Eine ganze Stadt ist auf den Beinen

John Fitzgerald „Jack“ Kennedy (* 29. Mai 1917 in Brookline, Massachusetts; fiel am 22. November 1963 in Dallas, Texas einem Attentat zum Opfer), war von 1961 bis 1963 der 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Das war vielleicht eine Aufregung und Freude – damals am 26. Juni 1963 in West-Berlin! Kinder, Frauen, Männer, Alte und Junge – schlichtweg Mann und Maus waren total aus dem Häuschen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wer konnte, machte sich auf die Socken zum Schöneberger Rathaus oder suchte sich einen Platz entlang der Fahrroute der zu erwartenden Autokolonne. Kinder hatten schulfrei, viele Geschäfte, Firmen und Kaufhäuser blieben an diesem Dienstag geschlossen. Wer konnte, ging per pedes, fuhr per Bus oder Bahn dorthin, wo er zu sehen, vielleicht sogar zum Anfassen oder Greifen nah war. Eine ganze Stadt war bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen auf den Beinen.

John F. Kennedy besucht West-Berlin – der amerikanische Präsident kommt zu uns! Das amerikanische Staatsoberhaupt sieht aus wie aus einem Modemagazin, wie ein Hollywoodstar – jung und modern.

So ganz anders als unser Kanzler Adenauer, der fast neunzig Jahre zählt und auch anders als unser Regierender Bürgermeister Brandt.

Und nun, fünfzehn Jahre nach dem Beginn der Blockade Berlins, erscheint der schmucke Kerl in der geteilten Stadt. Damals haben die Amerikaner das Überleben der West-Berliner Bevölkerung sichergestellt, denn die Sowjets hatten die Stadt abgeriegelt und vom Rest der Welt getrennt. Alles, was benötigt wurde, flogen die Amis ein. Vom Kaugummi über Klopapier, vom Kraftwerk in Einzelteilen und der Kohle zum Heizen und natürlich Unmengen von Lebensmitteln, Getreide, Milchpulver und was sonst so eine Millionenstadt und ihre Bewohner am Leben erhält – Rosinenbomber landeten im Minutentakt!

Dann endlich schlängelt sich die Kolonne der schwarzen Staatskarossen durch die Stadt! In einer offenen Limousine fuhr Kennedy gemeinsam mit Konrad Adenauer und Willy Brandt durch die West-Berliner Straßen. Der Präsident lachte und winkte den Berlinern zu, die ihm lautstark applaudierten und Blumen zuwarfen.

Zur Sicherheit des Gastes waren entlang der geplanten Route die Straßen durch Barrikaden abgesperrt. Jede Menge Polizisten, Bereitschaftspolizisten und Reiterstaffeln versuchten mühsam, die winkenden, fröhlichen Menschenmassen hinter den Absperrungen im Zaum zu halten. Überall im freien Teil der Stadt jubelten die Menschen, schwenkten amerikanische und deutsche Fähnchen, hatten ihre Balkone und Fenster mit dem Sternenbanner oder handgemalten Welcome-Mister-President-Plakaten geschmückt.

Der Weg durch die Stadt führte ihn und seine Begleiter zum Rathaus Schöneberg und als er den Balkon des Gebäudes betrat, begrüßten ihn Hunderttausende mit frenetischem Jubel. Und als Mr. President dann noch die Worte „ich bin ein Berliner“ sagte, war die Menschenmenge so ergriffen und dankbar, dass viele Tränen über Wangen kullerten und ihm die Herzen der Berliner und Berlinerinnen massenhaft zuflogen.

Das war ein einzigartiges Erlebnis!

Ein Erlebnis, das eine Berliner Göre, wie mich prägte, das zu meinem Leben gehört und für mich untrennbar von meiner Heimatstadt und dem Begriff Freiheit ist.

Ab sofort sammelte ich Fotos von JFK und seiner Familie. Einige Wochen später klebte Mr. President in Lebensgröße und in Farbe an meiner Zimmertür, denn die Bravo bot ihn zum Sammeln als Starschnitt exklusiv an!

JFK war über die Jahrzehnte keineswegs das einzige Staatsoberhaupt, der übern großen Teich nach Berlin kam – nach West-Berlin. Aber zu damaliger Zeit war er der wichtigste Besucher, der kam und eine ganze Generation prägte.

03.05.2019