Kabinett – mal zum Trinken, mal zum Gruseln

Das Wort Kabinett ist ein Wort mit vielfacher Bedeutung.

Beim Wein sind‘s die Oechsle, die einen Wein zum Prädikatswein werden lassen. Je höher die Oechsle, umso besser die Lese, der Weg zum Kabinett, zur Spätlese, zur Auslese.

Kabinett ist aber auch das kleine unscheinbare Zimmer neben dem Salon, das Hinterzimmer. Geeignet zum Kungeln, was Geheimes zu tun, vielleicht auch was Illegales. Im täglichen Sprachgebrauch nennt man das Kabinett auch Bude, Kabuff, Gemach, Kammer oder ganz banal nur Stube.

In einem Kunstkabinett bewahrt man private Schätze, Schätzchen und Kostbarkeiten auf, um diese Liebhabereinen und Besonderheiten einem interessierten Publikum zugänglich zu machen.

Ein Naturalienkabinett beinhaltet hingegen Sammlungen von Tier- und Pflanzenpräparaten.

Hinter dem Begriff Kuriositätenkabinett steckt eine Art Wunderkammer, die es bereits im Barock gab und selbst schon damals mit so manch einem Kabinettstückchen.

In früheren Zeiten war es in feinen Kreisen absolut nicht salonfähig verbal zu verkünden, dass man aufs Klo oder auf die Toilette muss. Da besuchte man unauffällig das Kabinett, eben ein anderer Begriff fürs stille Örtchen.

Und wer sich mal so richtig fürchten möchte geht ins Gruselkabinett.

Das Wort Kabinett hat seinen Ursprung im Französischen – cabine, und dieses Wort ist in unserem Sprachgebrauch total fest verankert. In Flugzeugen gibt’s die Kabinen, auf Schiffen sowieso, Seilbahnen haben sie ebenfalls, duschen und umkleiden ist in der Kabine möglich und geheim wählen natürlich auch.

Zum Schluss noch das politische Kabinett. Damit ist eine Regierungsmannschaft gemeint, die der Regierungschef oder die -Chefin eines Landes im geheimen Kabuff ausgekungelt hat. Es ist das auserwählte Team, um das Beste für Volk und Vaterland zu bewerkstelligen.

So, das war’s dann eigentlich mit der Vielfalt des Wortes Kabinett…Oder?

Vielleicht doch nicht. Waren das wirklich schon alle Sichtweisen?

Stimmt, da gibt’s schon noch die eine oder andere Interpretation.

In einem Regierungskabinett sind so etliche Schätze und Schätzchen verborgen. Diese menschliche Vielfalt garantiert wiederum kuriose Kabinettstückchen, die übrigens mit jeder Regierungsmannschaft machbar sind. War früher schon so, ist aktuell nicht minder der Fall und wird garantiert auch zukünftig auf der Polit-Bühne gespielt.

Auch im (Noch-)Kabinett von Angela Merkel gibt’s das eine oder andere seltene und kuriose Exemplar. Dazu gehört zum Beispiel ein bayerischer Problembär, eine deutsche Weinkönigin, ein Ex-Senator aus Hamburg, der einst für die zwangsweise Verabreichung von Brechmitteln plädierte sowie die Chefin der Bundeswehr, die gerne das Lied „wohlauf in Gottes schöne Welt, lebe wohl ade…“ singt.

07.11.2018