Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft……oder?

„Schenken ist nicht mehr mein Ding“ beteuern viele und begründen es damit, dass heutzutage jeder bereits alles hat und der individuelle Geschmack des Einzelnen eine dominante Rolle spielt. Das gilt zumindest für das, was über Pralinen und Blumen hinausgeht.

Wer eingeladen wird, bringt was mit – so steht‘s irgendwo geschrieben. Kleine Mitbringsel gehören zum guten Ton und zeugen von guten Manieren, heißt es. Wer den Gastgeber gut kennt, für den ist es überhaupt nicht schwer, das passende Mitbringsel, Geburtstags- oder sonstiges Geschenk zu finden. Was Süßes, was für Gourmets, ein leckeres Getränk oder irgendwas Blumiges – sowas ist immer angesagt. Für und von Freunden und guten Bekannten kann die Auswahl auf den Punkt getroffen werden, denn man kennt sich eben – kennt die Interessen, Vorlieben und den Geschmack.

Eine Sammeltasse zu viel?

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, spricht der kluge Volksmund. Stimmt auch oftmals und besonders dann, wenn sich der Schenkende um das Mitbringsel Gedanken gemacht und sich für den zu Beschenkenden vorab interessiert hat.

Das ist übrigens die optimale Voraussetzung für Freude auf beiden Seiten. Wird aber leider nicht immer praktiziert und somit erhält man im Laufe der Zeit oft zwar hübsch verpackte Dinge, die aber total „unerwünscht“ sind. Hoffentlich sieht der Schenkende nicht, dass man bereits beim Auspacken nach Möglichkeiten sucht, ein solches Teil wieder loszuwerden. Spätestens im Advent beim Wichteln sollte das klappen….

Ein leckerer Rioja, ein Päckchen besondere Nudeln, eine Orchidee im Topf, ein kleines Sträußchen Schnittblumen, ein paar frische Kräuter für die Fensterbank, ein exotisches Gewürz, Mon-Cheri-Kirschen – sowas ist mein Ding – sowohl zum Verschenken als auch geschenkt zu bekommen. Eben mal so als Mitbringsel zur Brunch-Einladung, zum Abendessen, als kleines Dankeschön oder einfach nur mal so für zwischendurch, für kleine Nicht-Selbstverständlichkeiten und andere Freundlichkeiten, die von Herzen kommen, lieb gemeint sind und Freude bringen.

Was nicht meine Begeisterung hervorruft, kommt gleich in die spezielle Kiste und die dann in den Keller. Damit ist das Zeug erstmal aus der Schusslinie. Ich pfeife auf solchen Tinnef wie Sammeltasse mit Pralinenfüllung, Miniatur-Keramikteller in grellbunt, Kaffeepott mit aufgedrucktem Foto, LED-Kerze, selbst gehäkelte Topflappen, Eierwärmer oder originalverpackte Geschirrtücher aus dem Tchibo-Sortiment von vor zehn Jahren! Völlig daneben sind auch Kosmetikartikel, wie Probier-Lippenstifte, Cremetöpfchen für Gesicht, Augen, Body und Parfümfläschchen von irgendwelchen No-Name-Produzenten!

Meist sind Einwickelpapier, Tüte und Schleife wiederverwertbar und viel brauchbarer als das eingewickelte Mitbringsel selbst – da lohnt sich meistens das Glattstreichen und Aufheben!

Schenken will gelernt sein und es braucht Aufmerksamkeit und Lust auf Freude machen. Einfach nur so mal was mitnehmen geht gar nicht. Jedenfalls nicht dann, wenn man den Menschen mag, dem man was schenkt, den man kennt, für den man sich interessiert und den man überraschen möchte. Schade, dass wir den Kinderschuhen entwachsen sind, damals hatten wir kein Problem mit dem Schenken. Ein paar Stifte, einen Zeichenblock und schon ist ein Bild gemalt. Strahlende Sonne, blauer Himmel, bunte Blumen, ein lustiges Häuschen mit qualmendem Schornstein, davor spielende Kinder, ein Hund und eine Katze und am grünen Baum hängen rote Äpfel – so einfach kann’s sein!

Foto:  Goldi64, Andenkenkelch 1870, CC BY-SA 3.0

02.02.2018