„Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages!“

Mit diesem Satz haben mich schon meine Eltern genervt, meine Mutter besonders. Das hieß real: Der Wecker klingelt noch früher als ohnehin schon und geschniegelt und gestriegelt am Tisch sitzen war ohnehin nicht so mein Ding, schon gar nicht mit zunehmendem Alter. Mein Vater fand frühstücken im Kreise der Familie absolut toll. Für ihn war ein gemeinsames Frühstück am Wochenende an einem gut gedeckten Tisch absolut das Größte. Allerdings war er mit diesem familiären Glücksgefühl ziemlich alleine. Er war Frühaufsteher – wir nicht! Und das schon gar nicht, als wir die Freitag- und Samstagabende in der Disco oder woanders verbrachten! Da war ausschlafen wichtiger als Small-Talk mit unseren Erzeugern. Er liebte es, mit uns detailliert über die vergangenen Wochentage und sämtliche Erlebnisse und Ereignisse zu plaudern. Wir waren nicht so gesprächig, eher maulfaul“ Nicht selten frühstückte Papa den sprichwörtlichen Clown und nervte uns mit seinem Frohsinn – oftmals durchgängig bis zum Sonntagabend-Tatort!

Seither bin ich bekennender Frühstücksmuffel….

Frühstück für 3,95 € inklusive Kaffee oder Tee, so kann man es überall lesen, denn jede gute Bäckerei oder Billigbackstube bietet das mittlerweile an. Ein völlig aufgeblasenes Brötchen, Butter, ein steinhart und grünschimmernd gekochtes Ei, je eine Scheibe billigste Salami und Industriekäse, abgepackter Honig oder Marmelade an etwas Tomate und Eisbergsalat. Da ist es vermutlich gesünder, auf die wichtigste Mahlzeit des Tages zu verzichten!

Im nächsten Laden zeigt der Bäckermeister in der gläsernen Backstube sein Können. Wer richtig sitzt, kann ihm bei der Arbeit zusehen und den Inhalt des Brotkorbs leeren. Das Frühstück ist mindestens dreimal so teuer und dem Gast ist freigestellt, ob er Wurst und Käse oder lieber Süßes essen mag. Eine weitere Variante ist das besondere Müsli, das selbstverständlich vom Körner- und Flocken-Kenner ausgewählt und zusammengestellt wurde. Quark, Joghurt und Milch stammen ohne Frage von Weidekühen, denen ein klassischer Kuhstall total fremd ist – so steht’s jedenfalls auf dem Werbeflyer.

Vom Bio-Bäcker schwärmt jeder, der dort schon mal ein Butter-Croissant für 1,50 € genossen hat. Allerdings sind die Stehtische überhaupt nicht einladend, um Köstliches vor Ort zu verzehren. Ein typischer Kaffee-to-go-Laden – viel Leckeres und Besonderes im Angebot, allerdings auch viel zu viel Verpackungsmüll.

Selbst diese Cafés haben mich nicht ins Gegenteil bekehrt und aus einem Frühstücksmuffel einen Frühstücks-Fan gemacht. Auch Restaurants mit klassischem Frühstücksangebot in der Zeit von 7:30 Uhr bis maximal 10:30 Uhr können mich nicht umstimmen und von mir keinen Blumentopp gewinnen.

Aber wenn dort die Kaffeetassen zunächst in den Spüler und danach bis zum nächsten Morgen wieder in den Schrank wandern, geht’s woanders erst richtig los.

Da heißt das Zauberwort nämlich Brunch. Frühestens ab zehn Uhr, meistens jedoch später und dafür bis in den Nachmittag hinein.  

 

Vermutlich ist deshalb Brunch schon seit langem genau mein Ding. Kein nerviges Weckergebimmel, kein fluchtartiges Bettverlassen zu unchristlicher Zeit, alles in Ruhe und stressfrei erledigen, was getan werden muss und sich aufs kommende späte Frühstück/frühe Mittagessen freuen!

Ein tolles Büfett ist für mich eine der besten Errungenschaften unserer Zeit und bereichert unsere Esskultur ungemein. Obst, Gemüse, Warmes, Kaltes, Süßes, Deftiges, Gebratenes, Gegrilltes, Suppiges und hundert andere Leckerlis törnen meine Geschmacksnerven an. Dazu passen gute Gespräche in trauter Zweisamkeit oder Gedankenaustausch mit Freunden – das ist Frühstück, das ist Mittag, das ist Brunch – das ist toll und macht mir Spaß.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, ein Restaurant zu finden, das diesem Wunsch gerecht wird und dann noch zu einem angemessenem Preis Gutes bietet. Ziemlich oft dominiert die Enttäuschung, weil weder das Preis-Leistungsverhältnis, die Qualität der Speisen noch der Service stimmen. Und wenn man dann eine Location gefunden hat, wo alles stimmt und es nichts zu meckern gibt, dann gibt’s Brunch nur an Sonn- und Feiertagen!

Warum eigentlich? In Zeiten, wo es mehr und mehr rüstige und unternehmungslustige Rentner gibt, ist das nicht zu verstehen. Und nicht nur rüstige Rentner lieben das Brunchen in der Woche, haben Umfragen der Meinungsforscher ergeben. Na und was der Brunch-Zielgruppe guttut, kann dem Gastwirt doch eigentlich nicht schaden!

Das zumindest haben Gastronomen in meinem Einzugsgebiet noch nicht für sich entdeckt, was ich außerordentlich doof finde. Wie schön wäre es – aber was nicht ist, kann ja noch werden!

Und bis dahin brunchen wir eben zuhause! Bedeutet zwar ein bisschen Aufwand, aber einkaufen geht sowieso jeder mal und wenn der kleine oder große Hunger ruft, muss man ohnehin Abhilfe schaffen.

Warum also nicht die Zeit zwischen Frühstück und Nachmittagskaffee zu einem leckeren Brunch nutzen?

Viel Spaß bei den Vorbereitungen und guten Appetit!

12.11.2018