So ist das mit dem Bauchgrummeln

Wenn man sich im Bett von der einen auf die andere Seite wälzt und nicht schlafen kann, dann steht man eben auf, setzt sich vor die Tastatur, starrt auf den leeren Monitor und sortiert die Geister im Oberstübchen und versucht, sie zu Papier zu bringen.

Manchmal klappt’s, manchmal kein bisschen.

Das mit dem Kein-bisschen-klappen scheint heute die Oberhand zu behalten.

Schade, ich hätte so gerne hinter meiner Stirn für Ordnung gesorgt!

Die Älteren kennen diese Fernsehwerbung noch: „Mein Hüfthalter bringt mich um!“ sagt die innere Stimme der hübschen Dunkelhaarigen, die erfolgsverwöhnt mitten im Berufsleben steht. Man sieht ihr an, dass unter ihrer perfekten Figur und dem teuren Dior-Fummel etwas drückt und kneift!

So ähnlich ist das mit meinem Bauchgefühl. Das kneift und drückt mich auch manchmal -einfach so – aus heiterem Himmel. Es ist plötzlich da und flüstert mir was. Manchmal ohne erkennbaren Grund, ohne Anlass, manchmal scheint es ohne Sinn und Verstand zu sein. Doch es grummelt weiter und murmelt mir Dinge zu, die ich eigentlich gar nicht zuordnen kann und vielleicht auch nicht wissen möchte.

Dann hört es auf zu grummeln und ich bin zufrieden – denke ich irrtümlich. Allerdings hat das Bauchgefühl beste Connection zum Oberstübchen und lässt dort das Grummeln abspeichern. Grund, Anlass, Ereignis – was auch immer zum Grummeln führte – wird fein säuberlich archiviert, um mich zu passender Gelegenheit damit zu konfrontieren.

Hallo ruft es irgendwann, da bin ich, dein Bauchgefühl und ich will dich mal an damals erinnern, als dies, das und jenes geschah.

Ja, und dann stupst es mich mit der Nase genau auf das, was ich damals zwar wahrgenommen habe, aber nicht wahrhaben wollte.

Warum eigentlich nicht?

Man möchte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, sagt man. Nicht nur „man“, ich auch.

Wenn z. B. einer an einem Tag ein bisschen Schmutz unter den Fingernägeln hat, muss das schließlich nicht immer so sein.

Aus welchen Gründen das so ist? Vielleicht Zufall, möglicherweise Zeitmangel, eventuell mangelnde Hygiene – wer weiß das schon!

Immerhin ist mir seinerzeit diese Tatsache nicht entgangen und sie hat Bauchgrummeln verursacht und die grauen Zellen haben sie notiert.

Irgendwann denke ich an diesen Menschen mit den nicht ganz sauberen Nägeln und ich weiß, dass der mit der Hygiene ein Problem hat und immer so herumläuft. Dann klopft mir mein Bauchgefühl selbstgefällig und voller Stolz auf die Schulter und sagt mit überheblicher Stimme: „Siehste – hab ich es dir nicht schon damals gesagt? Nun haste den Beweis. Hättest du mal gleich auf mich gehört!“

So funktioniert das bei mir mit der Grummelei im Bauch, und zwar im Positiven wie im Negativen. Das Warnsystem springt allerdings im Laufe der Jahre und mit zunehmendem Alter öfter an, als die leisen Positiv-Glöckchen, die jedoch auch aufmerksam im Verborgenen schlummern.

Oft bin ich stinkig auf mein Bauchgefühl – meist aber sehr dankbar, weil es wundervoll verlässlich ist. Wir haben uns angefreundet und ich vertraue ihm. Es grummelt eben, wenn ihm was komisch vorkommt.

Und vor etlichen Jahren hat es was ganz Tolles gemacht: Es hat sein bekanntes Gegrummel in tausende von aufgeregt-flügelschlagende Schmetterlinge verwandelt. Da guckte mir nämlich mein Liebster mit seinen herrlich blauen Augen so tief in meine und es flatterte wie verrückt in mir. Selbst heute – nach mehr als einem Jahrzehnt – flattern diese kleinen Biester noch immer fröhlich herum und dafür bin ich meinem Bauchgefühl und meinem Herzallerliebsten unermesslich dankbar.

29.09.2019