Hilfe, mein Groko dealt!

Warum hat mich das Foto vom Ende der Koalitionsverhandlungen an Kasperletheater aus Kindertagen erinnert? Eigentlich haben die Drei doch kein bisschen mit dem tapferen Kasperle, der pfiffigen Gretel und dem einfältigen Seppel zu tun.

Oder womöglich doch? Ist ja auch egal – kam mir nur so in den Sinn!

Jedenfalls war Kasper immer Sieger und Gretel hat ihm mit brauchbaren Tipps und durch kluges Taktieren oft auf die Sprünge geholfen. Etwas dösig und ziemlich vergesslich hingegen war Kaspers treuer Freund Seppel.

Kasperletheater war immer Unterhaltung vom Allerfeinsten. Die kleinen Besucher haben zusammen mit den Holz-Handpuppen vorn auf der Bühne gelacht, gebangt und so manch eine Schlacht gemeinsam geschlagen. Sie haben durch lautes Rufen den Kasper vorm bösen Krokodil gewarnt, auf den Räuber oder die Hexe aufmerksam gemacht und begeistert Beifall geklatscht, wenn der freundliche König mit seiner schönen Prinzessin ins Spiel kam.

Wochenlang – ach was, monatelang – haben wir einem modernen Kasperlespiel beiwohnen dürfen, bei dem noch lange nicht der letzte Vorhang gefallen ist. Die Bühne dieses politischen Theaterstücks steht in Berlin und die Akteure kommen aus allen Ecken unserer Bundesrepublik. Viele grandiose Schauspieler, zweitklassige Mimen und etliche Schmierenkomödianten hatten bereits ihren Auftritt, einige werden sich sicherlich auch zukünftig noch die Ehre geben und immer mal wieder auf- und abtreten. Altbekannte Hasen sind genauso dabei wie debütierende Jungspunde und so manch eine oder einer von ihnen hat großes Interesse, einen langjährigen Vertrag zu guten Konditionen einzuheimsen. Wer allerdings in welcher Funktion von welcher Partei den Kasper mit dem Holzkopf, der langen Nase und der Zipfelmütze macht, steht noch in den Sternen und ob er den politischen Abenteuern standhält ebenso.

Was wird eigentlich aufgeführt? Ist es eine Tragikomödie oder ein Drama, eine Mischung aus urigem Volksstück und deftig-komischem Bauerntheater oder etwa ein bürgerliches Trauerspiel oder einfach nur eine Provinzposse? Egal, irgendwann wird auch den Zuschauern klar, welches Genre gemeint ist. Eine griechische Tragödie wird’s wohl nicht werden, denn die dominiert schließlich durch groteske und furchterregende Masken. Na und Masken tragen die Politdarsteller doch nicht – oder vielleicht doch?

Auf jeden Fall gibt in diesem Theaterstück namens „Hilfe, mein Groko dealt!“ mal der Eine den Kasper und mal ein anderer. Selbstverständlich sind auch gewiefte Gretels, hübsch anzusehende Königskinder mit von der Partie. Doch eigentlich dominieren die vielfältigen Seppels, die grünen und braunen Krokodile, die Polizisten mit dem erhobenen Zeigefinder und dem Knüppel in der anderen Hand, die bösen Räuber und die auserkorenen Prinzen.

Aus gut informieren Kreisen hört man, dass die üblich Verdächtigen noch eine ganze Weile benötigen, um eine brauchbare Premiere der Neuinszenierung von Kasperle & Friends auf die Bretter, die für sie die Welt bedeuten, zu bringen. Momentan übt man sich noch im Fressen und gefressen werden und wer da so auf der täglich wechselnden Speisekarte steht, ist noch sehr ungewiss.

09.02.2018