„Bock auf Tango?“

Dann ab auf Schulschiff Deutschland, da gibt’s Tango-Klänge aus dem Alphorn!“

Der Typ mittleren Alters, grauhaarig, in kurzen Hosen mit viel zu blassen Beinen sitzt im Café am Nebentisch und verklickert genau das seiner Begleitung. Die guckt ihn sowas von ungläubig an – so, als würde er ihr was vom Pferd erzählen.

Geht eigentlich gar nicht, rattert es hinter ihrer in Falten gelegten Stirn!

Das Alphorn ist ja nun mal ein Instrument, das vornehmlich – und wie der Name schon sagt – in den Alpen zuhause ist. Na und? Sind wir hier in Vegesack etwa in den Alpen? Nee, Vegesack ist Bremen Nord – so sieht‘s aus!

Dann noch Tango. Ist genauso eine Sache. Den tanzt man garantiert nicht an der Weser und wenn, dann schon mal zuhause, in der Tanzschule, aber nicht auf dem Schulschiff. Tango ist immerhin pure Sinnlichkeit aus Lateinamerika! Ist hier vielleicht Tango-Land?

Und das alles zusammen soll auf dem alten Dreimaster stattfinden? Da sind doch sonst nur Schifferklavierklänge zu hören und Oldies but Goldies…

Nee, stimmt in diesen August-Tagen nicht, denn Festival-Maritim ist an diesem Wochenende der Knaller! Ein absoluter Renner im kleinen Weser-Städtchen, und zwar seit vielen Jahren. Da bekommen all die, die Lust auf Ohrenschmaus haben, Voll-Pension. Ungewöhnliche Musiker mit ebensolchen Instrumenten fiedeln, pfeifen, zupfen, blasen, taktieren mit und ohne Stock um die Wette. Es wird gesungen, getanzt, im Halbkreis aufgestellt. Sowohl Chöre als auch Solisten sind mit und ohne Klampfen, Gitarren, Pfeifen, Flöten und anderen Blas- und Klangkörpern unterhaltsame Entertainer der weltweiten musikalischen Szene.

Vegesacks Fußgängerzone und die Maritime Meile sind voll von maritimen Köstlichkeiten für alle Sinne und jede Menge regionale und überregionale Besucher genießen, was geboten wird. Selbst die sonst so gelassen und unerschütterlich wirkenden Eingeborenen klatschen, singen und wippen rhythmisch im Takt zur Musik – und das will schon was heißen!

„Warm up“ war bereits am Freitag und selbst Petrus beteiligte sich mit ein paar Blitzen und Paukenschlägen daran, ist dann aber völlig unspektakulär abgezogen und hat das muntere Treiben an der Weser nicht weiter gestört.

Doch was ist Vegesack ohne Bötchen fahren?  Geht überhaupt nicht! Drum einfach die VEGEBÜDEL vom MTV entern und schon ist man auf der Weser und wem diese Rundfahrt nicht reicht, dreht eine zweite Runde mit der ASTARTE, die eigens aus Bremerhaven angeschippert ist.

Sonntagabend. Finito. Schluss mit lustig im maritimen Vegesack!

Ein Jahr Wartezeit bis zum nächsten Mal „Vegesack Maritim“. Vorbei mit guter Laune und spürbarer maritimer Stimmung. Keine Musik liegt in der Luft.

Schade – aber besser einmal im Jahr, als gar kein Mal!

04.08.2019