„Obst und Gemüse aus eigenem Anbau“

Bummeln übern Wochenmarkt macht Spaß. Frisches saisonales Obst und Gemüse aus der Region wecken Kauflust, sind Appetit anregend, inspirieren zum Kochen und Essen – oder etwa nicht?

„Obst und Gemüse aus eigenem Anbau“ prangt in Großbuchstaben über etlichen Verkaufsständen und neben dem üblichen Obst aus dem Alten Land sind Bananen, Granatäpfel, Ananas, Mangos, Papayas, Physalis, Pomelos und andere Zitrusfrüchte dekorativ aufgebaut. Wie gesagt – alles direkt vom regionalen Erzeuger! Donnerwetter, ist ja irre! Hatten wir bisher in unserer Region nicht im Anbau- und Ernteprogramm. Ob es wohl am Klimawandel liegt?

Früher war‘s ein klein bisschen langweiliger am Obststand – also rein obstmäßig zumindest: Nur Äpfel, Pflaumen, Birnen, etliche Beerensorten – dass was Mutter Natur hier so im Angebot hat!

Exotischer geht’s heutzutage zu.

Früchte aus aller Welt“ sollte über solchen Marktbuden stehen – wäre irgendwie treffender. Damals – also in der guten alten Zeit – gab es auch schon gut sortierte Obst- und Gemüseläden, da wies der Besitzer dann extra auf die Besonderheiten aus Übersee und sonst woher stolz hin.

Heute ist das nicht mehr üblich – lässt sich vielleicht nicht immer seriös mit dem Gütesiegel „öko & bio“ vereinbaren.

Beim Gemüse sieht es keineswegs anders aus. Bauer Piepenbrink bietet Kartoffeln an, die aus einer anderen Ecke der Welt kommen, ebenso erntefrischen Knoblauch mit saftigem Grün aus der Bretagne, dicke Soloknollen aus China.

Jede Menge Schmackhaftes aus eigenem Anbau – na klar, Eier von glücklichen Hühnern, saftige Salatsorten, Frühlingszwiebeln ganzjährig in lila und weiß, kann man bei ihm und seinen Kollegen käuflich erwerben.

Und dann erstmal die Tomatenvielfalt: rote, grüne, schwarze, gelbe, große, kleine, aromatische mit und ohne Rispe, süßlich schmeckende – das Angebot ist kaum überschaubar und der Duft dieser Früchte streichelt die Sinne!

Beim Schlachter ist die Auslage hinter der Glasscheibe ähnlich verlockend und zweifelsfrei hat er nur Tiere auf seinem Hackbrett zerteilt, die eine wundervolle Kindheit und Jugend auf der grünen Wiese mit der gesamten Mischpoke Gras mümmelnd und fröhlich pupsend verlebten.

Selbstverständlich sind auch alle Milchprodukte, Sahne, Butter, Joghurt, Quark und Käse am nächsten Stand nur vom Allerfeinsten und sorgfältig in der eigenen Käserei unter strengsten Hygienevorschriften nach alten überlieferten Rezepten hergestellt worden.

Der Wochenmarkt ist Natur pur, eine Idylle ein Refugium, gaukelt dem Besucher eine heile Welt in der sonst so laut tosenden und mit Autoabgasen vermieften Stadt vor.

Wer genug Geld im Säckchen hat, mit selbst gehäkeltem Netz, umweltfreundlichen Leinentaschen oder dem traditionellen Einkaufskorb bewaffnet ist, dem darf man einen wunderschönen Einkaufsbummel wünschen und noch den Traditionsbäcker, den Kräuterstand und den Mann mit Öl, Essig, Honig und Marmelade – natürlich alles selbstgemacht – empfehlen.

Und am Blumenstand geht dem Besucher das Herz dann erst so richtig auf: Bunte Blumen in allen Farben, Formen und Größen, betörende Düfte – ein Fest für Augen und Nase. Blumen aus aller Welt, prächtige Asternbüsche aus Holland, Sonnenblumen, Dahlien und Gladiolen vom eigenen Feld – für jeden ist was dabei, was immer das Herz begehrt.

Natürlich werden auch Orchideen und Kap-Rosen angeboten. Protea – die schönste Blume Südafrikas sagt man.

Diese hier stammen bestimmt aus biologisch einwandfreiem Anbau, bevor sie per Flieger ein paar tausend Kilometer bis nach Europa, nach Deutschland und auf diesem Wochenmarkt verkauft wurden. Der Züchter hat garantiert einen fairen Preis für seine Arbeit erhalten und auf der Plantage toben nur fröhlich spielende Kinder herum.


Schau mal, ist das nicht die Grünen-Politikerin, die neulich gegen große und kleine Umweltsünden öffentlich gewettert hat und die im Urlaub selbstredend nur Radtouren macht und wandert? Auch sie scheint Blumen zu mögen. Hat soeben einen Strauß aus dem fernen Südafrika gekauft! Na, vielleicht sind die Kap-Rosen aber auch aus Teneriffa. Da gibt’s mittlerweile ebenfalls solche Plantagen. Das spart immerhin jede Menge Flugzeug-Kerosin, denn die Kanaren sind ungefähr nur tausend Kilometer von hier entfernt…………!

24.09.2018