Bock auf Party?

Nun ist es mal wieder soweit und der dritte Oktober ist da. Der Feiertag. Einer für alle. Egal ob biodeutsch, Ossi oder Wessi, fremdländisch verwurzelt, Ostfriese oder Bazi. Heute wird gefeiert, denn es ist ein Festtag für alle, die deutsch sind!

Diesen Tag der deutschen Einheit begehen alle, die sich irgendwie deutsch fühlen, von hier sind, deren Wiege am sandigen Strand der Ost- oder Nordsee stand, wem schon kurz nach der Geburt der Westerwaldwind kalt um die Ohren pfiff oder der mit Weihnachtspyramide und Schnitzmesser unter den wachsamen Augen Rübezahls aufgewachsen ist.

Wer also einen amtlichen Stempel im deutschen Pass oder Ausweis hat – dem ihm selbstverständlich eine dazu befugte deutsche Behörde ins Dokument gedrückt hat – hat heute Grund zum Feiern!

Diesen Tag hat man uns 1990 übergestülpt. Ob wir ihn wollten? Wer weiß das noch….

Da sollen wir nun immer alle mit fröhlichem Herzen an die friedliche Revolution im Ossi-Land denken. Wir sollen uns an die feierliche Wiedervereinigung erinnern, an Feuerwerk und Glückseligkeit und vor lauter Rührung an damals die eine oder andere Träne über die gepuderte Wange kullern lassen.

Doch wer tut das schon? Wer denkt mit Freuden an diesen Tag vor achtundzwanzig Jahren zurück? Na gut, so manch einen wird’s schon geben, bei dem es sich lohnt, nochmals die Korken knallen und die Zeit Revue passieren zu lassen. Vielleicht hat er damals seine große Liebe gefunden, lukrativ geerbt, jobmäßig das Glückslos gezogen, kräftig Karriere gemacht oder sich einfach nur über die Reisefreiheit gefreut und findet sie auch heute noch affengeil.

Jedenfalls haben an diesem Feiertag so ziemlich alle frei – viele jedenfalls. Wer im Krankenhaus und Altenheim sein Geld verdient natürlich nicht. Der Traumschiffkapitän auch nicht, genau wie der Busfahrer, der von der Straßenbahn und vom ICE hat ebenfalls schlechte Karten. Doch alle, die heute andere betuddeln, bedienen, durch den Feiertag kutschieren oder anderweitig Gutes tun, sind angemeiert.

Doch was auf den ersten Blick doof erscheint, muss es auf den zweiten vielleicht gar nicht sein: Sie müssen nämlich nicht vor der Glotze sitzen und Bud Spencer und Terence Hill Filme nonstop ansehen, Politikerreden bis zum Erbrechen hören, müssen nicht bei Fieselregen und echt frischen Temperaturen im Freien rumlaufen oder bei Sonnenschein vergeblich nach ner freien Bank im Park suchen, sich an der Kinokasse oder vorm Museum in die Warteschlange einreihen und sie müssen auch nicht vergeblich nach dem Kellner rufen, der dem Andrang der Gäste im heillos überfüllten Restaurant nicht gewachsen ist.

Wer allerdings Zeit und Lust hat, ist auf den vielen Open-Air-Veranstaltungen landauf landab herzlich willkommen. Vielerorts gibt’s extra an diesem Tag Remmidemmi und Ringelpiez bis der Doktor kommt. In Berlin steppt der Bär schon seit zwei Tagen auf der Festmeile. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller wirbt mit dem Slogan „nur mit euch“ für eine lebendige Demokratie bei Frischbier, Currywurst, Pfannkuchen, Kartoffelpuffer und abends Feuerwerk unterm Sternenhimmel am Brandenburger Tor.

Und wer’s so richtig besinnlich und feierlich mag, der pfeift leise und inbrünstig die Nationalhymne vor sich hin oder denkt einfach nur daran, wie schön doch früher der 17. Juni als Feiertag zum Sommerbeginn war und man mit Badehose und Kühltasche volles Ausflugsprogramm am Wasser bei meist garantiertem Sonnschein genießen durfte.

03.10.2018