König Kunde oder was…?

In unserem Computersystem sind sie dreimal vertreten“, sagt die Apothekenhelferin zu mir, als sie mein Rezept mit meinem Kundenkonto abgleicht. Wie jetzt? Dreimal? „Wie kommt das denn?“ frage ich zurück. „Weiß ich doch nicht“ sagt sie schnippisch mit osteuropäischen Akzent. „Vielleicht gehen Sie auch in andere Apotheken…!“ legt sie nach. So ein Quatsch! Seit Bestehen dieser Apotheke in diesem Ärztehaus, bin ich hier Kunde und seither kaufe ich verschreibungspflichtigen Medikamente immer bei diesen Medizinmännern!

Warum eigentlich? Geht doch auch übers Internet! Unkompliziert, serviceorientiert, kompetent und ebenso ratzfatz, wie beim Pillendreher vorne an der Straßenecke, der mir die eine Sorte Medizin sowieso erst morgen per Boten vorbeischicken will!

Die Tankstellenanzeige sowohl an der weitsichtbaren Anzeigentafel zeigt pro Liter einen Euro vierunddreißig an. Ich greife zum Zapfhahn, kontrolliere noch einmal die einen Euro vierunddreißig, drehe mich um, stecke den Schlauch in den Einfüllstutzen meines Autos und während ich schon am Tanken bin, sehe ich einen um fünf Cent höheren Preis an der Zapfsäule. Huch, was ist denn nun los? „Quasi während ich die Zapfpistole in den Tank meines Autos stecke springt der Preis um..!“ versuche ich dem dicken Tankstellenmann in seinem viel zu eng sitzenden roten T-Shirt im Verkaufsraum klarzumachen. „Geht gar nicht“ sagt er! „Gibt das System gar nicht her – verstehen Sie Mann? Das ist ein Ding der Unmöglichkeit, was Sie da erzählen!“ Freundlich ist der nicht – der passt sich unmittelbar meiner Erregtheit an. Ich motze lauthals weiter, doch das stört ihn überhaupt nicht. Der schlürft seinen Kaffee und dann guckt der Chef ziemlich desinteressiert ums Eck. „Haben Sie nicht gehört, was mein Kollege gesagt hat? Dass, was Sie meinen beobachtet zu haben, ist ein Ding der Unmöglichkeit!“ ist alles, was er äußerst unfreundlich von sich gibt, um sich dann schlurfend wieder in die hinteren Gemächer zu begeben.

Eine Mahnung flattert per Postbrief in den Kasten. Angeblich habe ich die Fahrschulrechnung für mein Patenkind nicht bezahlt. Soll mir da was durchgerutscht sein? Rasch schalte ich meinen Laptop ein, bin auf meiner Online-Banking-Seite und siehe da: beide angemahnten Beträge habe ich fristgerecht längst bezahlt. Alles ist abgebucht, nichts ist zurückgekommen, also alles okay!

Dem Finanzdienstleister der Fahrschule, der sich sozusagen um Fahrschulkundenrechnungen und deren Bezahlung kümmert, schicke ich eine E-Mail und weise freundlich darauf hin, dass ihnen vermutlich ein Fehler unterlaufen ist. Ordnungshalber schicke ich der Fahrschule eine Kopie davon – die ist schließlich mein Vertragspartner.

Als ich nach zwei Tagen noch immer keine Antwort bekommen habe, rufe ich die Fahrschuldame an. Die ist ziemlich ungehalten und unfreundlich und empört sich über meine Dreistigkeit, die Angelegenheit nicht mit dem von der Fahrschule beauftragten Dienstleister irgendwo im Schwäbischen selbst zu klären!

Wie komme ich bitte dazu? Schließlich ist mein Vertragspartner die hier ortsansässige Fahrschule! Da absolviert auch mein Patenkind die Fahrstunden und dort hat es übrigens auch schon die theoretische Prüfung mit Bravour bestanden…

Wie wohltuend ist es doch dann, wenn ich in der dalmatischen Eisdiele meines Gustos vom Kellner mit den Worten „Hallo, schön, dass Sie da sind! Sechs Kugeln vom Joghurt-Eis – von jeder Sorte zwei – wie immer?“ freundlich begrüßt werde!

Oder im Café der Kaffee-Rösterei ein freundliches buongiorno Signora ertönt und der gutgelaunte Italiener sofort weiß, dass ich großen Appetit auf einen herrlich duftenden und großartig schmeckenden Latte macciato habe.

Übrigens ist der türkische Schlachter in meiner Lieblingsfleischerei ebenso freundlich zu mir, wie der anatolische Ladenbesitzer mit den besten Oliven und dem leckersten Schafskäse in der ganzen Stadt.

Warum können diese Menschen das und warum sind viele unserer bio-deutschen Landsleute von Freundlichkeit und serviceorientiertem Verhalten meilenweit entfernt?

Und warum wundert es mich dann nicht, wenn treudeutsche und alteingesessene Geschäfte mehr und mehr auf der Strecke bleiben?

Übrigens: Im Lidl-Laden meines Vertrauens gehören Freundlichkeit und Höflichkeit im Mitarbeiterteam zum Standard. Und wenn ich selbst mal Tomaten auf den Augen habe, hilft man mir sehr gerne, das zu finden, was mir nicht gelungen ist!

13.09.2019