Na wenn er dann wenigstens gut kochen kann………

…ist es mir total schnuppe, ob der Küchenchef Abi gemacht, Legastheniker, Schul- oder Studienabbrecher ist. Er soll sein Handwerk an Herd und Kochtopf gut verstehen und sonst nichts. Er muss weder die deutsche Sprache astrein beherrschen, noch den Nobelpreis für Literatur eingesackt haben. Wer den Kochlöffel schwingt ist eben anders kreativ als der, der das Gekochte in geschriebene Worte für die Speisenkarte fasst!

Jeder hat sie schon mal in der Hand gehabt, in ihr gelesen, geblättert, hat sich bei ihr Appetit geholt, sie für gut oder für überhaupt nicht einladend befunden, die Haptik genossen oder sich vor ihrer schmuddeligen Klebrigkeit geekelt. Speisenkarten sind so vielfältig wie die Restaurant-, Gaststätten-, Imbissbuden- und Gourmettempel-Betreiber und ihre kulinarischen Angebote.

Wer hat sie eigentlich erfunden? Die Schweizer waren es jedenfalls nicht – die haben‘s eher mit Kräuter-Husten-Bonbons und Käse-Fondue. Doch wenn man wikipedia und anderen klugen Erläuterungen im Netz Glauben schenkt, dann gibt’s Speisenkarten seit anno Zopf. Ganz früher – also weit vor Erfindung unserer heutigen Restaurants – hängte man beispielsweise ein Bärenfell an die Höhlentür. Das signalisierte Vorbeikommenden: „Hey Leute hier gibt’s was zu essen und wenn ihr Hunger habt, dann kommt rein, wir haben noch was übrig!“ Das haben alle verstanden und die Gefahr, fehlerhaft zu schreiben, lag bei null.

Seither hat sich nicht viel verändert. Speisenkarten hängen meist noch immer draußen vorm Lokal, oft in einem Glaskasten mit oftmals dreckigen Scheiben. Nicht selten sind die einzelnen Seiten von ständig wechselnden Wettereinflüssen unleserlich zusammengerollt. Macht aber nix, denn im Restaurant wird dem hungrigen Gast schließlich ein einwandfreies Exemplar an den Tisch gebracht – hoffentlich jedenfalls! Allerdings soll es auch vorkommen, dass Speisenkarten zerfleddert, abgegriffen, schmuddelig und speckig daherkommen – doch das lassen wir mal beiseite.

Wer arbeitet macht Fehler! Und der, der schreibt eben Schreibfehler, Flüchtigkeitsfehler, Interpunktionsfehler und was sonst noch so machbar ist. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt wie sich unschwer auf vielen Speisenkarten im Lokal oder im Internet nachlesen lässt. Abkürzungen sind auch sehr beliebt, obwohl für den Gast nicht auf Anhieb verständlich. „Salat kl. + gr., Schnitzel kl. + gr., norw. Lachsfilet m. Sc. Hollandaise, gebr. Heilbutt, Wels-Fil. m. Kart.-Pü.“ – Beispiele gibt’s unendlich viele.

Die Speisenkarte vermittelt dem Restaurantbesucher vorab einen Über- und Ausblick auf das von ihm zu erwartende Essen – so lautet die Expertenmeinung, die zum Thema Speisenkarte rein wissenschaftlich vielerorts recherchiert haben. Jede Menge Erkenntnisse haben diese Experten gewonnen und ein Fazit lautet: Restaurantbetreiber, die auf sich halten, Branchenerfahrung haben, Fachkräfte beschäftigen und viel Wert auf beste Produkte legen, haben auch eine ansprechend-einladende Karte vor der Tür, auf dem Tisch und im Internet!

Wer über dem Eier-Speisen-Angebot „frische Eier von glücklichen Kühen“ zu stehen hat, hat sicherlich die Lacher auf seiner Seite und wenn überm Kuchenbüffet ein „Café to go“-Schild prangt und darunter steht der Hinweis „auch zum Mitnehmen“ ebenfalls. Doch wenn im Cross-Over-Restaurant von einem „schmackhaften Bambi Goreng“ die Rede ist und von einer „Schnupfnudelpfanne“, begeistert der Gastronom seine Gäste möglicherweise nicht – zumindest nicht auf Anhieb.

27.08.2018