Sie ist Witwe, denn der Gatte, den sie hatte………….

Kennt jeder – ist Heinz Erhardt wie er leibt und lebte und mit seinem unverkennbaren Humor. Der Witzbold packt das Witwen-Thema eben tierisch-humoristisch an. „Hinter eines Baumes Rinde, wohnt die Made mit dem Kinde. Sie ist Witwe, denn der Gatte, den sie hatte, fiel vom Blatte!“ Im richtigen Leben fällt er zwar nicht vom Blatte, sondern macht sich auf Nimmerwiedersehen aus dem Staub.

Eine Witwe ist die übrig gebliebene Ehefrau ihres verstorbenen Gatten. Früher war sie ein lästiges Anhängsel der Gesellschaft, traute sich nur noch keusch und züchtig im schwarzen Gewand, verheulten Augen im traurigem Gesicht und gebeugtem Haupt unter Menschen und nicht selten musste sie mit einer sehr schmalen Witwenrente ein karges Dasein fristen. Nicht selten war sie noch mit einem Rundrücken gestraft, den der Volksmund diskriminierend Witwenbuckel nannte.

Das hat sich verändert und so manch eine Witwe erfindet sich neu, wenn er für immer unterm Rasen schlummert oder auf dem Meeresboden von Fischen umrundet wird. Sie outet sich nicht durch dunkles Zeug oder einen Witwenbuckel, sondern startet nochmals voll durch in einen selbst erwählten und noch ganz unbekannten Lebensabschnitt.

Was wären die prunkvollen Speisesäle an Bord von Kreuzfahrtschiffen ohne die wohlhabenden älteren Damen …?

Besonders gut funktioniert das, wenn der Verblichene ihr eine stattliche Rente oder ein kleines, ansehnliches Vermögen hinterlassen hat. Witwen sind eine nicht zu verachtende Spezies, die der Wirtschaft sehr am Herzen liegt, denn sie sind potente Verbraucherinnen. Was wäre die AIDA-Flotte, die Tourismus- und For-ever-joung-Industrie ohne die junggebliebenen älteren Damen mit dem gut gefüllten Portemonnaie, dem Hunger auf Abenteuer, Fitness und dem Jetzt-will-ich’s-aber-nochmal-wissen-Syndrom?

Vielfach ist der Weg dahin nicht einfach – oftmals eher beschwerlich. Doch wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine neue – heißt es. Trifft auch auf Witwen zu – zumindest manchmal, nicht immer, aber immer öfter.

Heutzutage ist das schöne Geschlecht mit sechzig oder siebzig Jahren kein graues Mäuschen und Witwen sind’s schon gar nicht. Den meisten gelingt ein Neustart bestens – manchmal früher, manchmal später. Sie emanzipieren und definieren sich meist sogar nochmals völlig neu. Hat sicherlich mit der Länge und dem Verlauf der Ehe zu tun. Witwen werden nicht selten zu lustigen Witwen, so wie sie bereits von Franz Lehár anfangs des vergangenen Jahrhunderts musikalisch bedacht wurden.

Drum sind Witwen oftmals ähnlich wie Single-Fräuleins: sie werden ungern in Pärchen-Runden eingeladen. Alleinstehende Frauen sind den liierten Damen ein Dorn im Auge und äußerst suspekt, denn sie könnten ihrem angetrauten Gatten womöglich den angegrauten Kopf verdrehen und dann – oh je, bloß nicht drüber nachdenken!

Früher waren Witwen total außen vor, wie zum Beispiel die Witwe Bolte in den Wilhelm-Busch-Geschichten. Heute sind sie eine ernst zunehmende Konkurrenz. Viele von ihnen sind junggeblieben, oftmals echt kess und sexy, finanziell unabhängig und an festen Verbindungen nicht mehr interessiert. Männerunterhosen waschen, Hemden bügeln, regelmäßig Essen kochen und für die Familie tun und machen ist nicht mehr angesagt. Solche Damen sind eigentlich die perfekten Geliebten, die gerne golfen, reisen, zu Vernissagen gehen und Kreuzfahrtschiffe zu ihrem Revier erklärt haben, wo sie andere – ebenfalls unternehmungslustige – Menschen treffen.

Manche Witwen benötigen eine Orientierungszeit, bevor sie sich neu aufstellen. Sie werden mutig, sie mutieren zu ganz neuen Persönlichkeiten, mit neu gesteckten Zielen, verlassen die eingetretenen alten Pfade. Sie hüten ihre geliebten Enkel gerne, aber nicht nur. Sie essen gerne, aber nicht nur alleine und nur zuhause. Sie packen ihr Leben nochmals ganz neu an, übernehmen die Regie, lassen sich mit dem Horizont im Blick treiben.

Die Alleingelassenen wissen meist sehr gut was sie wollen und mit wem sie was wollen und sie sind keine Frauen, die sich vor Einsamkeit grämen. Sie sind taff, mit dem Herz am rechten Fleck, mit Sicht nach vorne und so manch eine Ehefrau wirft ihr einen neidisch-bewundernden Blick zu und denkt…………….tja, was sie wohl denkt?

Foto: Speisesaal der Adventure of the Seas

brookenovak, Vivaldi Dining Room 1, CC BY 2.0

20.09.2018