Yeah, sie wandern wieder!

Der Blick in den herbstlichen Kalender zeigt es: Die Kröten haben sich auf die Strümpfe gemacht und befinden sich auf Wanderschaft.

Traditionell wandern sie aus dem eigenen Portemonnaie in die Kassen anderer, denn Freude zum Fest verschenken gibt’s nun mal nicht zum Nulltarif!

Wetten, dass die Korrekten unter uns im Laufe des Jahres längst Ideen gesammelt haben, wer mit welcher Gabe im Kerzenschein an Weihnachten überrascht werden kann? Wem es an dieser Liste mangelt, hofft man eben auf den Wunschzettel im Nikolausstiefel, auf eigene Einfälle oder auf Hilfestellung durch die Werbung.

Die kann man hören, sehen, lesen, die baggert sich plakativ an uns heran, umzingelt uns. Mal bimmelt ein Glöckchen zart und verhalten, anderswo ruft der Nikolaus hohoho und das Rentier scharrt voll motiviert mit den Hufen.

Saisoneröffnung war längst und seither ist die Weihnachtswerbung voll im Gange.

Kaum ein Medium lässt sich gut zahlende Werbepartner durch die Lappen gehen, der Schenkwillige kann sich nach Lust und Laune zum Fest der Liebe total inspirieren lassen und beim Werbenden klingelt es in der Kasse – also eine win-win-Situation für alle Beteiligten.

Beworben wird geradezu alles: vom geräucherten Aal bis zur elektrischen Zahnbürste, pingelig unterteilt nach Männlein, Weiblein, Kinder und Haustiere – die Angebotspalette ist unendlich groß.

Denn dem Herzallerliebsten kann man schließlich nicht mit irgendwas eine Freude machen. Wenn er zur Couch-Portato neigt, könnte ihm vielleicht eine gemütlich-flauschige Homewear-Kombination vom Sitzmöbel reißen, während der Naturbursche eher einen Gutschein von Jochen Schweizer zum Fallschirmspringen, Bergsteigen oder Tiefseetauchen bevorzugt. Wer mit einem Self-made-Mann die Matratze teilt, sollte ihm was von Hornbach, Obi oder einem anderen Baumarkt aus der Heimwerkerabteilung unter den Baum legen. Dem Sesselpupser aus der gepflegten Chef-Etage gefällt wahrscheinlich ein Krokodil-Shirt ebenso gut wie der SOS-Klassiker passend zum Armani-Anzug.

Wenn das alles nicht zu Kerzenschein und Tannenduft passt, kann irgendwas Elektronisches niemals verkehrt sein – da gibt’s immer Neues – genau zum Verschenken richtig. Elektronik von Saturn und Co. erfreut fast jeden – egal, welches Geschlecht und Alter im Ausweis steht.

Selbst Oma freut sich über einen Kindle Paper White E-Bookreader genauso, wie Opa über einen elektronischen Rasenmäh-Roboter und Tante Else wünscht sich ohnehin einen Kaffee-Vollautomaten inklusive Wasseranschluss, Präzisionsmahlwerk und Milchaufschäumer.

Wer dann auch noch weiß, was die lieben Kinder, Onkel Otto, Bruder Gerd und Schwester Ilse, Schwager Günni, Nichte Nicki, Neffe Kevin, der Kollege und der freundliche Nachbar sich so wünschen, sollte sich spätestens jetzt auf einem der vielen Preisvergleichsportale im Internet anmelden. Am Ende dieser Prüfphase ist das Bestellen dran und schon machen sich wieder die Kröten auf den Weg, ein Besitzerwechsel und der Paketdienst kündigen sich an.

Wem das aber alles viel zu viel Aufwand ist, dem sei empfohlen, das Schenken altmodische und völlig unelektronisch und aus der Zeit gefallen anzupacken.

Das könnte in etwa so gehen:

Man addiere die Anzahl der zu beschenkenden Personen, nehme genauso viele Briefkarten und Umschläge zur Hand, schreibe ein paar nette Zeilen und füge vorm Zukleben einen oder mehrere Geldscheine, die man sich vorher am Auszahlautomaten besorgt hat, hinzu. Dann schreibe man den entsprechenden Namen aufs Kuvert und verziere es mit einem kleinen grünen Tannenzweig. Das handliche Präsent lässt sich ökologisch problemlos transportieren und bestens an den Mann und die Frau bringen. Es ist außerdem äußerst umweltfreundlich, weil es frei von unnötiger Verpackung, Plastik oder sonstigem ist.

Wenn das mal keine umweltbedachte und -schonende Krötenwanderung ist..!

Foto: Lienhard Schulz, Parsteiner See Amphibienschutzschild, CC BY 3.0

17.11.2019