Augen auf bei der Berufswahl!

Dieser Hinweis trifft den Nagel immer wieder auf den Kopf. Denn wer vegan durchs Leben geht, findet in einer Fleischerei sicherlich nicht die berufliche Erfüllung. Wenn jemand Angst vor Wasser hat, sollte er keine Ausbildung zum Rettungsschwimmer absolvieren und ein Bäcker, der zu nachtschlafender Zeit keinen Bock hat, seinen Hintern aus dem Bett zu bewegen, ist ebenso fehl am Platze.

Wer rote Mäntel und weiße Bärte abscheulich findet, der sollte weder als Nikolaus noch als Weihnachtsmann seine Bewerbung in den Ring werfen. Auf den ersten Blick hört sich dieser Job allerdings sehr verlockend an: Nur ein paar Wochen Arbeitsstress im Jahr, im Einsatz gibt’s in der Regel nur fröhliche Gesichter, mit Schlitten, Rentier und Jutesack ist man total umweltfreundlich unterwegs. Und nicht zu vergessen: man kommt viel in der Weltgeschichte rum, lernt ferne Länder kennen, mal mit viel Schnee und mal unter Palmen in der Südsee.

Vielleicht liegt es aber auch an den mageren Verdienstmöglichkeiten, die nicht wirklich optimal sind – aus welchen Gründen auch immer, es sind viel zu wenige Weihnachtsmänner und Nikoläuse auf dem Arbeitsmarkt vertreten. Drum muss man selbst ran, oder zumindest einen brauchbaren Vertreter aufspüren, der in der Weihnachtszeit den Geschenkelieferanten gibt.

Die heutigen Geschenkelieferanten arbeiten bei DHL und anderen Transportunternehmen, die man früher schlichtweg Postboten, Briefträger oder einfach nur Zusteller nannte.

Und all diese Leute ackern sich derzeit dumm und dämlich, wenn man den Medienberichten Glauben schenkt. Sie sind von früh bis spät auf den Beinen, quälen sich durch den dichten vorweihnachtlichen Straßenverkehr, werden saumäßig entlohnt und sind bedauernswerte Schwerstarbeiter.

Sie sind aber auch Weltmeister im Treppauf-Treppab-Joggen und im Stemmen von oftmals echt schweren Paketen. Und genau deshalb sparen sie auch jede Menge Geld. Wie jetzt sparen? fragt sich nun der eine oder andere.

Aber klar tun sie das, denn sie haben doch keine Zeit zum Geldausgeben – jedenfalls nicht zu den Festtagen – und darum kann man sie locker beneiden. Vermutlich kennen die auch kein Fitnessstudio von innen, denn Fitness ist quasi ihr täglich Brot und ganz besonders intensiv in der Vorweihnachtszeit.

Für Singles und Partnersuchende unter diesen zupackenden Mannsbildern könnte dieser Job möglicherweise auch als eine Art Speed-Dating während der Arbeitszeit seinen Reiz haben. Denn sicherlich öffnet die eine oder andere Dame die Haustür, die sich das Bestellte gerne auch in die Wohnung bis an Ort und Stelle bringen und sich beim Auspacken helfen lässt.

Somit könnte es doch auch sein, dass sogar ein vermeintlicher Knochenjob – aus einer etwas anderen Sichtweise betrachtet – vielleicht nicht der schlechteste ist.

20.12.2018

Foto:  https://de.wikipedia.org/wiki/Zusteller#/media/File:Bundesarchiv_Bild_183-N0703-314,_Berlin,_Briefe_und_P%C3%A4ckchen_bringt_der_Brieftr%C3%A4ger.jpg