Fast wie beim ollen William

Das Ganze hatte was von Shakespeare. Also zumindest der Balkon. Die Stadt war nicht Verona und die Akteure nicht Romeo und Julia. Gemeint sind die Sondierungs-Gesprächs-Pausen des Parteien-Vierers auf dem Balkon in Berlin. Dort traf man sich, um zu rauchen, zu reden und vor allem um zu kungeln.

Dazu prädestiniert waren nur wenige. Eben nur die Strippenzieher, die Berufs-Kungler und ein paar auserwählte Raucher. Den beobachtenden Kameras auf der Straße drehten sie allesamt den Rücken zu. Gewiefte Lippenleser hätten sonst womöglich frühzeitig ablesen können, was die da auf Balkonien redeten und kungelten. Und alle Welt hätte schon vorher gewusst, dass die gesamte Sondiererei ein Schuss in den Ofen wird.

Dann wären vier Herbstwochen einfach so ins Land gegangen. Politiker hätten nicht an jedem späten Abend zuversichtliche Töne in die Mikros sprechen und keine wir-sind-auf-einem-richtig-guten-Weg-Nachrichten in die Kameras lächeln müssen. Die sonst so ausgeschlafene Journaille hätte sich nicht müde und fröstelnd die Beine in den Bauch stehen müssen und manch ein Zuschauer hätte auch mal zum Musikantenstadel zappen können und nicht ausschließlich den Neuigkeiten aus der Sondierungsecke entgegenzufiebern.

Wieder einmal hatte Peer Steinbrücks Bemerkung hätte hätte Fahrradkette den Nagel auf den Kopf getroffen! Oder wie pflegte Ex-Kanzler Kohl immer zu sagen: Entscheidend ist, was hinten rauskommt! Und glaubt man ihm auch nur annähernd, bleibt das Fazit: Außer Spesen nix gewesen! Davon haben alle Beteiligten bestimmt jede Menge verballert – also Steuergelder. Also Wähler und Steuerzahler haben es schließlich vermasselt und deshalb muss Strafe sein. Hätten die ihre Kreuzchen auf dem Wahlformular nicht so wirr gestaltet, hätten die ordentlich und vor allem eindeutig gewählt, hätte man gleich in medias res gehen können – sich den ganzen Sondierungs-Zirkus schenken können!

Alles wäre anders gekommen, könnte so schön und einfach sein. Nun ist alles kompliziert und angeblich zeigt Europa und die Welt mit Fingern auf Deutschland und redet schlecht über unsere hochqualifizierten Politiker. Aber die sind’s doch gar nicht, die es verbockt und unsere bisherige Regierung in Zweifel gestellt und in den Sand gesetzt haben!

Wir sind’s, die Wähler! Uns fehlt der Durchblick, wir können nicht unterscheiden, wer es gut mit uns meint, wir laufen falschen Idolen hinterher, uns fehlt das Verständnis fürs Große und Ganze, wir denken nur egoistisch, sind einfach nicht klug genug und überhaupt nicht dankbar dafür, was jeder einzelne Politiker tagtäglich für uns tut!

Hätte sich jeder einzelne Urnengänger vor dem 24. September mal ordentlich informiert, dann hätte er……

Ja, was hätte er dann?

Er hätte den Meistern und Meisterinnen des Daily Talks nicht so herrliche Möglichkeiten offeriert, diese Berliner Sondierungsgespräche als eine moderne Version des biblischen Stimmengewirrs von Babylon zu präsentieren.

Damals in Babylon engagierten sich ganz viele für den Bau eines Super-Turmes. Hat aber nicht geklappt, denn Gott war die große Einigkeit unter den Menschen suspekt und er verpasste allen Beteiligten eine individuelle Sprache, so dass sie keine Basis für erfolgreiches Turmbauen mehr hatten. Das große Sprachwirrwarr hinderte alle an einer konstruktiven Zusammenarbeit.

26.11.2017