Oben ohne bei Kaiserwetter

Eine Meinung zum Segeln vor der Maritimen Meile

Tja liebe Segler, nun seid ihr mal dran! Also selbstverständlich nur die, die vor der Promenade in Vegesack rumschippern.

Oft habe ich euch beobachtet. Heute auch wieder: Sonntag, 11. August 2019. Vormittags, gut 20 Grad. Sechs, vielleicht sieben Windstärken. Ein paar Schönwetterwolken am blauen Himmel und Wellengeplätscher auf der silberglänzenden Weser. Ideales Segelwetter!

Segelboote erkennt man daran, dass auf dem Boot was Dickes quer- bzw. längsliegt und was Langes in die Höhe ragt, hat mir mein Segellehrer früher in Berlin eingebläut. Ebenfalls bestand er auf der Tatsache, dass Segler ihre Segel nicht nur einfach so zur Schau stellen, sondern diese hauptsächlich zur Fortbewegung des Schiffes zu benutzen sind. Gemeinsam mit dem Ruder und den Segeln lenkt und steuert man das Wasserfahrzeug elegant durch den Wind und geschickt durch die Fluten. Ein guter Skipper lässt außerdem niemals die Lappen schlaff runterbaumeln oder lautstark im Wind schlackern. Und falls geräuscharm mal nicht funktioniert, dann bitte nur bei einem Wendemanöver oder einer ungewollten Halse.

Von all dem ist hier für den auf der Bank verweilenden Zuschauer, dem Spaziergänger und dem auf reiche Beute hoffenden Angler an der Weserpromenade nichts zu erkennen! Hier wird nämlich von selten bis gar nicht gesegelt, obwohl viele schöne, schnittige Vertreter dieses weißen Sports hier an Weser und Lesum zuhause sind.

Die Sonne scheint mir auf den Pelz, die Parkbank ist hart und auf dem Wasser dieseln Schiffe vorbei. Die schönsten Segler tuckern laut und stinkig gen Lesum-Mündung oder in die andere Richtung flussabwärts.

Warum das denn? Bei dem Wetter unter Motor – das müsste bestraft werden!

Das sind mir die Richtigen, diese Umweltverschmutzer. Sich aber über Plastik im Meer echauffieren, die Enkelkinder zur Fridays-for-Future-Demo mit dem SUV kutschieren und auf dem Wasser völlig ohne Windkraft dem Hobby frönen! Bestenfalls noch Geranien und Kräuter an Bord züchten!

Ab und an kommt mal ein „echtes“ aufgetakeltes Segelboot vorbei, doch eine halbe Seemeile vor Einfahrt in die Lesum lässt der Skipper die Lappen fallen und schippert mit Pferdestärken dem Ziel entgegen.

Ein Marinekutter unter Segeln ist am üben. Die Crew kreuzt, wendet, sie sind mal auf dieser, mal auf der anderen Weserseite, weichen anderen Booten aus und haben offensichtlich Spaß an ihren Manövern. Schön anzusehen – aber selten!

Segelsportler in Berlin haben es bei weitem nicht so komfortabel. Da ist es von voll bis überfüllt und nicht umsonst heißt es, dass man bei Kaiserwetter über den Wannsee gehen kann, ohne sich die Füße nass zu machen. Die Hauptstadt hat viel Wasser aber noch mehr Schiffe: Segel-, Ruder-, Paddel-, Motorboote, Jollen, Surfer, Yachten, Ausflugsdampfer, Berufsschifffahrt und was sich sonst noch so auf Havel, Spree und den Seen tummelt. Doch gesegelt wird immer – mit und ohne Platz, bei Kaiserwetter, bei Schietwetter, und zwar zu allen Jahreszeiten!

Hier ist das nicht so – hier steht man auf oben ohne sogar bei Kaiserwetter. Zumindest scheint das an der Weserpromenade in Vegesack so zu sein…schade, aber so isset nu mal!

11.08.2019