Endlich – Weihnachten ist vorbei!

So denken ganz viele und besonders oft die, die vor lauter Feiertags-Gedöns keinen Moment Ruhe hatten.

Einkaufen, vorbereiten, kochen, backen, Geschenke einpacken, Müll beseitigen, Staubwischen und –saugen, Geschirrspüler ein- und ausräumen, das gute Geschirr und die Gläser per Hand spülen und, und, und.

Und zwischen den Jahren? Da geht der ganze Zirkus von vorne los, denn immerhin klopft Silvester an die Tür und Gäste stehen wieder auf der Matte – Weihnachten zwei Punkt Null sozusagen.

Die Welt ist erst wieder in Ordnung, wenn Alltag ist, morgens der Wecker rasselt und man zur Arbeit darf – also zur bezahlten Arbeit natürlich!

Denn die letzten Tage waren schließlich unbezahlt, nee, eigentlich viel, viel schlimmer: außer Spesen ist nur Stress gewesen!

Na ja, nun wollen wir aber nicht meckern und maulen, war doch alles ganz schön mit der Verwandtschaft und so.

Nee, etwa nicht? Aber Leute, das ist doch eigentlich wie jedes Jahr!

Onkel Jürgen trinkt immer einen übern Durst und dann zieht seine Frau Dorothea kräftig nach. Sie plädiert nämlich seit Menschengedenken für Gleichberechtigung – und das fängt schließlich im Privaten an.

Opa Erwin und Oma Grete zoffen sich wegen der Autofahrerei. Opa wollte mit dem eigenen Auto, Oma lieber mit dem Taxi zu all den Festivitäten fahren. Opa findet das zu teuer und würde für‘s Geld lieber nach Mallorca fliegen!

Dann die Zwillinge Peter und Paul. Jedes Mal haben sie einen anderen „Food-Guru“ als Taktgeber. Was wir da in den vergangenen Jahren schon alles mitmachen mussten! Bei denen war bislang vegan oder vegetarisch das kleinste Übel. Neuerdings stecken sie irgendwo zwischen Flexitarier, Frutarier, Paelo-Diät, Low Carb und Clean Eating.

Birgit und Carsten sind in den Wechseljahren. Er wechselt ständig seinen Job, sie ihre Figur und von Twiggy bis zum Rubens-Modell ist alles machbar.

Herbert und Regine wollen sich nächstes Jahr scheiden lassen. Nun aber endgültig. Das Vorhaben hatten beide schon weit vor ihrer Silberhochzeit und jetzt rückt das goldene Jubiläum immer näher.

Herr Paul, der Nachbar, ist frühpensioniert und geht neuerdings regelmäßig zum Speed-Dating. Seither ist er als Gesprächspartner ziemlich kurz angebunden – meint man zumindest, wenn man ihn nicht richtig kennt.

Irmchen kam erstmals mit ihrem neuen Lover. Ein Mittfünfziger mit Glatze, Bierbäuchlein, politisch sehr engagiert, allerdings irgendwo im Thüringer Wald, den er auch niemals verlassen will, es sei denn, er wird im Berliner Reichstag gebraucht.

So gingen die freien und Feiertage erstens ins Land und zweitens vorüber. Früh aufstehen, hundemüde spätabends ins Bett fallen, zwischendurch Gäste bewirten und immer schön freundlich sein. „Na Liebling, warst du mit Weihnachten und den Feiertagen zufrieden?“ fragt mein Mann, kurz vor Toresschluss des alten Jahres.

„Hmmm, geht so! Vielleicht sollten wir nächstes Weihnachten mal verreisen…“

„Eine Superidee! Können wir doch mit Opa und Oma gemeinsam machen, die wollten doch schon jahrelang mal zu den Feiertagen nach Mallorca. Dann nehmen wir uns ne große schöne Ferienwohnung und ich bin sicher, dass das den anderen auch gefallen könnte! Und weißt du was, Schatzilein, da ist das Wetter viel schöner und auf den großen Märkten können wir viel Leckeres zum Essen einkaufen………….!“

27.12.2018