Darf’s ein bisschen mehr sein?

Was soll man bei diesem Wetter bloß kochen? Das fragen sich derzeit viele, die ihren Lieben auch bei Temperaturen zwischen dreißig und vierzig Grad über Null was Anständiges auf den Tisch und Teller bringen wollen. Anständig was ist das denn? Grünzeug, Salate, Rohkost, Gazpacho, Minestrone, Matjes, Rollmops, Pudding, Wackelpeter, Obst, Grießbrei, Quark, Joghurt – mal mehr mal weniger gesund und überschaubar in Sachen kochen!

Kochen bei dem Wetter ist ätzend. Braten auch und Küchenarbeit sowieso. Doch auch Grillen macht nicht wirklich Spaß – jedenfalls nicht dem Grillmeister. Und die, die sich um den Grill scharen, wird’s noch wärmer als ohnehin schon.

Pizza und Pasta vom Lieferdienst ist eine Option, aber keine Dauerlösung.

Selbstgemachtes Eis eine weitere. In diesem Sommer lohnt sich eine Eismaschine – haben sich viele Leute gedacht! Sie informierten sich im Internet, beim Händler Vorort, im Kaufhaus und wer klug ist, sucht auf der Homepage der Stiftung Warentest. Die haben ja schon so ziemlich alles getestet, was Menschen brauchen oder auch nicht, und zwar unabhängig.

Mittlerweile sind Eismaschinen heiß begehrt und gehen weg wie warme Semmeln. Wer trotzdem die für ihn optimale Eismaschine ergattert hat und mit großer Vorfreude nach Hause trägt oder sich von DHL an die Wohnungstür liefern lässt, freut sich aufs erste Eis – doch das dauert noch ein Weilchen! Vorm Eis essen besteht der Hersteller aufs Lesen seiner 102-seitigen Bedienungsanleitung. Wer dann die Erläuterungen in seiner Sprache gefunden hat erfährt nun alles, was wichtig ist – also sofern er den Übersetzungskünsten des chinesischen Konstrukteurs folgen kann.

Wenn dann Standort, Stromanschluss und die empfohlene Handhabung („..stecken Sie den Netzstecker in die Steckdose…“) geklärt sind, geht’s um das Wie-mach-ich-denn-nun-Eis? Selbstverständlich liefert der Hersteller entsprechende Rezepte.

Doch Achtung: das Kapitel „Vorbereitungen“ ist noch vorher dran! Wer keine Küchenwaage hat, benutzt den ziemlich kleinen, aber mitgekauften Messbecher fürs Abwiegen der Zutaten, heißt es da. Und alles gut spülen vor Inbetriebnahme. Also das Typische – kennt man ja.

Vorm Schlecken braucht’s aber unbedingt die Entscheidung, welche Menge Eis soll die Maschine herstellen? Mehr als 1200 ml geht nicht, 250 ml ist das Minimum. 250 ml – lohnt sich nicht – bei der Hitze kann’s getrost ein bisschen mehr sein.

Nun zu den leckeren Rezepten – wo sind sie bloß? Vanilleeis, Schokoeis, Erdbeereis, das war’s dann auch schon mit den Vorschlägen, wer mehr will, soll das Internet zu Rate ziehen oder seine Nase ins Kochbuch stecken sagt der Hersteller. Okay, dann gucken wir mal, dann seh’n wir schon! Probelauf frei nach Schnauze – aber total lecker.

Täglich steht nun Eis auf dem Speiseplan. Mal mit Joghurt, Quark, Milch, Kefir, Sahne, Fruchtsaft, Obst – immer mit ganz viel Kreativität aber total köstlich und wohlschmeckend bis zum Geht-nicht-mehr!

Wenn sich mal eine Anschaffung gelohnt und bereits nach kurzer Zeit amortisiert hat, dann die der Eismaschine. So lautet jedenfalls unser Fazit nach zweimonatigem Gebrauch.

Vermutlich hat unsere Eisdiele uns schon längst als vermisst, weggezogen, verreist oder gar verstorben eingestuft.

Foto: Lotus Head from Johannesburg, Gauteng, South Africa, Ice Cream dessert 02, CC BY-SA 3.0

03.08.2018