Das hat man nun vom Zeitunglesen!

Man wird klüger, man bildet sich, saugt andere Meinungen auf, bekommt Inspiration, erhält Weitblick und wird natürlich auch verunsichert! Heute schreibt der und die über dies und das und morgen ist es umgekehrt. Liegt’s am Schreiberling, an unserer schnelllebigen Zeit, am globalen Zusammenrücken oder einfach nur an der Vielfältigkeit der Ereignisse? Was heute gilt ist morgen passé oder womöglich auch andersrum? Denn schließlich ist nichts älter, als die Zeitung von gestern, die dann nur noch zum Einwickeln von Frischfisch dient.

Neulich berichtete der Weser Kurier von einer bundesweiten Umfrage, die ergab, dass Bremens Bürgermeister ein Quäntchen beliebter ist, als Horst Seehofer, der Noch-Bayern-Boss. Sieling landete damit auf dem vorletzten Platz des Ministerpräsidenten-Rankings, Seehofer auf dem letzten.

Für andere Schreiberlinge ist das Thema Bundeswehr Inspiration. Das ist der Verein mit dem größten Haushaltsetat und trotzdem Schiffe nicht schwimmen, Flieger nicht fliegen, die blauen Bohnen beim Schießen um die Ecke fliegen und Jungs und Mädels nichts anzuziehen haben.

Ein absoluter Dauerbrenner ist seit Monaten auch das Parteiendebakel. SPD mit und ohne Schulz, viel Hü und noch mehr Hott, endlose Personaldiskussionen, Umfragen für oder gegen Groko und Junge gegen Alte. Bei denen mit dem großen C im Namen geht’s auch nicht besser zu und auch da steht die neue Ministergarde schon in den Startlöchern.

Apropos SPD – ob Martin Schulz wohl in Würselen rumwuselt? Komisch, in dieser Sache wird dem interessierten Zeitungsleser derzeit scheinbar nix geboten. Trotzdem steht der Berliner Politzirkus im spekulativen Nachrichtendschungel ganz vorne.

Das alles geht dem Zeitungsleser voll auf den Zeiger und der schreibenden Zunft vermutlich genauso. Daher wenden sie sich – teils euphorisch, teils zaghaft – dem neuen Thema Heimat zu. Heimat ist nämlich total in.

Heimat betrifft jeden von uns, egal wo er wohnt, wo seine Wiege stand, wo er hingeht und neue Wurzeln schlägt. Heimat ist der Kontinent, das Land, die Region, das Dorf, das Lokale.


„Werden Sie Mitglied im Schützenverein.
Lernen Sie schießen. Treffen Sie Freunde!“


Heimat ist Elternhaus, Schule, immerhin auch der Bäcker um die Ecke, die Currywurstbude, der türkische Schlachter und Gemüsehändler, die Nachbarn ringsum, die Kollegen auf Arbeit, das Gartenfest bei den Laubenpiepern am Stadtrand. Selbstverständlich gehört die Familie auch dazu und ohne Freunde geht’s gar nicht.

Heimat sind aber auch Parteien, die Ortsverbände mit den Kommunalpolitikern, Heimat-, Gesang-, Sport- und Kultur-Vereine nicht minder und genauso wie die Konditorei gegenüber oder die kleine Kneipe in der Straße.

Hunderte von Erläuterungen, Erklärungen, Empfindungen gibt’s für den Begriff Heimat, für jeden stellt er was Anderes dar und nimmt einen unterschiedlichen Stellenwert ein.

Fest steht: Heimat ist thematisch voll im Kommen, liegt im Trend und wenn Horst Seehofer erstmal amtierender Minister des Heimatministeriums der Bundesregierung in Berlin ist, das neue Fach- und Sachgebiet mit Leben füllt, wird’s bestimmt die eine oder andere Assoziation zum Thema geben, von der wir heute noch gar nichts wissen.

Vielleicht Bundestagssitzung im Trachten-Outfit, folkloristische Blasmusik und vor jeder Lesung Seemannslieder, rheinische Geselligkeit, Berliner Schnauze mit Herz, Moderationen in sächsische Sprache und Kieler Sprotten als kleiner Snack, fröhliches Schunkeln vor und nach wichtigen Abstimmungen.

Folklore und Heimat kennen schließlich alle – Finkenwerder Hemd, Schwarzwaldhütchen, Dirndl und Lederhose auch. Wäre doch gelacht, wenn Hottes Heimatministerium nicht der absolute Knaller dieser Legislaturperiode wird!

Heimat ist da, wo das Herz zuhause ist!

05.03.2018