Plätzchen gehen mir auf den Keks!

Erstens mochte ich Kekse, Plätzchen und all das Zeug noch niemals besonders gerne und wenn doch mal meinem Vorsatz untreu wurde, dann konnte man mich nur mit Schoko-Spekulatius hinterm Ofen vorlocken. Die mit Butter und Bitterschokolade waren mir am liebsten. Diese besondere Sorte konnte man bequem im Laden kaufen und musste nicht in der Küche selbst ran an den Teig!

Oma Else und Mama Lena hielten die Weihnachtsbäckerei allerdings für völlig unerlässlich. Weit vor Weihnachten gingen die beiden in Produktion und füllten sämtliche, im Haushalt vorhandenen, Blechbüchsen mit ihren Ergebnissen. Zum ersten Advent spendierten sie dann ihre Kostproben und wenn dann noch Besuch auf der Matte stand, war rasend schnell das meiste davon aufgefuttert. Also ging in der Woche vorm zweiten Advent das gesamte Theater von vorne los.

Überhaupt war in der Küche Hochkonjunktur. Es wurde gebacken, gekocht und alles Mögliche vorbereitet, was zum Weihnachtsfest dazu gehörte und bis dahin nicht verderben konnte. Manches wurde nach Fertigstellung im kleinen Kreis probiert und für meistens gut befunden, denn die beiden Damen waren mit ihren Kochlöffeln und sonstigen Gerätschaften äußerst kreativ unterwegs.

Unter anderem wurde auch der Rumtopf – der im Mai angesetzt wurde – einem intensiven Geschmackstest unterzogen. Das geschah meistens am Volkstrauertag oder am Totensonntag nachmittags zur Kaffeezeit – sozusagen als Begleitung zu Kaffee und Napfkuchen mit Rosinen. Opa Ferdinand fischte sich immer alle Kirschen raus. Er wollte vermeiden, dass irgendwann jemand auf einen eventuell vergessenen Kirschkern biss und sich die Kauleiste ruinierte. Opa Franz und Papa Karl hingegen liebten die Erdbeeren, während meine Mama und ihre Schwester Trude probierten, was die Kelle gab. Ein wenig musikalische Untermalung, ein Tänzchen zwischendurch, viel Gelächter und gute Laune bestimmte die kleine Rumtopfprobe. Solch eine Runde endete in der Regel dann, wenn die Tagesschau anfing. Dann verkroch sich der eine Opa in sein Zimmer, der andere ging mit Tantchen wo auch immer hin und meine Eltern genossen das Alleinsein zu Zweit.

Und auf dem Einkaufszettel stand in großen Buchstaben: Eine Flasche Pott-Rum besorgen!