Was macht unsere Bundeskanzlerin eigentlich beruflich?

Na regieren natürlich – wird so manch einer mit viel Inbrunst sagen. Ist das so?

Unermüdlich ist sie auf Achse. Eben noch Indien, dann Zwickau – also einmal um die halbe Welt, wie es Karel Gott musikalisch auf den Punkt gebracht hätte. Gestern Meeting mit Bimbo Binder, dem alten Inder, Gespräche über Fachkräfte, Freihandel und Verkehr; heute Elektro-Autos in Sachsen und NSU-Gedenkstätte. Letzte Woche irgendwo – in ein paar Tagen sonst wo.

Eigentlich macht sie all das, wofür DDR-Bürger vor dreißig Jahren auf die Straße gegangen sind und an der Mauer so lange rüttelten, bis sie umfiel. Dann hatten sie es: nämlich uneingeschränkte Reisefreiheit und D-Mark. Okay, D-Mark ist Schnee von gestern, aber mit dem Euro klappt’s auch heutzutage bestens mit dem Reisen!

Die Pastorentochter Angela Merkel aus dem Osten hat‘s nicht so mit Martin Luthers Empfehlung „bleibe im Lande und nähre dich redlich“. Nicht immer, aber immer öfter, ist sie auf Reisen. Reisen ist wichtig, sagen die einen. Und mit dem Hintern in Deutschland bleiben etwa nicht? fragen sich andere.

Seit Struwwelpeter-Zeiten wissen wir, dass es nicht immer optimal läuft, wenn man Kids alleine zuhause lässt. „Paulinchen war allein zu Haus‘, die Eltern gingen beide aus…“ kennen doch alle. Paulinchen griff zum Feuerzeug, zündelte und verbrannte.

Gezündelt wird auch in Deutschland und unsere (allein-regierende) Mutti ist nur selten zuhause bei ihren Paulinchens, die mit dem Feuer spielen.

Sie weiß davon, aber haut ihnen nicht auf die Finger, schimpft nicht, hält die Klappe und sagt nichts, sitzt scheinbar stumm daneben im Tante-Sophiechen-Sessel und schaut den Blagen zu.

Beim Struwwelpeter melden sich dann die klugen Katzen zu Wort: „Und Minz und Maunz, die Katzen, erheben ihre Tatzen. Sie drohen mit den Pfoten: Die Mutter hat’s verboten!“

Oder sind vielleicht die drei Affen ein besserer Vergleich: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen?

Egal – Mutti Merkel schweigt zu allen Geschehnissen.

Das Schweigen der Merkel!

Ist ihr etwa die Puste ausgegangen oder hat sie resigniert? Ist sie amtsmüde, erschöpft, krank und lustlos, geht ihr das Regierungsgeschäft auf den Keks?

Oder will sie etwa auch diese Stimmung im Land, in der Regierung und um sie herum einfach nur aussitzen?

Muss sie nicht! Sie ist 65 Jahre, also im besten Rentenalter, ihr Ruhegeld dürfte stimmen, schließlich gehörte sie immer zur werktätigen Klasse. Sie könnte unmittelbar ihren Stuhl im Kanzleramt räumen, ihre Blazer vom Haken nehmen und sich ins Private zurückziehen. Keineswegs muss sie mit ihrem kompakten Hinterteil weiterhin jeden Stuhl in der Weltgeschichte plattsitzen.

Das könnte eine Lösung sein, wenn da nur nicht ihre Vorliebe fürs Aussitzen wäre – denn das ist genau ihr Ding. Wäre das Aussitzen nobelpreisverdächtig, bekäme Angela Merkel vermutlich diese Auszeichnung!

Zwei Jahre will sie noch Kanzlerin bleiben, sagt sie. Ihre Widersacher, Kritiker und Interessenten fürs Kanzleramt laufen sich längst warm. So manch taffes Mannsbild, das einst wegen ihr über die Wupper ging, steht in den Startlöchern, um sie vom Thron zu schubsen.

Bis dahin gilt die alte Heinz-Erhardt-Weisheit: Man macht gewöhnlich viele Worte, wenn man nichts zu sagen hat!

05.11.2019