„Der Amtmann von Tondern, Henning Pogwisch, schlägt mit der Faust auf den Eichentisch…“

In Vegesack schlägt der Amtmann (wie heißt er doch gleich?) scheinbar nicht mit der Faust auf den Tisch – kann ja sein, dass er keinen aus Eiche hat…womöglich einen aus Glas, das würde mächtig klirren und sieben Jahre Pech bedeuten. Na, das wissen Sie selbst: Spiegelscherben – immer gefährlich!

Jedenfalls läuft’s hier anders, als damals vor ein paar hundert Jahren im hohen Norden bei den Friesen und den Syltern in der Pidder-Lüng-Ballade von Detlev von Liliencron.

Mittlerweile sind acht Monate ins Nordbremer Land gegangen und nichts deutet darauf hin, dass im Restaurant „Gläserne Werft“ Messer gewetzt werden, um ein Kulinarik-Baby zu gebären! Nichts passiert offensichtlich an dieser einst so attraktiven Ecke der maritimen Meile in Vegesack. Das Baby des hiesigen Amtmannes ist es wohl nicht – denn wäre es seines, hätte er vermutlich…“hätte, hätte Fahrradkette“ – die Älteren erinnern sich!

Woran liegt es? Pennen Behörden oder reitet der Amtsschimmel seinen bürokratischen Parcours?

Die Kohlsaison fiel aus, Weihnachtsgeschäft fand nicht statt, Frühlingserwachen konnte nicht begangen werden und bis jetzt hat auch der Sommer total schlechte Karten – zumindest der meteorologische, der immerhin übermorgen beginnt.

Das geschlossene Lokal vergnatzt die einstige Stammkundschaft massiv. Alle Spaziergänger mit Kaffeedurst, fröhlichen Frühstücksrunden, Gäste, die beim Bier oder Wein von oben herab gern aufs Wasser schauen oder den Sonnenuntergang am Weserufer genießen sind stinkig. So langsam hat es sich bei der Kundschaft rumgesprochen, dass der Pleitegeier zugeschnappt hat. Na und wer zweimal vor verschlossener Tür stand, versucht’s nicht nochmals – obwohl dreimal Bremer Recht ist, wie es so schön heißt!

In den zuständigen Amtsstuben muss doch Interesse bestehen, den toten Patienten erfolgreich wiederzubeleben. Müsste das nicht auch das Anliegen des Fiskus‘ sein? Schließlich füllt ein florierendes Restaurant an bevorzugter Stelle das Steuersäckchen, zahlt Pacht, schafft Arbeitsplätze, beschäftigt Lieferanten und all das Drum und Dran, was so dazugehört.

Warum läutet bei den Behörden keine Alarmglocke in voller Klingelingeling-Lautstärke, als würde der Eiermann oder der Eis-verkaufende-Kollege schwungvoll und lauthals sein Kommen ankündigen? Müssen die nicht alles dransetzen, dieses Kleinod gastronomisch so schnell wie möglich wieder an den Start zu bringen? Oder beabsichtigen die kleinkarierten politischen Beamten das gesamte Objekt an dieser Ecke zu beerdigen?

Mensch Leute, die Insolvenz des ehemaligen Pächters kostet doch Geld! Möglicherweise sind Pacht, Löhne und Gehälter, Lieferantenrechnungen, Steuerrückstände, Bankkredite und anderes mehr noch nicht bezahlt. Na und der Insolvenzverwalter arbeitet auch nicht for nothing! Da sollten doch seitens der Behörden flotte flinke Schritte gemacht werden, um weitere Kostensteigerungen zu verhindern, die irgendwann der Steuerzahler an der Backe hat. Ziemlich asozial – oder?

Herr Google beschreibt übrigens die Insolvenz folgendermaßen:

„Eine Insolvenz bezeichnet die Situation eines Schuldners, seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Gläubiger nicht erfüllen zu können. Die Insolvenz ist gekennzeichnet durch akute Zahlungsunfähigkeit oder drohende Zahlungsunfähigkeit, die aus Überschuldung abgeleitet werden kann.“

Und der Verursacher der ganzen Chose – wie geht’s dem denn wohl?

Vor sechs Wochen ungefähr hat die regionale Presse über ihn berichtet und lauthals Loblieder auf sein Können gesungen. Hmm Können? Irgendwas muss bei ihm ja nicht so klappen…

Doch seit kurzem schwingt er nämlich äußerst talentiert im Bremer Ratskeller den Kochlöffel und ist fürs Gesamte im Küchenteam verantwortlich. Sozusagen vom Restaurant-Café an der Weser über die Insolvenz schnurstracks ins Weltkulturerbe und in die gute Stube des Weserstädtchens. Echter Karriereschub bei genauer Betrachtung…….!

Der Bremer Ratskeller ist übrigens eine gute Adresse mit reichhaltiger Vielfalt Richtung Kulinarik. Da wird Traditionelles, Modernes für Geschmacksnerven und Gaumen geboten und natürlich auch Unterhaltsames und Kurioses zu Speis und Trank. Vom stimmungsvollen Musical-Dinner bis hin zum Krimi-Dinner gibt’s etliche Events.

Und für all das ist sicherlich auch der neue Küchenchef zuständig!

Trotzdem: An diesem Ende der maritimen Meile ist derzeit der Hund begraben und er bleibt es scheinbar auch! Obwohl: Interessenten aus dem Restaurant- und Gaststättenmilieu gibt’s zur Genüge, aber das weiß Politik und Wirtschaft zu verhindern! Warum? Das weiß der Geier oder der Amtmann!

Hier ist eben nicht Pidder-Lüng-Land – hier ist Bremen Nord!

31.05.2019