„Wer Parteifreunde hat braucht keine Feinde mehr“

Man hat Freunde seit der Buddelkastenzeit, aus der Schule, von der Uni und im Laufe des Lebens kommen – wenn’s gut läuft – noch einige hinzu. Man lacht und weint mit ihnen, vertraut ihnen, hört auf sie und man kann und will nicht ohne sie. Freundschaft heißt Freundschaft, weil man gemeinsam mit Freunden alles schafft! So definiert es jedenfalls der Volksmund.

Das gilt fürs normale Leben – im politischen Milieu ist das allerdings anders. Politische Freunde sind eigentlich Feinde. Sagt auch der Volksmund, dem nichts Menschliches unbekannt ist.

Derzeit bieten die Parteien ihre Protagonisten auf dem europäischen Markt zur Europa-Wahl an. Das sind dann die Parteifreunde und Freundinnen, die für besonders aussichtsreich gehalten werden, Veränderungen herbeizuführen – sagen die einen. Andere meinen wiederum, dass das genau die Parteigenossen in Stadt und Land sind, die man loswerden möchte – aus den eigenen internen Reihen entsorgen will. Und das geht natürlich wunderbar, wenn die Europa-Wahl ansteht und in Brüssel und Straßburg ohnehin neues Personal gesucht wird.

Damit alle zur Wahlstehenden auch jeder mündige Wähler in Stadt und Land auf den Schirm bekommt, werden in allen Fernsehprogrammen vor, zwischen und nach Koch-, Talk-, Quiz- und Trödelshows Wahlwerbespots aller an der Europawahl teilnehmenden Parteien gesendet.

Jede Partei schickt ihre auserwählten Kandidaten und Kandidatinnen zum Posieren vor die Kameras, um mit Floskeln, Allgemeinplätzen und allen möglichen Versprechungen Wählerstimmen einzufangen.

Drahtige Männer, smarte Bubis, seriös aussehende Anzugträger und die weiblichen, hübsch rausgeputzten Pendants gaukeln dem potentiellen Wahlvolk vor, dass genau sie die Heilsbringer, Weltverbesserer, die Guten und die wirkliche Alternative zum Derzeitigen sind.

Wer es dann tatsächlich bis nach Brüssel und oder Straßburg geschafft hat, dem geht’s finanziell bestens, zumal er oder sie mit einem monatlichen Salär von mindestens 8.000 Euro brutto – das sind netto so um die 6.000 Euro – rechnen darf.

Das ist aber längst nicht alles, denn diverse Sonderzahlungen, lukrative Sitzungsgelder, Zuschüsse für dies und das und zur Krankenversicherung, Reisekostenerstattung, First-Class-Bahncard, Gelder für doppelte und dreifache Haushaltsführung sind Standard. Büromiete selbstverständlich auch und ebenso das Gehalt für einen oder mehrere Assistenten steht jedem der etwa 750 gewählten Mitgliedern des Europäischen Parlaments zu.

Jedoch das Sahnehäubchen ist, dass jede Dame und jeder Herr unserer europäischen Volksvertreter „…mit nur einer Amtszeit einen Altersversorgungsanspruch von monatlich 1405 Euro erwerben. Diesen Betrag erreicht der deutsche Durchschnittsrentner nicht einmal nach 45 Jahren Arbeit – er kommt auf 1175 Euro.“ So jedenfalls kann man es online in der WELT nachlesen.

Schon alleine im Hinblick auf das Alter kann es vermutlich nicht falsch sein, den Versuch zu unternehmen, den heimatlichen Parlamentssaal gegen den europäischen einzutauschen. Arbeiten muss man hier und da – sagt sich der pfiffige Berufspolitiker und startet gen Westen. Die Jüngeren basteln und schrauben kräftig an ihrer Karriere, die Älteren knüpfen nützliche Kontakte fürs nächste Kapitel ihrer Laufbahn. So manch einer freundet sich vielleicht sogar mit Lobbyisten an und findet dadurch auch wieder neue Freunde – wer weiß das schon.

Auf jeden Fall sind sie alle gewiefte und clevere Netzwerker, die vom Steuerzahler gewählten Volkvertreter. Wer sich in den Armen Europas nicht ganz dösig anstellt, ist bestens versorgt und blickt dem beruflichen Werdegang – oder Ausklang des Berufspolitikers – sorglos mit Ruhe und Gelassenheit entgegen.

18.05.2019