Lebensabschnitt Nummer – ääähhh – welcher ist es bloß?

Ein neuer Lebensabschnitt – mal wieder. Keine Ahnung, welcher!

Nach, Wiege, Milch und Pampers, Kindergarten, Schule, Pubertät, Ausbildung, Arbeit und Familie, Pensionisten-Dasein kommt was Anderes – immer wieder Neues. Zum Schluss schlimmstenfalls sogar Altersschwachsinn und wenn’s echt dumm läuft erneut wieder das Ding mit den Windeln.

Zwischendurch mangelt es den meisten von uns an Zeit. Bis zum Rentenbescheid ist alles durchgetaktet und selbst wenn ein Tag vierundzwanzig Stunden hat, reicht die To-Do-Liste locker für sechsunddreißig.

Zeit haben, eine selbstbestimmte Zeiteinteilung, das machen dürfen, worauf man Bock hat, frei von Verpflichtungen wäre schön. Rein in die Wanderschuhe, in die Pedale treten, ab in den Flieger und in die weite Welt! Alleine geht das, mit einem Partner vielleicht besser und am besten möglicherweise gemeinsam mit Freunden.

Zwischendurch wieder zuhause sein. Die eigenen vier Wände, den Garten, den Balkon, den nahen Wald genießen, dem regelmäßigen Wellenschlag des Flusses zuzuhören oder auch den einheimischen Vögeln beim Zwitschern.

Und ganz wichtig: Da kennt man nette Leute, zu denen man sich hingezogen fühlt, mit denen man gerne mal wieder über Gott und die Welt, Banales und Ernsthaftes redet. Ein paar schöne Stunden verbringt, mit denen man lacht, sich zum Essen trifft, eine gute Flasche Wein genussvoll süffelt – Menschen, die man mag. Danach ist es wieder eine Zeitlang still und jeder geht seine eigenen Wege und man verliert sich aus dem Blickfeld – nicht aber aus den Gedanken und dem Herzen. Man freut sich, wenn’s dann beim nächsten Mal an der Stelle weitergeht, wo es beim letzten Mal endete!

Eine Bereicherung, wenn das so ist.

Aber ist es denn auch so?

Schließlich werden wir alle älter, wir verändern uns – in unseren Ansichten, in unserem Denken und Handeln – wir sind vollgestopft mit Lebenserfahrung, der eine mehr, der andere weniger. Stressgeplagt sind wir vielleicht immer noch, vielleicht sogar krank und nicht mehr so rüstig. Wir sind aber auch fürsorgliche Omas und Opas, noch gut belastbar, gut beieinander, unternehmenslustig und stehen deshalb bei Kindern und Enkeln hoch im Kurs. Oder wir pflegen und betreuen einen geliebten Menschen, kümmern uns ehrenamtlich um Hilfsbedürftige. Und immerzu tickt unsere Lebensuhr – mal laut, mal leise aber unaufhaltsam.  Uns rinnt die Zeit durch die Finger, wie feiner Zuckersand am sonnigen Strand.

Vielleicht gehören wir aber auch zu der Generation sechzig plus, die nichts auslässt, um sich zu amüsieren, die den sauer verdienten Spargroschen auf den Kopf kloppt und das Leben nach Strich und Faden genießt. Richtig so, pflegt man an dieser Stelle zu bemerken, denn das letzte Hemd hat erstens keine Taschen und zweitens weiß man nicht, wann der Bestatter uns das Teil – in bügelfreier Qualität selbstverständlich – über den eiskalten Body streift.

Herr Neumann von geraderüber war kaum ein Jahr glücklicher Rentner und nun lebt seine Frau alleine mit Dackel Waldi! Das Ein- und Auskommen ist zwar bestens, sagt Frau Neumann, aber ansonsten zuckelt sie mit Waldi ein wenig traurig durchs Leben.

Hingegen hat der flotte Siebziger da vorne aus dem alten Backsteinkasten sich wieder vom Feinsten erholt. Den trifft man oft im Radler-Outfit mit Helm und Leuchtschuhen auf seinem E-Bike und wiederholt lachend und scherzend in wesentlich jüngerer Damenbegleitung. Außerdem begleiten ihn die neidvollen Blicke der Witwen und alleinstehenden weiblichen Restposten aus der gesamten Nachbarschaft.

Das in wilder Ehe lebende Paar – beide so um die Achtzig – ist selten am heimischen Herd anzutreffen. Tagesfahrten an die See, Inselurlaub zu den Fest- und Feiertagen, Meetings im Karnickelzüchterverein, Chorsingen in der Gemeinde, Kaffeetrinken mal hier und Kohlessen mal da. Immer auf Achse sind sie und wirken gehetzt.

Die geschiedene Frau Suhrbier, blond, attraktiv, in den besten Jahren, schickes Auto, selten auf Achse, ohne Mann und Haustier, selten Besuch, dafür gut situiert –wie es heißt – sitzt immer alleine auf ihrer großen Terrasse.

Der Volksmund sagt doch, dass angeblich jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Wenn‘s stimmt, tragen wir Verantwortung für ziemlich alle Lebensabschnitte ab Volljährigkeit bis ins hohe Alter.

Drum in die Hände spucken, Lesebrille auf die Nase, Reiseportal im Netz anklicken, fix buchen, rein in die Siebenmeilenstiefel und ab geht’s – wohin auch immer, mit wem auch immer und für wie lange auch immer.

Wohin? Egal! Hauptsache, es macht Spaß und ist genau das, was man schon immer mal machen wollte!

30.01.2019