Greta Thunberg: Sechszehn Jahre und kein bisschen leise

Das ist Greta Thunberg definitiv nicht. Über alle Grenzen und Kontinente hinweg hat sie vorwiegend junge Menschen wachgerüttelt mit ihrem Herzensthema Klima. Mittlerweile ist sie bekannt wie ein bunter Hund, die schwedische Klimaaktivistin. Andere Heranwachsende gtagvormittag auf die Straße und auf die Barrikaden. Immer fürs Klima natürlich.

Der arktische Permafrostboden weicht auf, Eisberge schmelzen, Urwälder von Südamerika bis Sibirien brennen lichterloh, Überschwemmungen und Dürreperioden wechseln sich ab, Tierarten sterben aus und niemand tut etwas dagegen – so scheint es jedenfalls.

Die Sechszehnjährige Greta ist ein Shooting-Star, ein Idol für Schulkinder und Heranwachsende rund um den Globus. So wie Greta von null auf hundert weltweiten Bekanntheitsgrad innerhalb eines Jahres zu erlangen, haben bisher nicht viele geschafft. Die Beatles, die Stones, John F. Kennedy, Nelson Mandela, Michael Jackson, Elvis Presley und andere waren ebensolche Senkrechtstarter des letzten Jahrhunderts, die allerdings erst im Stillen „geübt“ haben, bevor ihre Ideen und Talente die Öffentlichkeit erreichte.  

Greta, das schüchtern wirkende aber überaus kluge Mädchen, gewann in ihrer schwedischen Heimat einen Schreibwettbewerb zum Thema Umweltpolitik. Durch Recherche, Gespräche mit Insidern ließ sie sich informieren und inspirieren. Klima und Umwelt wurden genau zu ihrem Ding. Wegen ihres Schulstreiks wurde sie bekannt. Medien berichteten über sie. Greta stand mit ihrem Plakat „Skolstrejk för Klimatet“ ab August 2018 vor dem schwedischen Parlamentsgebäude in Stockholm. Sie wurde berühmt und zum Vorbild für die junge Generation, und zwar rund um den Globus.

„Fridays for Future“ – ist so was wie die Hippie-Bewegung der Sechziger Jahre der Flower-Power-Generation, damals für Frieden und gegen Krieg – heute eben für elementare und welterhaltende Veränderungen von Klima und Umwelt.

Seinerzeit nannten ältere Zeitgenossen Hippies gerne auch Penner und Gammler – heute werden die Freitags-Demonstranten oft als Schulschwänzer bezeichnet. Hippies hatten damals mit Schule ohnehin nichts am Hut, daher war schwänzen kein Thema für sie und ihre Gegner.

Das ist heute anders. Freitags bleiben viele Klassenzimmer leer. Schüler sind ausgeflogen, marschieren lauthals zu Tausenden demonstrativ mit gebastelten Plakaten und beschriebenen Stoffbannern vor Parlamente, Rathäuser und skandieren ihre Parolen.

Bereits in den achtziger Jahren waren es die Grünen, die mit erhobenem Zeigefinger drohten und auf Umweltverschmutzung, Raubbau an der Natur und andere Missstände mit voranschreitender Technisierung gebetsmühlenartig hinwiesen. Zum Ende des Jahrtausends erlangten sie Ruhm und Ehre, übernahmen Regierungsverantwortung in Bund und Ländern. Doch Klimawandel und Erderwärmung haben sie damit auch nicht verhindert.

Die schwedische Umwelt-Ikone Greta segelt derzeit klimafreundlich übern großen Teich zum UN-Klimagipfel nach New York. Fliegen nein, Windkraft ja! Diese Aktion wird gefeiert und bejubelt, aber auch verteufelt und niedergemacht – wie das in unserer medialen Internet-Welt nun mal so ist.

Da wird getwittert und gepostet was da Zeug hält!

Greta ist klasse und hat mächtig was bewegt, sagt ihre Fangemeinde. Auf sie hören nicht nur Kids und Heranwachsende, auch der Politik kommt dieser Hype sehr gelegen.

Volksvertreter – und nicht nur Grüne – springen auf den Fidays-for-Future-Zug auf, denn schneller und leichter kommen sie mit zukünftigen Erst- und Jungwählern weder ins Gespräch noch ihre Stimme in die Wahlurne!

Selbst die bekanntesten Erbsenzähler wägen ihre Kommentare zu Schulpflicht und Schulstreik sehr genau ab – zumindest in Wahlkampfzeiten.

Ihren Gegnern hingegen schwillt der Kamm! Sie lassen an Greta und ihrem Aktivismus kein gutes Haar. Manche halten alles in diesem Zusammenhang für eine ausgetüftelte PR-Aktion, die nur ihr, den Veranstaltern und allen Beteiligten finanziell die Taschen füllt und Publicity beschert.

Man darf gespannt sein, wie es mit Greta und den Fridays-for-Future-Aktivisten weitergeht. Ob Greta im Geschichtsbuch landet oder ob sie bald selbst Geschichte ist – wer weiß das schon.

Ob man den Schulschwänzern die Hammelbeine langzieht oder vielleicht den Freitag zum „Schul-Frei-Tag“ erklärt, ist ebenfalls ungewiss.

Und ob womöglich diese Revolution ihre Kinder frisst, wie schon manche vor ihr, bleibt auch bislang unbeantwortet.

Aber Abwarten und Tee trinken geht auch nicht mehr – die Welt mit allem Drum und Dran braucht Lösungen!

24.08.2019

Foto: European Parliament from EU, Greta Thunberg at the Parliament (46705842745) (cropped), CC BY 2.0