Leseratte und Bücherwurm lieben Haptik

Seit dem zwölften Jahrhundert gibt’s Bücher, steht geschrieben und das meistgelesene Buch ist nach der Bibel des Christentums die Mao-Bibel. Die Kunst des Buchdrucks hat Johannes Gutenberg vor ziemlich 600 Jahren erfunden. Seither wurde auf Papyrus auf Teufel komm raus geschrieben, gepresst, gefärbt und gedruckt.

Was wäre unsere Welt ohne Bücher? Einfach undenkbar und nur halb so interessant! Wo wären dann all die großen und kleinen Ereignisse, Wunder und Schmonzetten vermerkt worden? Wer könnte von Propheten erzählen, von Asterix und Friends und deren gemeinsamen Abenteuern berichten, Dracula in blutiger Mission erleben und Piraten auf Beutezügen begleiten, wenn nicht die Bücher der Welt. Sie bringen uns Adam und Eva, Cäsar und Kleopatra nahe, beschreiben den ersten Flug zum Mond, schildern Unterwasserwelten haarklein und in Farbe, erklären royales Treiben bei Hofe und den Überlebenskampf von Indianern, zeigen uns die Wiege der Menschheit, Weltwunder vergangener Zeiten und seit vielen Jahren auch das Verschwinden von Flora und Fauna zwecks Industrialisierung und Umweltverschmutzung.

Die schreibende Zunft bringt uns mit ihrem Können, der Kunst des Wortes, ihrer Beobachtungsgabe gepaart mit Fantasie, Nüchternheit und wissenschaftlichen Erkenntnissen in andere Welten, andere Zeiten, zeigt uns anderes Leben, Horror und Grausamkeiten, Mordsmäßiges, Humoristisches und Neues. Sie exportiert es mittels Sprache in unsere ganz eigene, persönliche Welt.

Bücher sind treue Freunde, stille Begleiter, manche lebenslang, andere nur geborgt und eine Zeitlang. Sie leben mit uns unter einem Dach – oftmals länger als mit Eltern, Kindern, Partnern und Haustieren sowieso. Sie stehen im Billy-Regal von Ikea, im rustikalen Eichenschrank, in der Bibliothek oder zeitweise ausgegliedert in Kartons im Keller oder auf dem Dachboden.

Bücher vermitteln Wissen, Freude, Abenteuer, Herzschmerz, Liebesglück, versetzen uns in fremde Welten. Sie wecken Gefühle, bringen uns zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken, zum Träumen und auf neue Ideen.

Ganz besondere Ideen-Bringer sind Bastel-, Koch- und Do-it-yourself-Bücher. Jeder hat sie, jeder braucht sie, jeder liebt sie, die kleinen täglichen Helfer und Ratgeber. Ohne Ratgeber von A wie Augen auf bei der Partnerwahl bis Z wie Zahnschmerzen selbst kuriert über Bienenzucht auf dem Mietkasernen-Balkon, Sanft und sauber putzen, Darmpflege leichtgemacht, Pflanzen als Mitbewohner kann niemand leben.  

Bücher sind so vielfältig wie wir Menschen, mal leichtfüßig, mal schwerverdaulich, aber auch heiter, beschwingt, lustig, tierisch ernst, literarisch, wissenschaftlich, sachlich, klassisch und altertümlich. Sie spiegeln unser Leben und das unserer Vorfahren, das Lieben und Hassen, das Essen und Trinken. Bücher sind wie wir Menschen: dick, dünn, klein, groß, handlich, informativ, bunt oder schwarz-weiß, riesige Wälzer oder schmal mit dünnem Rücken und mit und ohne Eselsohren – eben ganz individuell.

Es gibt Liederbücher, Gesangsbücher, Gedichtbücher, Bücher mit Versen und Reimen für alle Gelegenheiten, Wörterbücher in allen Sprachen. Familien-, Gesellschafts- und Historien-Romane sind ebenso beliebt wie Science-Fiction, alte und neue Märchen.

Bücher gibt’s feudal eingebunden in Leder, mit kleiner und großer Schrift, verschnörkelt und vergoldet, oder weniger erhaben, ganz einfach mit Papprücken, im Ring- oder Taschenbuch. Es gibt Bücher für Kleinkinder, Schulkinder, Studenten und Menschen jeden Alters, für Arme und Reiche, Gesunde und Kranke, junge Mütter, alte Opas, besorgte Eltern, Ausgeflippte und Bierernste – für alle sind sie da und für jeden ist was dabei.

Dann sind da noch die anderen Genres ohne die heutzutage nichts mehr geht: Koch- und Backbücher, vegetarisch, vegan, mit und ohne Knofi, selbst Omas Kochkunst ist wieder gefragt und der bäuerliche Salat und Eintopf rangiert ganz weit oben. Und kein Koch, der auf sich hält, geht ohne Buch durchs Küchendasein! Denn Kochlöffelschwingen, Gemüse putzen, Schnitzel braten gehört genauso dazu, wie das Aufschreiben der Rezepte, Küchentipps und das Unter-die-Leute-bringen bei der Fangemeinde und Begeisterung wecken bei neuen Käufern.

Und da sind dann noch die Biografien, sie sind das Salz in der Bücher-Dschungel-Suppe und im Buchstabensalat gedruckter Seiten. Jeder, der heutzutage meint, eine wichtige Rolle zu spielen, erzählt seinen Lebensweg – selbst wenn er erst vor ein paar Tagen den dreißigsten Geburtstag spektakulär, lautstark und medienpräsent feierte.

Viele Bücher bleiben ewig jung und attraktiv, sind zeitlos und begeisterten bereits Generationen von Leseratten. Etliche entspringen aber auch einem momentanen Hype, sind wie Lebensmittel mit einem Verfallsdatum, sind eben nur eine Momentaufnahme. Andere Bücher sind wiederum wie Musik, sind wie Ohrwürmer die man niemals vergisst.

Was wäre das Billy-Regal ohne Loriot, ohne Thomas Lievens Rezepte, Benimmtipps vom alten Herrn Knigge und ohne die Rechtschreibregeln des Herrn Duden? Ohne Franz Kafka, John Steinbeck, Ernest Hemingway, Sigmund Freud und ohne die Sprache von Thomas Mann, Schiller und Goethe? Wir wären literarisch viel ärmer und ohne Anne Franks Tagebuch fehlte uns ein großes Stück Zeitgeschichte und ohne Stefan Zweig jede Menge Gefühl.

Lesen bildet und macht Spaß. Es ist Unterhaltung pur und eigentlich immer ein Ausflug in unbekanntes Neuland. Oft aber auch ein Déjà-vu-Erlebnis.

In Büchern steht meistens nur allzu Menschliches. Sie wurden und werden ausschließlich von Menschen geschrieben. Drum sind Bücher wie du und ich – einzigartig, mal mehr mal weniger interessant und mit und ohne Eselsohren!

10.02.2019