgebrauchte und praktizierte Werbeslogan, der wie viele andere Verkaufsschlagworte en vogue sind und sich bei Jung und Alt einprägen – egal, ob der Preis auch wirklich superbillig, preiswert oder nur ganz normal ist! Im Internet gibt‘s Geiz-ist-geil-Preisvergleichs-Foren wie Sand am Meer, und zwar für so ziemlich alle Dinge, die es zu kaufen gibt. Sparen wollen alle und jeder sucht nach dem Superschnäppchen und der Geizige ganz besonders.

Verschwender, Arme und Geizige – so sagt man – haben niemals Geld und somit ist wohl die Grenze zwischen Geiz und Reichtum höchst schwammig. Jedenfalls tischt der Arme viel mehr auf, als der Geizige, so sagt es jedenfalls der Volksmund.

Eigentlich sind geizige Zeitgenossen auch bedauernswert arme Mitmenschen – denn vermutlich hat es sich bis zu ihnen noch nicht herumgesprochen, dass das letzte Hemd leider keine Taschen hat………?

05.11.2017