Von A wie Adlershof bis U wie Karl-Marx-Universität

Gut informiert und bestens unterhalten war man selbstverständlich auch in der DDR. Leichte Unterhaltung live und in Farbe für Augen, Ohren und Lachmuskeln wurde unter anderem im Friedrichstadtpalast in der Hauptstadt der DDR den Genossen und Genossinnen geboten. Aus der ganzen Republik reisten die Zuschauer an, um weltweit beliebte Künstler zu sehen und das einmalige Ballett der schönen Mädchen mit den langen Beinen.

Das Fernsehen der DDR war in Berlin-Adlershof ansässig und trug sowohl zur Information als auch zur Unterhaltung der Bevölkerung bei, und zwar für kleine und große, alte und junge Konsumenten.

Als Nachbar in West-Berlin „profitierte“ man fernseh- und rundfunktechnisch ebenfalls von diesem Programm, denn schließlich lag Berlin nicht im „Tal der Ahnungslosen“.

Beliebte Sendungen waren unter anderem „Außenseiter – Spitzenreiter“, „Ein Kessel Buntes“ am Samstagabend, „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ am ersten Weihnachtstag, „Willi Schwabes Rumpelkammer“ immer montags, „Flax und Krümel“, „Meister Nadelöhr“, „Sandmännchen“ für die Kleinen und nicht zu vergessen „Polizeiruf 110“ und „Der Staatsanwalt hat das Wort“ waren Tatorte made in DDR.

Die „Aktuelle Kamera“ war die Ost-Variante der „Berliner Abendschau“ bzw. der bundesweiten „Tagesschau“.

Am ersten Mai, zum Republik-Geburtstag und anderen sozialistischen Gedenk- und Feiertagen war die „AK“ ein ganz besonderes „Schmankerl“. Alle SED-Bonzen, die auf der anderen Mauerseite die Zügel des Regimes fest in Händen hielten, konnten in Lebensgröße, beim rhythmischen Klatschen, Singen sozialistischen Liedguts in inniger Umarmung mit und ohne Bruderkuss mittels Wohnzimmer-Glotze live betrachtet werden.

Auch „Der Schwarze Kanal“ fand großen Zuspruch bei denen, die Hetze gegen Kapitalismus und westliche Lebensart zu ihrem Lebensmotto gemacht hatten. Durch diese Sendung führte Karl-Eduard von Schnitzler, der auch unter dem Namen Sudel-Ede rangierte.

Etliche DDR-Fernsehlieblinge wie z. B. Heinz Quermann, Helga Hahnemann gibt’s nicht mehr, andere hingegen gehören seit langem auch zur westlichen TV-Landschaft – Wolfgang Lippert, Carmen Nebel, Andrea Kiewel, Susanne Daubner sind nur einige von ihnen.

Viele DDR-Medien- und Kulturschaffende haben sich das notwendige Knowhow in Leipzig im „Roten Kloster“ erworben. Parteijournalisten sowieso nur dort, denn neben der Fachausbildung in der Sektion Journalistik gab es noch gleich eine straffe ideologische Schulung dazu und obendrein. Das „gesellschaftswissenschaftliche Grundstudium Marxismus-Leninismus“ war in der DDR ohnehin für alle Studenten Pflicht.

Diese altehrwürdige Leipziger Universität existiert bereits seit 610 Jahren und hat viel Geschichte erlebt und vor allem überlebt.

Natürlich haben die Nazis ihre Spuren genauso hinterlassen wie vierzig Jahre real existierender DDR-Sozialismus. 1953 wurde sie in Karl-Marx-Universität umbenannt und somit wechselte das vorangegangene braune „Farbmuster“ zu einem satten Rot.

An dieser Hochschule studierten im Laufe ihres Bestehens viele Berühmtheiten, wie beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe, Gottfried Wilhelm Leibniz, Karl Liebknecht, Richard Wagner, Gustav Stresemann, Clara Schumann und nicht zu vergessen Erich Kästner.

Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft studierte übrigens Hans Dietrich Genscher nicht nur in Halle, sondern auch in Leipzig, wo er sein erstes juristisches Staatsexamen ablegte. Er war später ein sehr angesehener FDP-Politiker, Außenminister unter Helmut Kohl und zählte zu den wichtigsten Persönlichkeiten im damaligen Wendedeutschland.

Wer in den Siebzigern in Leipzig eingeschrieben war, konnte vermutlich Angela Merkel im Hörsaal für Physik begegnen. Unsere heutige Bundeskanzlerin gehörte nicht zu den Oppositionellen innerhalb der DDR; das hätte nur ihre akademische Laufbahn behindert, bzw. massiv verhindert.

Auch die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt besuchte das Rote Kloster seit 1984, um evangelische Theologie zu studieren, verlor allerdings 1988 die Lust daran und ebenfalls zur gleichen Zeit absolvierte Maybrit Illner dort ihr Journalistik-Studium.

Sowohl über Berlin-Adlershof als auch überm Leipziger Campus wehte damals die schwarz-rot-goldene DDR-Flagge mit Hammer und Sichel.

Somit wurde an dem einen Ort unter anderem gelehrt, wie man Verlautbarungstexte regimegerecht verfasst und am anderen dafür gesorgt, dass man sie ganz im Sinne der Staatsführung korrekt unters Volk bringt. Die alten Herren in Berlin-Pankow setzten eben auf Nummer sicher!

Heute ist Berlin-Adlershof Deutschlands größter Technologiepark und man bezeichnet ihn als „den klügsten Kiez“ der Hauptstadt.

Die Leipziger Universität hat weder Ruhm noch Ehre eingebüßt und gehört heute wie damals zu den beliebtesten Universitäten Deutschlands.

15.10.2019