Wir können fast alles – außer Hochdeutsch!

Der Slogan der Baden-Württemberger trifft irgendwie auch ein bisschen auf Saarländer zu.

Das Saarland kennt man zwar, aber viel weiß man nicht darüber – oder? Na klar, mal war’s deutsch, mal französisch – ein Spielball politischer Geschichte. Bekannt ist auch, dass dort gepflegt gegessen und getrunken wird. „Hauptsach good gess“ lautet das Credo der Saarländer. Kein Wunder, wenn man so eng mit Frankreich verbandelt ist und Luxemburg und Rheinland-Pfalz Nachbarn sind!

Doch das Völkchen an der Saar hat mehr zu bieten – nämlich gutes Essen, sprachliche Eigenarten und berühmte Persönlichkeiten.

Lyoner Wurst ist ebenso eine Leibspeise wie gekochtes Ei mit Maggi-Würzsoße von der übrigens jeder Saarländer rein statistisch einen Liter pro Jahr verbraucht. In den restlichen Bundesländern ist es pro Kopf nur die Hälfte. Saumagen steht auch auf dem Speiseplan – gibt’s eben nicht nur in der Heimat von Helmut Kohl.

Aus der TV-Serie „Familie Heinz Becker“ wissen wir, dass im Saarland eine Sprache gesprochen wird, die der Deutsch-Normalo nicht auf Anhieb versteht. Der Saarländer braucht nicht viel Worte – er kommt mit wenigen aus. Zum Beispiel reicht das Wort „unn“ fürs Tägliche völlig. Unn kann alles ausdrücken von hallo, über wie geht’s, mir geht’s gut, lange nicht gesehen, mach’s gut, bis bald – also endlos anwendbar in allen Lebenslagen!

Jeden Samstag werden in Saarbrücken – im Landesstudio der ARD um 19:25 Uhr und mittwochs um 18:25 Uhr – die Lottozahlen gezogen. Ebenfalls von dort aus radelte sich Max Palu als Tatort-Kommissar von Mord zu Mord und in die Herzen seiner Fangemeinde.

Selbst Schlager können die Leute von der Saar. Anfang der Achtziger Jahre schickten sie „dat“ (dat steht für dies, das, sonst was und alles Mögliche) Nicole zum Grand Prix Schlagerwettbewerb, den sie auch mit Gitarre und „Ein bisschen Frieden“ prompt gewann.

Auch sportlich sind sie first class, und zwar mit Armin Hary Leichtathlet und Olympiasieger, Herrmann Neuberger, Rudi Assauer und Jonas Hector in Sachen Fußball.

Politisch betrachtet sind gebürtige Saarländer auch echt dick im Geschäft. Nee, natürlich nicht nur mit dem schwergewichtigen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und dem jungenhaften Heiko Maas, der beruflich durch die weite Welt gondelt. Die setzen nur fort, was vor ihnen schon andere begannen.

Denn schon Erich Honecker war gebürtiger Saarländer. Er lernte das Dachdeckerhandwerk, bevor er nach dem Krieg in den Osten rüber machte. Dachdecker wollen jobmäßig immer hoch hinaus. Honi auch, drum wurde er Staatsratsvorsitzender der SED – also Chef der DDR!

Selbst einen Gerhard Schröder (CDU) hatten die Saarländer und der übte diverse Bundes-Ministerämter in den fünfziger und sechziger Jahren aus. Ebenso einen Peter Altmeier, der schrieb sich aber mit einem „Ei“, war Jahrgang 1899 und Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz über zwei Jahrzehnte.

Mehr als bekannt ist auch Peter Hartz, Erfinder und Namensgeber der gleichnamigen Arbeitsmarktreformen, beruflich u.a. ehrenwertes Mitglied im VW-Vorstand, später vorbestraftes Nicht-Mitglied.

Wer kennt ihn nicht: Oskar Lafontaine! Einst Ministerpräsident des Saarlandes, später Bundesminister, SPD-Quer- und Vordenker, Gründervater der heutigen „Linken“, der zurzeit gerade wieder Reden von sich macht, weil er der SPD empfiehlt, mit seiner Partei zu fusionieren.

Der aktuellste Saarland-Export-Schlager ist wohl dat Annegret oder einfach nur AKK. Mittlerweile ist sie in der Hauptstadt bekannt wie ein bunter Hund und ihre Äußerungen führen immer wieder zu heftigen Diskussionen und fetten Schlagzeilen.

Sie ist die CDU-Vorsitzende, die von Püttlingen aus ihren politischen Feldzug über Saarbrücken nach Berlin antrat. Annegret Kramp-Karrenbauer – Jahrgang 1962, katholisch, drei Kinder, verheiratet mit Herrn Karrenbauer. Diese Dame hat Friedrich Merz und Jens Spahn ins Abseits gedrängt und nun will sie Angela Merkels Nachfolgerin werden.

Ob sie das wird, wer weiß das schon. Aber wenn sie Kanzlerin wird, wird das auch mit dem Aussprechen ihres Namens im Ausland hinhauen?

Im Ostblock wäre sie Kramp-Karrenbauerová, in Lettland Annegreta Krampa-Karenbauere, im Mittleren Osten Ann-Geret Keraamp-Karen-Boer, in China An-ni-ge-lei-te Ke-lan-pu Ka-lun-bao-er und in Thailand eben Aaa-ne-keet Kaamp-Kaa-een-bau-aa.

Für Nicht-Deutsche war unsere ehemalige FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bereits eine sprachliche Herausforderung und ein Zungenbrecher obendrein – wie wird’s denn erst bei dat Annegret von der Saar?

AKK mag Karneval, Büttenreden und sie hat eine gut funktionierende Spürnase für verbale Fettnäpfchen, in die sie mit sportlicher Eleganz regelmäßig tritt. Schräge Outfits bevorzugt sie offensichtlich auch und ihr großkariertes schwarz-weiß-graues Sakko lenkt vermutlich nur von ihrer kleinkarierten Denke ab.

Falls sie ins Kanzleramt umzieht, muss man sich bei ihr ganz bestimmt keine Sorgen machen, dass sie Angela Merkels Blazer oder Busfahrerhosen aufträgt – die können dann getrost auf Flohmärkten verhökert oder in die nächste Kleiderkammer entsorgt werden!

Doch noch ist Merkel Chefin im Kanzleramt. Wie lange sie es noch bleibt ist ungewiss. Wer ihr folgt, völlig offen. Ob der Merz schon im Dezember kommt ebenfalls. Und ob AKK ein One-Way-Ticket nach Saarbrücken kauft, steht in den Sternen und die halten nicht immer all das, was das Horoskop verspricht!

28.06.2019