Sommerloch oder Sauregurkenzeit?

Wo ist es denn in diesem Jahr? Bisher wurde noch keines gesichtet – oder? Trägt womöglich der Klimawandel dazu bei, dass auch das Sommerloch verschwunden ist?

Bisher gab es immer ein Sommerloch und so soll es gefälligst auch bleiben! Aus. Ende. Basta. Wäre ja noch schöner, wenn selbst das Sommerloch das macht, was ihm gefällt – wo kommen wir denn da bloß hin!

Früher war das Sommerloch was echt Kreatives. Und wenn’s mit der Kreativität nicht so klappte, kam Nessi wieder zum Vorschein – Sie wissen schon, Nessi von Loch Ness in Schottland, da wo die gestandenen Kerle Röckchen tragen und Dudelsack spielen.

In Zeiten von Twitter und all diesem Gedöns ist es gar nicht mehr so einfach, einen wirklichen Sommerloch-Knaller zu finden, denn im Internet ist eigentlich ganzjährig Sommerloch! In diesem Sommer gibt’s jedenfalls noch keinen Knaller, der von sich reden macht und als Sommerloch identifiziert werden konnte. Drum muss schleunigst einer her!

Da kommt doch das Gezitter unserer Kanzlerin gerade recht. Damit lässt sich doch bestens spekulieren und alle möglichen windigen und mit der heißen Nadel gestrickten Vermutungen schießen wild ins Kraut.

Gestern noch popliger Berichterstatter über verstopfte oder nur einspurig befahrbare Autobahnen, heute selbsternannter Medizin-Analyst mit Spezialgebiet zittern am ganzen Körper. Man kennt sich schließlich aus, denn immerhin sind’s dieselben Symptome wie bei Ommmas Nachbarin, denn deren Schwager aus erster Ehe der Tochter war auch ganz schrecklich davon betroffen. Und damals riet Frau Müller aus dem Feinkostladen – Gott hab sie selig – rigoros dazu, mal zum Doktor zu gehen! Wer hätte das wohl gedacht! Frau Müller wurde überhaupt von so manchem unterschätzt…

Ähnlich ist es auch mit dem Berichterstatter. Erst durch das Zittern von Frau Merkel erfahren wir nun, über welche – bisher unentdeckten – Fähigkeiten dieses Talent verfügt!

Ja, das gute alte Sommerloch wird gerne auch als Sauregurkenzeit bezeichnet. In dieses Sommerloch kann man übrigens schnell reinfallen, wenn man nicht wachsam genug ist, um den spinnerten Journalisten mit ihren Sommerloch-Fakes auf den Leim zu gehen.

Erinnern Sie sich noch an Problembär Bruno, der wochenlang um den Medien-Honigtopf schlich, bis man ihm den Garaus machte? Auch Mallorca dümpelte irgendwann mal im Sommerloch herum, denn es sollte zum siebzehnten deutschen Bundesland ernannt werden. Und irgendwer hat schon mal eine Diplom-Arbeit über das Sommerloch im Lokaljournalismus geschrieben.

Sommerloch gibt’s übrigens bei jedem Wetter im Juli und August. Ob tierisch heiß und badetauglich, verregnet, viel zu trocken oder sonst wie – dem Sommerloch ist das Wetter total schnuppe. Lediglich beim Oder-Hochwasser ist es seinerzeit auf der Strecke geblieben.

Das Sommerloch ist unermüdlich voll im Einsatz, wenn andere sich in den Ferien erholen, die Tour de France-Liebhaber vom Sofa aus trampeln lassen, andere sich am Strand aalen, im Gebirge rumwandern oder sonst was im Urlaub anstellen.

Wenn kein Fußballer seinen grünen Arbeitsplatz betritt, die Theater und alle anderen Bühnen Saisonpause einlegen, wenn große Weltpolitik und auch die in der Provinz mal alle Fünfe grade sein lässt, dann ist es zur Stelle: das gute alte Sommerloch

Sollten Sie die Nase voll haben vom Sommerloch, dann fahren Sie doch einfach mal in den Spreewald. Dort werden gerade Gurken geerntet, sortiert und eingelegt, mal delikat-pikant, mal süßlich, mal ganz klassisch sauer.

Da ist nämlich momentan Sauregurkenzeit und vom Sommerloch überhaupt keine Spur!

15.07.2019