Es gibt Tage…

…da lohnt es sich nicht, aufzustehen. Am besten, man zieht sich die Decke über die Ohren und lässt den lieben Gott einen guten Mann sein und dem frühen Vogel zeigt man den Stinkefinger.

An anderen Tagen wiederum springt man leichtfüßig mit dem rechten Fuß zuerst aus der Molle, weckt frohgemut den Wecker, der gemeinsam mit dem early bird, noch tief und selig schlummert.

365 Tage hat ein Jahr und alle vier Jahre sogar noch einen mehr. An jedem Tag ist irgendwas los. Mal Aufregendes, mal Schlimmes, mal Weltbewegendes, mal Gutes und mal weniger Schönes, oft steht einfach nur Alltag und eintöniges Einerlei auf der Tagesordnung.

Es gibt aber auch Sonn-, Feier- und Festtage, Geburts- und Namenstage, Hochzeitstage, den ersten Schultag, den letzten Tag vor den Ferien, Mutter- und Vatertag, jede Menge Erinnerungs- und geschichtsträchtige Tage.

All das sind Tage, die uns lebenslang begleiten, die wir mal mehr, mal weniger begehen, die im Kalender fest verankert oder privat total wichtig sind.

In der Musik finden alle möglichen Tage auch Erwähnung: Am Tag als der Regen kam; Those were the days my friend; Am Tag als Conny Kramer starb; Ein verrückter Tag, heute hab ich geträumt von dir; An Tagen wie diesen; Day after day; Heut‘ ist der schönste Tag in meinem Leben; So ein Tag, so wunderschön wie heute – tausende gibt’s davon, in vielen Sprachen, es sind unvergessene Oldies, bleibende Ohrwürmer, oft sogar gute und moderne Remakes.

Und dann sind da noch die Tage, die eine Stadt halb lahmlegen! Der Montag ist zum Beispiel so ein Tag.

An diesem Tag sollte man sich verkneifen, zum Frisör zu wollen! Gehen Sie bloß nicht zum Schlachter ihres Vertrauens, um Hackepeter zu kaufen. Vergessen Sie Ihr Lieblingslokal am Montag. Das Café, die Pizzeria, das Steakrestaurant und auch der Gasthof zur Linde sind verrammelt. Selbst Montagabend fließt kein Bier aus dem Zapfhahn beim Budiker – die kleine Kneipe an der Ecke hat dicht, die Soleier stehen im Dunkeln!

Wer montags Bock auf Kunst und Kultur hat, ist auch ziemlich gekniffen. An so manch einer Museumstür prangt das „heute geschlossen-Schild“ in dicken Lettern und unübersehbar zum Ärger des potenziellen Besuchers.

Der Mittwochnachmittag ist auch so einer, an dem jedes anständige Zipperlein keinen Menschen quälen sollte, weil man weder zum Arzt noch zur Apotheke gehen kann, um sich Linderung zu verschaffen. Der Freitagnachmittag ist übrigens auch keinen Deut besser!

Besuche bei Behörden wie Bürgerämter, Kfz-Zulassungsstelle, Standesamt sind keineswegs an fünf Tagen pro Woche kundenfreundlich von morgens bis abends machbar. Wechselnde Öffnungszeiten, mal früh, mal spät, mal gar nicht, unterteilt nach Jahreszeiten – ähnlich wie bei Ausflugsrestaurants mit Biergarten und ohne – sind normal.

Wenn man all diese Schließ- und Ruhetage der Gewerbetreibenden und Dienstleister im näheren Umfeld mal ernsthaft betrachtet, fragt man sich, warum Karstadt, Drogeriemärkte, Muckibuden, McDonald‘s, Aldi, Edeka, Lidl und Co. so erfolgreich sind. Vermutlich doch nicht, weil sie tageweise ihre Türen verrammeln.

Da lobe ich mir doch das Internet! Das hat hat an sieben Tagen die Woche durchgehend geöffnet. Ersetzt zwar weder Frisör- noch Schlachterbesuch, aber das „Frisurenportal“ hat mit Sicherheit geöffnet und die Ratgeberküche für „Hackepeter-mal-ganz-anders“ auch.

Und so manch ein Klick führt den Besucher bei Interesse zu manch einem Tages-Angebot und „heute geschlossen-Hinweisschilder“ wurden bislang nirgends entdeckt!

Im Internet ist man übrigens auch sehr herzlich willkommen, wenn man eigentlich den „Decke-über-den-Kopf-zieh-Tag“ nach Herzenslust genießt und zwischendurch nur mal eine kleine Abwechslung braucht, um sich dann wieder gemütlich einzuigeln oder mit dem frühen Vogel einfach ein bisschen flirten möchte….

03.09.2019