Weihnachtsmarkt mit Opa Franz

Übern Weihnachtsmarkt mit Opa Franz zu schlendern, war ein Highlight für mich. Opa hatte immer die Spendierhosen an und ich musste nicht lange um dies und das bitten oder betteln – ich durfte einfach alles.

Er kaufte mir heiße Würstchen, Kartoffelpuffer und Kinderglühwein aus Kirschsaft. Aber auch Zuckerwatte, gebrannte Mandeln, kandierte Äpfel und anderes Zeug was ich eigentlich nicht mochte, aber wenn Weihnachtsmarktzeit war, machte ich schon mal eine Ausnahme.

Meistens traf ich dann auch andere Kinder aus meiner Straße, Schule oder Schwimmverein mit denen ich mich köstlich amüsierte und Opa für uns die eine oder andere Mark zusätzlich springen ließ. Während wir Karussell fuhren, die Krippe mit den echten Tieren ansahen und jede Menge durcheinander futterten und den Grundstein für späteres Bauchweh und mehreren Tassen Kamillentee legten, kehrte Opa Franz ins Café am Marktplatz ein.

Dort waren die jungen und hübschen Bedienungen im schwarzen engen Röckchen, noch engeren Pullis und schneeweißen Schürzchen eine Augenweide für die Männerwelt. Aber auch ein öffentliches Ärgernis für die Kaffeekränzchen-Damenrunden und für den Kaffeehausbesitzer ein Umsatzgarant.

Opa Franz konnte Süßholzraspeln und flirten wie kein Zweiter. Die Serviererinnen kannten ihn, himmelten ihn an und sie ließen sich von seinem Charme betören. Die eine oder andere leistete ihm beim nächsten Kinobesuch und einem anschließenden Glas Wein gerne Gesellschaft, munkelte man.

Bevor Opa und ich durch den Schnee nach Hause stapften, wärmte ich mich im Café bei einer heißen Schokolade mit viel Schlagsahne auf und als er mich später bei meinen Eltern ablieferte war mir kotzübel. Insgeheim hoffte ich, dass dieser Zustand auch am nächsten Morgen noch anhaltend schlimm war, so dass für mich die Schule ausfiel. Da hatte ich aber die Rechnung leider ohne meine Mutter gemacht!

Aber ansonsten war’s ein sehr gelungener Ausflug mit Opa Franz und lukrativ war er außerdem. Wie immer steckte Opa mir noch ein Fünf-Mark-Stück für meine Sparbüchse zu. Derartige Finanzschübe blieben übrigens Opas und mein Geheimnis und ich freute mich natürlich schon auf unseren nächsten Ausflug – wohin auch immer!