Durch Berlin fließt immer noch die Spree

In den Fünfziger Jahren kam das Fernsehen nach Deutschland. Auch nach Berlin. Der „Sender Freies Berlin“ existierte bereits in Charlottenburg an der Masurenallee und zu dem regelmäßigen Radioprogramm gesellte sich auch das neue Medium. Ab sofort gab es ein regionales Nachrichtenmagazin aus Berlin für Berlins Fernsehapparatbesitzer, die damals noch eine spärliche Minderheit darstellte.

Damals begann diese Nachrichtensendung mit dem Jingle „Durch Berlin fließt immer noch die Spree…“ und die Zuschauer wurden von Harald Karas, dem Vater der „Berliner Abendschau“, begrüßt. Viele Moderatoren und Moderatorinnen, wie Hans-Werner Kock, Gerd Ellinghaus, Wolfgang Hanel, Arvid Wahl, Evelyn Lazar, Marianne Beland, um nur ein paar zu nennen, flimmerten allabendlich über den Bildschirm.

In den Achtzigern wurde im Duett moderiert. Das Pärchen teilte sich die aktuelle halbe Stunde vor der „Tagesschau“ und berichtete abwechselnd über regionale Berliner Ereignisse.

Berliner Journalisten litten niemals unter Langeweile. Sie berichteten vom Mauerbau und vom Kalten Krieg, den Hausbesetzungen, den Krawallen am ersten Mai in Kreuzberg, großen Skandalen und kleinen Provinzpossen, dem Fall der Mauer, dem Tag der Deutschen Einheit, dem Regierungsumzug von Bonn in die alte und nun wieder neue Hauptstadt Berlin. Sie informierten über Politiker wie Willy Brandt, Richard von Weizsäcker, Eberhard Diepgen und viele andere, die kamen und gingen.

Den „Sender Freies Berlin“ gibt’s schon lange nicht mehr, nun heißt der Sender „Rundfunk Berlin Brandenburg“ und sieht seine Aufgabe in der regionalen Berichterstattung aus Berlin und Brandenburg und hat zwei Standorte in Berlin-Charlottenburg und Potsdam-Babelsberg.

Fritze in blau

Und auch nach über 40 Jahren gibt es auch heute noch immer die „Berliner Abendschau“. Der Sendername und die Gesichter auf der Mattscheibe haben sich verändert, die Uhrzeit nicht, die ist bei Neunzehnuhrdreißig geblieben.

Der Moderator vor dem azurblauen Hintergrund mit dem sonnengebräunten Gesicht und dem weißen Haarschopf begrüßt die Damen und Herren vor der Glotze. Er ist immer sonnengebräunt, auch mitten im nasskalten und grauen November – zwölf Monate im Jahr. Bei ihm muss die „Maske“ keinen Aufwand betreiben, jedenfalls nicht wegen der Gesichtsfarbe. Die buschigen dunklen Augenbrauen bilden einen zusätzlichen Kontrast. Oft überrascht er die Zuschauer mit farbenfreudigen Sakkos und er scheint auffällige Krawatten zu lieben. Seine Unterarme und Hände ruhen auf dem maisgelben Schreibtisch, während er den Moderationstext vom Teleprompter abliest. Immer hält er einen Kugelschreiber in der rechten Hand und immer liegen blassrosa Zettel vor ihm auf dem Tisch. Das ist nur für den Fall, dass der Teleprompter mal versagt und er den Moderationstext vom Papier ablesen muss.

Seine Versprecher sind einzigartig. Der Vielgucker vor der Glotze hat sich daran gewöhnt. Ihm fällt es nur noch auf, wenn er mal einen Satz fließend hervorbringt. An manchen Tagen verhaspelt er sich in nur einem mittellangen Satz bei mehreren Worten. Und wenn’s ihm dann selbst auffällt, entschuldigt er sich sogar beim Publikum in den Wohnzimmern. Die nehmen es ihm aber nicht krumm, sie wissen, dass das sein Markenzeichen ist und dafür lieben sie ihn.

Bis vor kurzem hatte er ein weiteres Erkennungszeichen: Seine Zähne brachten jeden Zahnarzt zum Weinen. Seine untere Kauleiste bestand aus dunklen Stummelchen, die er verbissen versuchte, zu verstecken. Das hat sich nun zum Positiven verändert, denn neuerdings leuchten seine Zähne ebenso weiß wie seine Haarpracht.

Das Interviewen von Studiogästen ist nicht seine Stärke. Mal davon abgesehen, dass er ab und zu den Gast mit einem falschen Namen anspricht, scheut er konkrete Fragen zum brandaktuellen Thema wie der Teufel das Weihwasser. Das wissen seine Gäste und kommen gerne zu ihm, denn sie müssen keine knallharten Fragen befürchten.

Fritze M. war bis Mitte 2007 Mr. Abendschau und er hat sein Publikum auch mit traurigen und schlimmen Nachrichten zum Lachen gebracht.

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