Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

Dieser Slogan ist bei echten Fußballfans total angesagt, wenn das DFB-Pokalendspiel in der Hauptstadt auf dem Reiseplan steht. Da freut sich das Kickerherz aufs Olympiastadion und auf die vielen Kneipen, Biergärten und das prickelnde Nachtleben, Sightseeing und weiß der Geier, was sonst noch in Berlin alles machbar ist.

Vor längerer Zeit habe ich  – die gebürtige Spandauer Pflanze –  meine Heimatstadt Berlin gemeinsam mit meinem Lebenspartner verlassen. Wir haben uns eine schöne Wohnung in Bremen-Nord gesucht und auch ein Kleinod gefunden. Zunächst behielten wir unser Spandauer Domizil bei, in der Hoffnung, mal hier und mal dort zu residieren. Nach einigen Monaten revidierten wir auch diese Option und gehen seitdem nicht mehr an Havel und Spree, sondern an Weser und Lesum spazieren.

Freunde und Bekannte – hauptsächlich von mir – schlossen sicherlich heimlich Wetten darüber ab, dass ich irgendwann reumütig an die nicht mehr vorhandene Berliner Mauer klopfen werde und um Asyl bitte. Allesamt haben sich verzockt, denn bisher ist nicht mal der leiseste Anflug von Heimweh bei mir aufgetreten. Selbstverständlich hatte ich allen lieben Leuten versprochen, dass wir regelmäßig zu Besuch kommen werden. Mittlerweile weiß ich, dass ich mich gründlich versprochen und den Mund viel zu voll genommen habe. Denn ich habe überhaupt keinen Bock mehr auf Berlin. Ist eben so, kann ich nicht ändern!

Wie oft hat mein Liebster mich schon gefragt: „Wollen wir mal für ein paar Tage an die Spree fahren?“ Tja und dann rattert es in meinem Oberstübchen wie wild und ich bin blitzschnell auf der Suche nach akzeptablen Gegenargumenten, die dann so oder so ähnlich lauten:

Momentan ist es viel zu heiß und wir müssen auf der Terrasse das Grünzeug täglich gießen, da wäre unsere Nachbarin total überfordert!

Aber nächste Woche wollen wir uns doch mit den Nordenhamern zum Fischessen in Bremerhaven treffen!

Lass uns das mal verschieben, denn die Auricher wollen uns doch besuchen!

Bei dem schiet Winterwetter ist es auf der Autobahn viel zu riskant mit der Fahrerei!

Macht doch gar keinen Sinn, denn unsere Bekannten aus Rudow sind doch gerade auf Kreuzfahrt und die Spandauer sind zur Kur in MeckPomm!

Ach, und wann wollen wir dann zu Gisela in die Lüneburger Heide fahren?

Ist doch viel zu anstrengend für dich, denn du musst doch danach unmittelbar nach Frankfurt zum Arbeiten!

Jetzt, wo wir hier die letzten schönen Sonnentage des Jahres auf der Terrasse genießen können, sollen wir nach Berlin fahren?

Passt ja nun gar  nicht, die beiden rheinischen Frohnaturen sind doch gerade in Köln und zelebrieren das närrische Treiben!

Tut mir gesundheitlich derzeit nicht gut, denn in Berlin stinkt das immer so fies!

Also irgendwas fällt mir immer ein, um hier bleiben zu können.

Doch mit der Zeit gehen mir die plausiblen Ausreden aus. Darum habe ich mal locker meine Taktik etwas verändert. Wenn ich also mit den Berliner Freunden und Bekannten telefoniere, dann lade ich sie einfach zu uns nach Bremen ein, mache sie neugierig auf meine neue Heimatstadt – und die Vorgehensweise ist gar nicht übel  – schon mehrfach hat sie bestens geklappt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.