Vater und Mutter: „ Wir sind dann mal weg…!“

Er ist der Vater der Lindenstraße, der Herr Geißendörfer und sie die Mutter Beimer aus selbiger. Er heißt wirklich so und wie ihr richtiger Name ist, ist eigentlich unwichtig! Die ganze Nation nennt sie nur Mutter Beimer.

So, und nun ist bei Vater und Mutter im übernächsten Frühjahr Dunkeltuten angesagt.

Aber keine Sorge, liebe Fangemeinde. Wetten, dass die Lindenstraße dem treuen Zuschauer erhalten bleibt? Na klar, davon darf man ausgehen. Und wenn die bei der ARD so richtig pfiffig sind, dann drehen die Fernsehmacher mal wieder – wie fast alles jemals Gesendete – einfach auf Anfang.

Alles zurück auf den Nikolaustag des Jahres 1985. Nach Lindenstraßen-Zeit war der ein Freitag und somit war der Sonntag nach Nikolaus das erste Mal mit den Beimers. Eine glückliche Familie im Advent. Mama, Papa und die Kinder, besinnliches Beisammensein, Flötenspiel – also harmonischer geht’s nimmer!

Fast wie Weihnachten bei den Hoppenstedts. Die hat Herr Geißendörfer zwar nicht erfunden, dafür aber Loriot. Auch Familie an Weihnachten. Vater, Mutter, ein Kind, ein Opa, eine Flöte. Bis zu dem „Zicke-zacke-Hühnerkacke“ und „früher war mehr Lametta“ ist’s auch bei den Hoppenstedts harmonisch.

Glauben Sie nicht? Einfach ansehen und nachprüfen, denn das deutsche Fernsehen geht mit Wiederholungen keineswegs sparsam um! In irgendeinem Programm läuft es vermutlich gerade in diesem Augenblick, in dem Sie das hier lesen.

Drum bin ich mir ziemlich sicher, dass auch die nachwachsende Generation keine Folge Lindenstraße seit Dezember 1985 verpassen muss. Großeltern, Eltern und wer sonst noch im Umfeld fernseh-affin ist, muss nicht nur davon unter dem Motto „damals war’s“ berichten. Der verweist einfach auf ARD und ihre Töchter und aufs Internet.

Wäre doch gelacht, wenn nicht alle Bio-Deutschen, Spätgeborenen, Eingebürgerten, aus fremden Ländern Zugereiste und andere Menschen, die im Einzugsgebiet der schwarz-rot-goldenen Flagge leben, nicht das Kulturgut der sonntäglichen Lindenstraße mit den Fernsehzuschauern längst vergangener Zeiten teilen dürften.

Also keine Bange, die Lindenstraße und all ihre Darsteller mit ihren Erlebnissen und Geschichten sind for ever young. Sie sind unsterblicher Kult!

Und sollte in tausend oder mehr Jahren wieder ein Heinrich Schliemann nach Antikem suchen, kann man sicher sein, dass er die Lindenstraßen-Archive der ARD finden wird. Hat schließlich mit den alten Griechen und deren Errungenschaften auch geklappt und selbst Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer sind der Nachwelt nicht flöten gegangen.

Grundlegend darf man schon heute sicher sein, dass beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk nichts verschwindet. Na gut, manchmal vielleicht ein bisschen korrekterer Journalismus, ein paar nicht ganz so reißerische Magazinsendungen wären auch nicht übel, ein paar echte Talk-Könner würde die Medienlandschaft ebenfalls bereichern und die Herren und Damen Moderatoren könnten manchmal auch ein bisschen weniger selbstherrlich sein.

Doch was soll’s – ist alles dummes Zeug und nur Pipikram gegen Kultserien wie Lindenstraße, Traumschiff, Derrick, Tatort, Diese Drombuschs, Ein Herz und eine Seele, Schwarzwaldklinik, Familie Hesselbach, Praxis Bülowbogen und wie sie alle heißen.

Nicht traurig sein – Kopf hoch und wie sagt man so treffend: Nie geht einer so ganz! Also auch Mutter und Vater verschwinden nicht wirklich – sie sind nur nicht mehr Sonntagabend zehn vor Sieben in der ersten Reihe anzutreffen!

17.11.2018