Immer wieder sonntags…

Verbaler Schlagabtausch und rhetorische Übungsstunde am Sonntagabend bei Anne Will. Lady ARD-Allwissend mit wichtigem Gesicht und theatralischen Gesten ist in zartem lachsrosa gekleidet, Dagmar Rosenfeld – die Welt-Journalisten – in schwarz-weiß und Franziska Giffey – unsere gute Familien-und-anderes-Gedöns-Ministerin – in zartem Grauton. Die drei Herren in dunklem Zwirn – so als sei was mit Mutti.

Doch mit Mutti war nichts, jedenfalls nichts Ernstes und schon gar nicht am Sonntag.

Für Mutti Merkels zittrigen TV-Auftritt am Montag war lediglich die Hitze, der Wind und zu wenig Flüssigkeit verantwortlich. Drei große Gläser mit Wasser schafften Abhilfe und sie war wieder fit wie ein Turnschuh, sagten Beobachter. Was schließen wir daraus? Trinken ist wichtig, mit zunehmendem Alter besonders und zu den Jüngsten zählt unsere Bundeskanzlerin schließlich auch nicht mehr!

Mutti Merkel war nicht das Thema des Sonntags, aber nach dem Fortbestand der GroKo wurde gefragt. Hält sie noch und wenn ja wie lange, was könnte zum Knall führen – eben Spekulatius, Spekulatius und nix Genaues weiß man nicht.

Anne Wills Außendienstmitarbeiter hatten selbstverständlich dazu Stimmen von Politikern und Normalos eingefangen, die von ja über nein und weiß nicht so ziemlich alles prophezeiten.

Die Franzi aus der Ehemaligen wurde im Studio von Frau Will als Erste um ihre Meinung zum Thema gebeten. Die verblüfften Menschen an ihren heimischen Wiedergabegeräten durften erfahren, dass die SPD – sagen wir mal – ein kleines Formtief hatte, aber die wirklichen sozialen Brennpunkt-Themen gemeinsam mit ihrem Koalitionspartner bislang vom Feinsten gelöst hat.

Mensch, dann haben die hinter den Kulissen doch gearbeitet – schämte sich der Zuschauer auf seiner gemütlichen Couch in den eigenen vier Wänden. Himmel, Sack und Nüsse, warum habe ich denen neulich nicht meine Europa- oder Bremen-Stimme gegeben?

Weiterhin verdeutlichte die Familienministerin, dass, wenn man sich in den vorderen Reihen für jeden ersichtlich wie die Kesselflicker anpampt, wird zwischenzeitlich hinter den Kulissen Großartiges auf den Weg gebracht, hart und konzentriert gearbeitet!

Der Zuschauer im Sonntagabend-Relax-Modus musste an dieser Stelle zähneknirschend feststellen, dass er der guten alten Tante SPD voll Unrecht getan hat und er wurde immer kleiner in seiner gemütlichen Fernsehecke und fängt nun vor lauter Verlegenheit an, seine Fingernägel abzuknabbern.

Glücklicherweise knöpfte sich Anne Will nun den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier vor und alle Sozis vor der Glotze konnten durchatmen.

Der Bouffier hat nämlich vor Mikrofon und Kamera kundgetan, dass die GroKo bis Weihnachten Geschichte ist. Langatmig erklärte er, dass er das nicht so gemeint hat und seine Worte sind einfach nur aus dem Zusammenhang gerissen. Na sowas! Wie konnte denn das passieren? War es womöglich ein Fauxpas der technischen Studiomitarbeiter von Frau Anne und ist nun Will-kürlich falsch interpretiert worden?

Eine Weile später wurde im Fernsehstudio wild durcheinander gesabbelt, niemand verstand den anderen und keiner hörte zu, was der Nachbar sagte.

Der halbwegs intelligente Zuschauer mit biblischen Kenntnissen erinnerte sich an den Turmbau zu Babel – da ging’s wohl ähnlich unverständlich und verwirrend zu.

Ob sich der Zuschauer über diese Ausgabe der Sonntagsrunde von Anne Will ärgerte oder freute, er lieber Kitchen Impossible gesehen oder den Tierfilm im Dritten, ist unbekannt. Sicher ist möglicherweise nur, dass kein Mensch so cool sein kann, sich auf die nächste Ausgabe zu freuen, es sei denn er ist nicht ganz normal veranlagt!

19.06.2019