Ein nigelnagelneues Kalender-Jahr

So Leute, nun ist es geschafft! Lametta und Weihnachtsbaumkugeln sind eingemottet, Dominosteine und Spekulatius wurden dem Hüftgold zugeschlagen, alle guten Wünsche für 2018 sind verteilt, sämtliche Hände geschüttelt, die guten Vorsätze gefasst und Neujahrsempfänge sind Geschichte. Die ersten drei Wochen des nigelnagelneuen Jahres sind herum und die Tage werden bereits wieder merklich länger. Das Frühjahr kann also kommen. Ein neues Jahr, ein neues Glück heißt es – drum spucken wir kräftig in die Hände und packen es an.

Ein ständiger Begleiter der kommenden elf Monate und ein paar Tage ist unser Kalender. Jedes Jahr wiederholt es sich: Der Kalender bestimmt unser Leben! Bei dem einen mehr, dem anderen weniger – aber ohne ihn läuft nichts! Irgendwann im zarten Kindergartenalter fängt das Spielchen an und nicht mal als Rentner haben wir Ruhe vor der Diktatur der Monate, der Tage und der Zeit! Doch zugegeben: mit zunehmenden Lebensalter und der daraus oftmals resultierenden Vergesslichkeit ist der Kalender auch ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel.

Pünktlich zum Eintritt in den Ruhestand schaffen wir uns am besten einen Dreimonats-Überblick an, den wir uns an die Kühlschranktür kleistern. Früher klebten dort die bunten Postkarten aus aller Welt von Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern aus dem Urlaub, die von Sonnenschein, tollem Essen, Regentagen, Schneeverwehungen und Abenteuern aller Art berichteten. Diese Zeiten sind längst vorbei. Solche Berichte und Grüße erhalten wir heute via Twitter, als SMS auf das Smartphone, im Laptop als E-Mail oder sonst wie. Wegen der hübschen Bilder mit Briefmarke schleppt sich heutzutage jedenfalls kein Briefträger mehr den Buckel krumm und latscht sich die Füße wund.

Anfang des Jahres pinseln wir fein säuberlich in Schönschrift alle bereits feststehenden Termine auf den Jahresbegleiter aus Papier. Für unterwegs haben wir natürlich alles elektronisch, aber zuhause an der Kühlschranktür ist der Drei-Monats-Überblick einfach optimal. Herrlich altmodisch und nicht zu übersehen, denn dem Kühlschrank statten wir regelmäßig einen Besuch ab. Denn er beherbergt schließlich Schoko-Pudding, kühles Bier, Butter fürs Frühstücksbrötchen und andere Leckereien für den kleinen Appetit zwischendurch und den großen generell. Die Jogging-Termine und die für den Seniorensport tragen wir vorsichtshalber nur mit Bleistift ein – man weiß schließlich nie, ob sie wegen anderer Wichtigkeiten nicht hinten runterfallen müssen…

Wie rasch sich doch die Tage, Wochen und Monate des Timers füllen! Immer auf Achse, mal zum Zahnarzt, dann zur Vorsorgeuntersuchung, Ostern, Pfingsten, Theaterbesuch, Auto zur Inspektion, Grünkohlessen, Frisör, Fahrradtour, Bello zum Tierarzt wegen Flohhalsband, Kinder zum Zug bringen und dann noch dies und das – halb voll ist der Kalender schon – und es ist doch erst Januar!

Das richtige Timing spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle: Wann gehen wir zum Stint-Essen zu Fischers Fritze, wann geht’s auf große oder kleine Fahrt mit den Kegelschwestern und Segelbrüdern, an welchen Tagen spielt wo welche Musike, Sommerfest, Grillen bei Poldi, wann sprießt der Spargel und ab wann sind die frischen Matjes ein Muss. Hinzu kommt Tante Ernas Neunzigster, die Goldene Hochzeit der Eltern, Enkel Paulchens Konfirmation und wann hebt noch mal der Flieger nach Malle ab und bloß den 30. April und den Tanz in den Mai nicht vergessen……

Alles unter dem Begriff Ruhestand! Ist doch eher Unruhestand. Eigentlich sollte doch nun alles ruhiger zugehen – ohne Zeitdruck und Stress, ohne präzises Timing, eben gemütlicher als früher. Ob das zu Omas und Opas Zeiten auch schon so war oder liegt es an uns und unserer schnelllebigen, hektischen Zeit?

Egal, klar ist jedenfalls, dass das mit der Zeit schon immer ein Thema war – zu allen Zeiten und immer. Schon 1877 wusste Wilhelm Busch ein Lied auf die Zeit zu singen und das hat er so aufgeschrieben: Eins zwei drei, im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit.

Und das war immerhin eine Zeit, da klapperten lediglich die Pferdehufe über das Kopfsteinpflaster der Straßen und eigentlich ging damals alles viel besonnener zu! Musike war live oder kam aus dem Grammophon, Telefongebimmel völlig unbekannt, Fernsehen und Internet noch nicht erfunden – so war eben die gute alte Zeit und Kalender zierten fast ausschließlich die kahle Wand neben dem Kohleofen und der Ofenbank!

Trotzdem: ein gutes neues Jahr – mit und ohne Kalender!

18.01.2018