Machen Sie auch Anstalts-Fasten?

So langsam habe ich die Schnauze voll – jetzt werde ich mal fasten! So jedenfalls lautet mein fester Vorsatz, den ich auch stringent befolgen werde. Außerdem ist Fasten gesund, gut für Körper, Seele und Geist und man bekommt den Kopf frei.

Ach ja, nur zum besseren Verständnis: Meine Fastenzeit hat nichts mit Völlerei, kulinarischem Schnickschnack und Nahrungsaufnahme überhaupt zu tun – ich faste öffentlich-rechtlich! Ich lass ab sofort mal den Konsum von ARD und ZDF weg! Die beiden „Hauptdarsteller“ mit ihrer großen Mischpoke am Rockzipfel tun mir nicht mehr gut – jedenfalls nicht meinem Anspruch und gut und optimal informiert fühle ich mich von denen schon lange nicht mehr!

Die Öffentlich-Rechtlichen sind Anstalten, haben einen Programmauftrag, viel Personal im Lande und über den gesamten Globus verteilt, leben von unser aller (Zwangs-)Gebühren und so weiter – all das kennt jeder.

Programmauftrag bedeutet: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat den verfassungsrechtlich vorgegebenen Auftrag, einen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Meinungsbildung zu leisten und so zu einem funktionierenden demokratischen Gemeinwesen beizutragen.So kann man es jedenfalls auf der Webseite der ARD lesen. Alle Anstalten sind also verpflichtet „zur Information, Bildung, Beratung, Kultur und Unterhaltung einen Beitrag zur Sicherung der Meinungsvielfalt und somit zur öffentlichen Meinungsbildung“ aller Gebührenzahler beizutragen.

Und – tun sie das? Radio Eriwan würde vermutlich antworten: Im Prinzip ja!“ Also ein Ja mit Einschränkungen – mit diversen Einschränkungen, wie ich meine!

Nehmen wir mal die letzten Fernseh-Tage: Karneval, Fasching, Olympia in Korea, zusätzliche Sportschau und immer wieder Humbahumbatätära! Also mit Bildung und Information hatten die Tage jedenfalls nichts zu tun.

Zu Frau Will wollte niemand, Herr Plasberg fiel aus, Aktualität ist knapp, nur kurzgefasste Blablabla-Statements geschasster oder auf der Abschussliste stehender Politiker, Newcomer mit und ohne Narrenkappe aus dieser Branche. Ansonsten viel heiße Luft bei kaltem Wetter, spekulative Aussagen mit noch mehr Konjunktiv-Varianten als ohnehin schon in den letzten Monaten von Journalisten verbreitet. Und alles schön aufgelockert durch Hochleitungssport mit und ohne Doping aus dem Süden Koreas, wo es derzeit Medaillen statt Blumentöpfe zu gewinnen gilt.

Ist das alles womöglich Kultur und Unterhaltung?

„Am Rosenmontag bin ich geboren, in Rosenmontag in Mainz am Rhein“, singen die fröhlichen Narren und die vor lauter Schunkelei null Bock auf Nachrichten haben. Geht’s noch! Ich mag TV-Nachrichten um die Mittagszeit, ebenfalls das Mittagsmagazin, ich bin eben mit Spreewasser getauft und finde Aktualität um diese Zeit dufte! Auch bin ich nicht auf einer Sprungschanze mit Schiern an den Füßen geboren und Olympia tangiert mich deshalb auch nur peripher!

Was blieb mir also anderes übrig, als ins Internet zu gehen! Mittags war da nichts Aktuelles im Fernsehen! Bei diesem Programmangebot ist was gepfiffen auf den Platz in der ersten Reihe oder dem Zweiten, mit dem man angeblich besser sieht! Und bei allen anderen Sendern der ach so großen öffentlich-rechtlichen Familie war auch Zappen duster mit Nachrichten am Mittag.

Na klar, weder Olympia noch Karneval sind ganzjährige Programm-Punkte! Aber das ist lediglich nur ein Beispiel für das Fernsehprogramm, das scheinbar nach Gutsherrenart gestaltet wird. Endlose Wiederholungen aller möglichen und unmöglichen Krimis, Fernsehspiele usw., Brennpunkte und Specials nur von Montag bis Donnerstag nach „heute“ oder „Tagesschau“ – von Freitag bis Sonntag haben die Protagonisten vermutlich frei – da kann passieren, was will!

Wo ist das Bildungsfernsehen geblieben? Das für Kinder und für Erwachsene – sehr dürftig, oder mies, oder absolut Spitze? Okay, vielleicht bin ich immer zur falschen Zeit mit meinen Fingern an der Fernbedienung und zappe aufs falsche Programm.

Aber möglicherweise versteht man unter Bildungsprogramm bei den Anstalten auch all die Koch- und Quizsendungen! Immerhin kann man bei „gefragt – gejagt“, bei „wer weiß denn sowas?“, bei Hirschhausens Quiz der Menschen jede Menge lernen und ein bisschen Kochen in den Dritten macht auch nicht blöder. Aber ist das Bildungsfernsehen?

Wie wäre es denn, wenn sich die Programmmacher mal selbst ein paar knifflige Fragen mit der Bitte um Beantwortung stellten? Eine könnte ich schon mal vorgeben: Wie lange lässt sich der Zuschauer eigentlich noch für dieses bescheidene Programmangebot abzocken?

14.02.2018