Der alte Mann und sein Heer …

…nämlich dem riesigen Heer der betagten Männer im wallenden Kleid.

Gottes Bodenpersonal ist selten jung und sexy – jedenfalls in der katholischen Kirche und im Vatikan schon gar nicht. Der irdische Boss – der Pontifex Maximus – hat die achtzig Lenze selbst schon längst überschritten und zählt ulkiger Weise noch zu den jüngeren seiner Brüder im Geiste.

Brüder mit wehendem Gewand gibt’s weltweit jede Menge, doch im Zentrum der katholischen Macht kann man von einer Häufung dieser besonderen Spezies sprechen. Je nach Amt und Aufgabe, Festivität und Fortschritt des Kirchenjahres kleiden sich diese Herrschaften mal schwarz, mal weiß, grün, rot und pink. An besonderen Feiertagen findet solch ein farbenfrohes Meeting auf dem Petersplatz statt, dazu läuten die Glocken des Doms und alles ist mächtig feierlich.

Für diese geballte Herrlichkeit und sämtliche Kirchenbrüder dieser Glaubensrichtung gilt das Zölibat – also für den Diakon, den Priester, den Bischof, den Kardinal – und was sonst noch diesbezüglich in Amt und Hoch-Würden ist – gleichermaßen. Das sind in Stein gemeißelte Bedingungen für diese Jobs – keineswegs vom lieben Gott – die Kirchenbrüder haben’s festgelegt!

In der Praxis heißt das, wer einen solchen Job ausübt, der verzichtet auf Sex!

Klartext: keine Frauen, keine Männer und selbst unter der Decke muss man die Finger stillhalten! Ehelosigkeit per Kirchengesetz. Techtelmechtel mit Fummeln verboten. Ausnahmen gibt’s keine.

Da tippt sich doch Otto-Normal-Mensch an seine in Falten gelegte Stirn und fragt sich: Warum hat mir Gott dann aber Lust auf Sex, gefühlvolle Zweisamkeit, den flotten Dreier und andere geile Empfindungen und all das, was körperliche Liebe ausmacht, in meine Gene gepflanzt, wenn ich‘s mir durch die Rippen schwitzen soll?

Also irgendwie ganz schwierig, das Ding mit dem Zölibat!

Drum gibt’s auch jede Menge Verfehlungen, die sich so manche Kleidchenträger geleistet haben, und zwar immer schon – seit anno Zopf durchgehend bis heute.

Verfehlungen werden zu Straftaten, wenn Kinder durch eigentlich klerikale Männer zu Opfern werden und das ist dann Missbrauch und der gehört bestraft!

Fehltritte von Geistlichen, Kirchenmänner mit Doppelleben, schwule Priester, Seelenhirten in Puffs und Rotlichtmilieu – alles gab’s schon. Die beste Geschichte zum Thema entstammt jedoch vermutlich der Feder von Colleen McCullough und betrifft das Leben des katholischen Pater Ralph de Bricassart.

Vermutlich sind „Die Dornenvögel“ nicht die vom Papst empfohlene Lektüre für seine heiligen Glaubensbrüder – weder im Vatikan noch hinter dicken Klostermauern, nicht in der kleinsten Kapelle und in der einsamen Kemenate schon gar nicht.

Ist es nicht lächerlich, erwachsenen Männern Sexualität zu verbieten, wenn sie beruflich die geistliche Laufbahn in der katholischen Kirche einschlagen wollen?

Ist es nicht völlig absurd, dem in Saft und Kraft stehenden jungen Priester eine Haushälterin an die Seite zu stellen, die altersmäßig seine Uroma sein könnte?

Da denkt doch jeder an Heinz Rühmann in der Rolle des Pater Brown und an Lina Carstens, die ihm den Pfarrhaushalt besorgte.

Solche Verbote sind nicht mehr zeitgemäß – vielleicht waren sie es auch niemals.

Unter den Talaren steckt der Muff von tausend Jahren, war ein beliebter Spontis-Spruch der Achtundsechziger. Diese Rebellen und kritischen Zeitgenossen haben unser Land verändert. Bei der Kirche ist weder der Slogan noch eine Veränderung angekommen. Sie tragen weiterhin Talare und der Muff darunter ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig größer geworden.

Einen Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan müsste es vermutlich nicht geben, wenn Papst Franziskus und andere Eminenzen die Geisel des Zölibats abschafften. Zumindest könnte sich dann rasch offenbaren, wer unter der Soutane pädophile Neigungen präferiert, oder wer einfach Lust auf körperliche Liebe mit einem liebenswerten Menschen hat.

02.03.2019

Foto als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons