Tigi schreibt an Siegfried & Roy

Zum Donnerwetter, warum ist mein Laptop denn schon wieder an? Wer hat ihn zuletzt benutzt und nicht wieder ausgeschaltet? Da bin ich ganz schön stinkig und sauer, wenn man meine Sachen benutzt und sie hinterher nicht ordentlich wegräumt! Na gut, dann spare ich mir jetzt das Einschalten des Computers! Also Taste berühren und der Bildschirm ist hell – und was sehe ich? Tigi schreibt an Siegfried und Roy.

Sehr geehrter Herr Siegfried, verehrter Herr Roy, liebe weiße Tiger!
Habe gelesen, dass Sie einen Trauerfall im engsten Kreise haben. Deshalb will ich Ihnen meine lieben Grüße schicken, mein Beileid aussprechen und ankündigen, dass ich zur Beerdigungsfeier eingeladen werden möchte. Mantecore – also der Verblichene –  und ich waren sehr entfernt und weitläufig miteinander verwandt. Meine Großmutter hatte nämlich einen Butler und der wiederum einen Neffen, der weiße Kaninchen aus einem schwarzen Zylinder zaubern konnte. Hat mir als kleiner Bubi übrigens immer supertoll gefallen. War so unüblich bei Tigers – wenn Sie verstehen, was ich meine.

Dieser Neffe namens Jimmy hatte eine Geliebte und die hieß Margarita und das sind die Eltern von Ihrem toten Lebensgefährten. Verheiratet waren die beiden niemals miteinander und ihn  und die anderen Jungs und Mädels, die aus dieser Partnerschaft hervorgingen, haben sie einfach verkauft. Diese weißen Kinder haben ihnen einfach nicht gefallen und die machten auch so schrecklich viel Arbeit. Immerzu waren die schmuddelig und immer mussten sie gewaschen werden und kaum waren sie sauber und trocken, schon ging das Spielchen von vorne los. Vermutlich können Sie sich vorstellen, dass bei dem ständigen Wassermangel und dem dreckigen Urwald das alles nicht gerade optimal war und somit war es die beste Lösung, die Brut lukrativ zu verhökern.

Mantecore hieß damals übrigens Kevin, soweit ich mich erinnere. Jedenfalls hat seine Familie vom Verkauf der Kinder richtig gut leben können und sie haben sich ihre Hütte ganz schön doll aufgekrückt und einem normalen Job sind sie nicht mehr nachgegangen. Fleisch und andere Dinge ließen sie sich vom Pizzaservice liefern. Ihre anderen Kinder sind überwiegend beim Tingeltangel gelandet, eine Tochter sogar beim Moskauer Staatszirkus.

Doch nun mal zu mir und meinem eigentlichen Anliegen, weshalb ich Ihnen schreibe. Seit einiger Zeit lebe ich in einer Norddeutschen Hansestadt und vorher war ich in Berlin zuhause, habe Pflegeeltern, die so einigermaßen okay sind außerdem habe ich einen Sack voll netter Freunde. Zwei meiner besten Freunde sind Karl und Emil, zwei Nilkrokodile, die sehr intelligent sind, mehrere Sprachen fließend sprechen und sie sind ausgesprochen wohlerzogen. Emil ist eher so der Typ zerstreuter Professor, aber sonst sehr kumpelig. Sowohl die beiden als auch ich waren noch niemals in Amiland und schon gar nicht in Nevada, geschweige denn in Las Vegas, haben aber Angst vorm Fliegen – wir drei Schisser. 

Emil und Karl haben großen Bock auf USA und vor allem wollen sie auch mal ihre Kollegen in den Everglades – so ein kleiner Abstecher ist ja wohl machbar – kennen lernen und sehen, wie die da so leben und vor allem welches Bildungsniveau dort herrscht. Die meisten von ihnen sind ja wohl im Tourismus tätig. Genau genommen sitzen wir alle Drei schon auf gepackten Koffern und haben unsere Tarnkappen schon startklar gemacht. Allerdings würde es uns sehr helfen, wenn Sie uns eine Einladung schickten, denn sonst haben wir bei der so genannten Einwanderungsbehörde am Flughafen ein Problem. Die sollen da ziemlich  pingelig sein, weil sie befürchten, wir könnten Asylanten sein.

Außerdem würden wir es sehr toll finden, wenn Sie uns mit einer Ihrer Stretchlimousinen mit Chauffeur am Flughafen abholten. Fürs Taxi haben wir leider kein Geld, U-Bahn gibt es in Las Vegas nicht, Cable Car ebenfalls nicht und wir könnten nicht mal ein klimatisiertes Auto anmieten, denn wir haben leider keinen Führerschein. Wohnen würden wir selbstverständlich bei Ihnen, Platz haben Sie sicherlich genug und anspruchsvoll sind wir keineswegs. Ein Besuch im Spielkasino werden Sie sicherlich ohnehin arrangieren inklusive notwendigem Kleingeld – versteht sich von selbst. Meine Kumpels mögen überwiegend Fisch und ich persönlich bin Vegetarier und Erdbeeren und Ananas sind meine Leibspeisen. Wir hätten auch viel Spaß dran, wenn Sie ein kleines Ausflugsprogramm für uns zusammenstellten. Palmen und Everglades habe ich schon angedeutet, Disneyland wäre super und ein Ausflug nach Kalifornien inklusive Seaworld auch nicht gerade schlecht. Na wenn wir schon mal übern großen Teich zu Ihnen kommen, dann soll es sich doch auch lohnen – finden Sie nicht auch? Falls Sie mal beabsichtigen, nach Deutschland zu kommen, können wir mit Ihnen auch mal den Zoo in Bremerhaven besuchen oder in Knoops Park spazieren gehen.

Meine Pflegeeltern sind übrigens einverstanden, dass wir zu Ihnen kommen, sie lassen schön grüßen und wir dürfen bei Ihnen so lange bleiben, wie wir lustig sind, sagen sie.

Schöne Grüße aus L. von Tigi K.

„Tigi, wo bist Du? Komm mal sofort hierher! Du kannst Dich und die Krokos nicht einfach bei wildfremden Leuten einladen! Das macht man nicht!“

„Warum denn aber nicht?“ fragt Tigi zurück und schaut mich mit seinen großen bernsteinfarbenen Augen an……… Was soll ich da nun sagen?

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