Seid ihr Politiker im Reichstag eigentlich alle bescheuert?

„Heute ist die letzte Sitzung des Bundestages vor der Sommerpause.

Schade, dass es keine Zeugnisse gibt.“

Der Pole Tomasz Kudla in seinem Online-Magazin debeste.de


Für wie dämlich haltet ihr euer Wahlvolk eigentlich? Ja, ihr da alle im Berliner Reichstag seid gemeint, inklusive Bayern-Horst. Seid ihr total meschugge, dass ihr solch ein Affentheater im billigsten Schmierenkomödie-Stil aufführt? Geeinigt habt ihr euch noch lange nicht – wartet mal die Wahlen in Bayern ab. Dann kommt das große Erwachen, wenn alle Stimmen ausgezählt sind und das Hauen und Stechen dann erst richtig losgeht.

Wie dusslig muss man eigentlich sein, den Knallköppen von der AfD in die Hände zu spielen? Wie leichtfertig setzt ihr unser aller Heimat aufs Spiel, unsere Freiheit, unser gesamtes Leben, unseren Wohlstand, all das, was wir Bio-Deutsche, bestens Integrierte und sonstige Zugereiste an diesem Land so lieben? Nach und nach geht hier alles in die Binsen, den Bach runter, über die Wupper. Ehrenwerten Leuten, die ein Leben lang im Schweiße ihrer Füße wie doof geackert haben, müssen im Alter bei Behörden um finanzielle Zuwendungen betteln, um über die Runden zu kommen.

Hauptsache ihr sitzt auf eurem Kaffee-Klebearsch-Stuhl, lasst euch monatlich die stattlichen Diäten überweisen, und zwar von Steuergeldern, die uns der Fiskus an allen Ecken und Enden abknappst. Beim Einkaufen bedient er sich, wenn wir tanken auch, beim Restaurantbesuch – einfach überall steht er daneben und hält gierig seine Kralle hin. Sogar dann, wenn wir den Kleinsten und zukünftigen Steuerzahlern mit Pampers den Popo polstern langt Vater Staat zu!

Einheimische Pleite-Banken, die grottenschlecht gewirtschaftet haben, zu retten ist viel wichtiger, als Schlaglöcher zu beseitigen, als Kitas und Schulen auf Vordermann zu bringen und für das optimalste Personal überhaupt zu sorgen. Immerhin befinden wir uns im ehemaligen Land der Dichter und Denker! Was ist daraus nur geworden!? Millionen von Mindestlohnempfängern, denen nach einem kompletten Arbeitsmonat noch 1.230 Euro netto bleiben, nach dem ihr denen noch 120 Euro Lohnsteuern abgezogen habt. Das gleiche gilt für die Neu-Rentner 2018, deren Durchschnitts-Netto bei 1.250 Euro liegt. Selbst die unterliegen einer teilweisen Steuerpflicht!

Es sei denn, man hat sich für eine „politische Karriere“ entschieden.

Für einen akzeptablen Nachwuchs habt ihr Politiker übrigens auch nicht gesorgt.

Vielen jungen Menschen seid ihr trotzdem Vorbilder. Ihnen gefällt der Weg von der Kita zum Abi, dann ein bisschen Uni und schon steht da die Leiter für eine sichere Parteikarriere. Dafür braucht’s weder Lebenserfahrung noch praktische Kenntnisse in auch nur irgendwas. Ist ja auch mit solchen verhätschelten Nesthäkchen und sturmunerprobten Greenhorns total einfach. Die bewundern und verehren euch, hängen an euren Lippen, lassen sich von euch lenken und leiten, sind eben jung und biegsam. Irgendwann sind sie wie ihr, tanzen nach euren Flötentönen und irgendwann haben eure Klone begriffen, wie das Lügen-und-Betrügen-Spiel funktioniert, genießen die sichere Versorgung unseres politischen Selbstbedienungs-Systems.

Macht euch das Rumgetingel von einer Talkrunde zur nächsten Kamera eigentlich Spaß und wo lernt ihr denn, auf Fragen zu antworten, die euch niemand gestellt hat? Ihr labert und lügt, viele von euch sind Fähnchen im Wind und folgen nur noch ihrem Selbsterhaltungstrieb.

Erinnert ihr euch an Konrad Adenauer? Der hat mal mit seinem typisch rheinländischen Humor gesagt: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern! Glückwunsch, diese mit einem listigen Grinsen vorgetragene Schmonzette habt ihr euch aufs Fell geschrieben und fast alle von euch haben sich das zu Herzen genommen und es perfektioniert.

Und dann ist da noch das Ding mit den Umgangsformen. Okay, ein etwas rauer Ton herrschte in Parlamentskreisen schon immer. Das gab es bereits in Bonn, dafür haben Menschen wie Franz-Josef Strauß, Herbert Wehner und viele andere Politiker immer gesorgt. Na und als die Grünen und Joschka Fischer mit Turnschuhen an den Füßen und Haaren auf der Zunge damals in den Achtzigern dazukamen, wurde es auch nicht freundlicher. Aber alles kein Vergleich zu heute – da rollen sich dem alten Knigge oftmals die Zehennägel nach oben: Ab morgen kriegen sie in die Fresse! Ich kann deine Visage nicht mehr sehen! Macht euch das niveaulose Beschimpfen eigentlich Spaß? Braucht man das heute, um Aufmerksamkeit zu erregen, auf Titelseiten und in Schlagzeilen zu rücken und bei Twitter viele Follower einzuheimsen? Menschenkinder ihr seid die in der Öffentlichkeit stehenden Vorbilder für unsere Kids, unsere heranwachsende Generation!

Und dann wundert ihr euch, was auf den Straßen für rohe Gewalt herrscht, im Netz für Beschimpfungen und Hetze stattfindet. Denkt ihr eigentlich mal über euch und euer Verhalten nach?

Wie glaubt ihr, geht es euren Parteigenossen und den nicht so bekannten Vertretern eurer Vereinigungen, die ihre Nasen nicht tagtäglich in irgendwelche Kameras halten? Die, die tagtäglich an der Basis ihren Mann und ihre Frau stehen.

All die, die mit Fritz Müller im Kiez reden, dem der Vermieter zum x-ten Mal die Miete erhöht hat. Gabi Schmidt’s Monatslohn vorne und hinten nicht reicht, um mit ihren zwei Kindern ins Hallenbad zu gehen. Der Siebzigjährige, der erzählt, dass er als Rentner noch im Gemüseladen aushilft, um seine Medikamente aus der Apotheke zu bezahlen.

Diese fleißigen Vorortarbeiter wissen, was im Land los ist. Die schämen sich für eure impertinenten Debatten, Diskussionen, albernen Zankereien, über euer Machtgerangel und letztendlich auch dafür, dass ihr da in Berlin nix gebacken bekommt. Die sind stinkig auf euch und auf die aktuelle Flüchtlingsnummer, die ihr im Laufe der vergangenen Jahre habt einfach schleifen lassen. Kennt ihr die vielen freiwilligen Helfer, die euch vor drei Jahren den Allerwertesten gerettet haben, weil nämlich Otto Normalverbraucher und seine Frau eure Versprechen, den Geflüchteten zu helfen, eingelöst haben.

Habt ihr mal durchgezählt, wie viele Lebensmittel-Tafeln es derzeit im ach so reichen Deutschland gibt?

Ihr da in Berlin wisst doch überhaupt nicht, was an der Basis los ist. Was die Menschen bewegt, was sie belastet, wo bei denen der Schuh drückt?

Sperrt doch endlich mal die Ohren und Augen auf und guckt euch selbst das Dilemma des sinkenden Sterns Deutschland an. Geht nicht bloß an die Front, wenn Kameras und Mikrofone euch medienwirksam den roten Teppich ausrollen! Tut was gegen den Vormarsch der AfD. Geht nicht nur an Gedenktagen zu den entsprechenden Mahnmalen der jüngsten deutschen Geschichte – sondern setzt alles dran, dass sie sich niemals wiederholt!

Tut endlich was für uns, denn wir sind es, die euch bezahlen! Ihr seid unsere Angestellten, wir haben euch gewählt und ihr habt das zu tun, was für uns und unser Land gut ist!

Und das wissen noch einige von euch da in Berlin aus eigener Erfahrung, dass ein lauter und lauter werdender Ruf „wir sind das Volk“ auch ganz schnell mal Regime stürzen kann. Denkt einfach mal drüber nach, dass Demokratie was viel zu Wertvolles ist und nicht einfach nur etwas, das man leichtfertig aufs Spiel setzt!

07.07.2018