Shit happens – echt hinterlistig!

Eigentlich ist die Notwendigkeit so alt wie die Menschheit, lediglich die Materialien haben sich verändert. Von lebendem Federvieh bis ausrangierten Putzlumpen wurde so ziemlich alles benutzt und je nach Erfindungsgeist pendelten Menschen zwischen Pragmatismus und Kreativität. Mittlerweile stellten Wissenschaftler die These auf, dass in der Bronzezeit Pestwurzen-Blätter dafür Verwendung fanden. Übrigens nennt man in Bayern genau diese Pflanze noch heute Arschwurzen.

Nun hat’s sicher jeder erraten: Es geht um menschliche Ausscheidungsorgane und deren Reinigung nach Stuhlgang oder Harnlassen – wie es akkurat ausgedrückt heißt.

Von Toilettenpapier – also Papier und Blattform – war erstmalig in Amerika so um 1850 herum die Rede. Damals waren es Einzelblätter in einer Schachtel. Aber nachdem es nun erfunden war, waren die Hakle’s der Welt ab Mitte der zwanziger Jahre am Tüfteln was das Zeug hält. Das Papier für hinterlistige Zwecke trat einen weltweiten Siegeszug an. Aus Soloblatt wurde Rolle, aus rau wurde weich, aus grau schneeweiß, aus einlagig drei-, vier- sogar fünflagig. Klopapier ist nicht nur eine fast unendliche Rolle, es scheint auch eine unendliche Geschichte zu sein – zumindest in der Neuzeit.

Man spricht nicht drüber, aber jeder hat seine Sorte – seine Lieblingssorte. Hersteller ist nicht gleich Hersteller und Preis und Qualität sind so unterschiedlich wie das Steak beim Fleischer an der Ecke oder das aus dem Supermarkt.

So war es übrigens auch mit dem Toilettenpapier in der DDR und der BRD. Manch ein DDR-Bürger präferierte eher das ausgelesene und kleingeschnittene NEUE DEUTSCHLAND fürs stille Örtchen als das harte hellbraune VEB-Krepppapier und das übrigens nicht nur, wenn er das Plumpsklo seiner Datscha benutzte. Und wenn er mal ein paar weiße, weiche Rollen aus dem Westen bekam, benutzte er es nur an Sonn- und Feiertagen und hütete es ansonsten wie seinen Augapfel. Doch zum Witzemachen war „das harte dünne Packpapier“ dann doch gut genug, wie zum Beispiel dieser: „Warum ist das DDR-Klopapier immer zweilagig? Eine Kopie geht an die Stasi!“

Jedenfalls steht fest, dass der HERR damals nicht gleichzeitig mit der Erschaffung von Adam und Eva auch das Klopapier erfunden hat. Im Paradies gab’s die weiß-gerollten Reinigungsblätter keineswegs – zumindest steht davon nichts im Alten Testament. Vermutlich benutzten die Zwei seinerzeit noch die flache Hand. Ob die rechte oder linke ist leider nicht überliefert. Das wurde erst später thematisiert – zumindest im asiatischen Raum – denn dort war die linke Hand hauptsächlich der Körperreinigung vorbehalten. Die rechte Hand hingegen war dort immer – und ist noch heute – das oft zitierte „schöne Händchen“. Rechts hielt man die Schreibfeder, rechts wurde zum Essen benutzt und mit der Rechten schüttelte man anderen Menschen die Hand – selbstverständlich ebenfalls nur die Rechte.

Da wirft sich doch glatt die Frage nach einem gebürtigen Linkshänder auf, denn bei dem funktioniert die Benutzung der Hände doch wohl genau andersrum –  oder?

Aber sagt man nicht auch: Die Rechte die Schlechte, die Linke die Flinke und eine Hand wäscht die andere? Okay, ist ein völlig anderes Thema und hat mit Klopapier absolut nichts zu tun.

Vielleicht abschließend noch eine Verbindung zwischen Toilettenpapier und Fußball. Paul Breitner hat einmal gesagt: „Dann kam das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief’s ganz flüssig.“

14.12.2017