Lieber Martin Schulz!

Nun ist es soweit, ich muss Ihnen schreiben, sonst ersticke ich an den Worten, den Sätzen und Bemerkungen, die ich einfach loswerden muss. Schon lange habe ich Sie auf dem Kieker – spätestens seit dem Frühjahr 2017, als die gute alte Tante SPD zum Messias kürte und Sie anfingen, mit viel heißer Luft die Parteimitglieder und das (Wahl-)Volk zu betäuben. Wie nannte man es damals? Ach ja, das war der Schulz-Effekt, ein zahnloser Tiger, ein Pups, ist er raus, ist er weg!

Übrigens: Ich stehe nach Willy Brandt, Helmut Schmidt & Co. nicht mehr auf SPD! Drum keine Sorge, ich werde nichts für Sie tun, werde aber auch nicht an Ihrem Stuhl sägen!

So richtig übel nehme ich Ihnen, dass Sie als gutverdienender Politiker in Billig-Anzügen rumlaufen! Das Outfit muss ja nicht zwingend aus dem Hause Armani stammen – so wie das Ihres Vorgängers Schröder. Und am Kleidungsstil von Frau Merkel müssen Sie sich auch kein Beispiel nehmen, weder an der farbenfrohen Blazer-Auswahl und schon gar nicht am Busfahrerhosen-Sortiment! Wissen Sie eigentlich, dass es total Schickes von der Stange auch bei Clamotten August gibt? Jetzt kommen Sie mir nicht mit Zeitnot oder so! Bei CundA und anderswo können Sie bequem vom Sofa aus via Internet einkaufen. Sie müssen lediglich auf den Hinweis „Kurzgrößen“ achten, denn Ihre Körperlänge hält sich in Grenzen. Sieht man immer, wenn Sie beispielsweise neben dem bayerischen Seehofer stehen.

Sagen Sie mal Herr Schulz, warum haben Sie eigentlich keinen Wahlkampf gemacht? Sie wussten doch, dass es um die Wurscht geht, die bekanntermaßen in Berlin im Kanzleramt hängt! Die Nummer haben Sie absolut verkackt – jedenfalls für diese Runde. Aber noch ist Polen nicht verloren – vielleicht gibt’s Neuwahlen und Sie können dann einen auf Wiederholungstäter machen!

„Ich möchte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden“ haben Sie gekonnt in Mikrofone geflötet. Das war ein blöder Spruch, aber noch saublöder war die Aussage am Wahlabend nach dem Gongschlag 18 Uhr, dass die SPD nun in die Opposition geht! Weglaufen und einen auf beleidigte Leberwurst machen ist keine Lösung, Herr Schulz, ist einfach nur feige, dem Wähler gegenüber und den Parteigenossen allemal.

Dann ist mir aufgefallen, dass Sie oftmals miesepetrig und lustlos in die Kameras lächeln, so als hätte sie jemand mit Gewalt in die Öffentlichkeit gezerrt – also total gegen Ihren Willen. Meist frage ich mich dann, ob es an der Brille oder dem Bart liegt – na vielleicht können Sie mir das mal erklären!

Fast hätte ich es vergessen: Was bedeutet eigentlich Ihr Spruch, dass Sie Kriminellen „eins auf die Mappe geben“ wollen? Also ich kenn bloß „eins rauf mit Mappe“ oder „was auf die Klappe geben“ – aber Ihre Variante ist mir neu und die meisten können mit diesem Ausdruck auch nix anfangen.

Witzig finde ich, dass die Deutschen durch die Bank Günther Jauch zum beliebteste Vorbild auserkoren haben. Bei der Umfrage kamen weder Sie noch andere Politgrößen unseres Landes vor. Stimmt Sie das nicht nachdenklich?

Ach noch eins möchte ich wissen. Warum erst hüh und dann hott? Erst Opposition und nun wieder Sondierung – vielleicht sogar Verhandlung und neue große Koalition. Für mich hat das was vom Rummelnutten-Syndrom, vom Robin-Hood-Effekt, also der Rächer der Waisen und Enterbten – irgendwie klingt das unseriös, nicht koscher. Sind Sie ein Fähnchen im Wind? Geben Sie mal nen Tipp ab, wie Ihre Mitglieder in einer Woche zum Stand der Dinge und zu Ihnen abstimmen. Ob Sie die wohl überzeugen können? Ich mach jede Wette, dass Sie diesmal nicht mit hundert Prozent Zustimmung rechnen dürfen!

Aber wissen Sie was Herr Schulz, es gibt auch bei mir einige Dinge, die ich an Ihnen gut finde. Jawoll, Sie haben sich nicht verlesen und ich will sie Ihnen schreiben:

Toll, dass Sie so viele Sprachen sprechen. Das nenne ich Multikulti und optimale Integration für einen, der aus Würselen kommt und in Brüssel gearbeitet hat! Hierfür gibt’s zweimal Daumen hoch von mir!

Dann finde ich klasse, dass es von Ihnen keine Wahlplakate im Unterhemd gibt, wie von Christian Lindner und seinem Augenaufschlag und dem Drei-Tage-Bart! Können Sie privat gerne mal machen lassen – vielleicht zum Hochzeitstag für die Frau…

Bin mal gespannt, ob Sie mir antworten. Muss ja nicht heute oder morgen sein, momentan haben Sie den Kopf mit anderen Dingen voll. Aber ich vermute mal, dass es für Sie nach dem 21. Januar 2018 ein bisschen ruhiger wird.

Na dann mal bis dahin!

12.01.2018