Früher war mehr Lametta!

Schon zu Zeiten von Preußens Glanz und Gloria bezeichnete man die Orden an einer männlichen Uniformbrust volksnah als Lametta. Bei den Nazis war es nicht viel anders. Auch sie liebten glitzernde Orden an prunkvollen Uniformen und ein absoluter Befürworter dieser Tradition war Hermann Göring, der deshalb auch Lametta-Heini genannt wurde.

Der typische Weihnachtsbaum aus den 1970er Jahren: Mit „mehr Lametta“.

Auch am Weihnachtsbaum war es unverzichtbar! Ohne silbernes oder goldenes Lametta ging in früheren Jahren gar nichts. Zwischenzeitlich gehört dieser weihnachtliche Traditionsschmuck jedoch zum alten Eisen. Nur noch bei älteren Tannenbaumliebhabern kommen die Glitzerfäden aus plattgewalztem Metall zum Einsatz.

Selbst Christbaumschmuckfabrikanten produzieren längst neue Accessoires zum Rausputzen der grünen Waldbewohner und haben sich schon lange vom altbackenen Lametta fast völlig verabschiedet.

Wer also auf dem Bunten Teller nur Dinkelkekse und Fair-Trade-Weihnachtsmänner bevorzugt, in seinen Backofen nur die Bio-Gans brutzeln lässt und nur ein Nadelbäumchen aus ökologischem Anbau in seine Wohnung holt, der putzt ihn auch umweltfreundlich-verträglich heraus.

Ist das wirklich so neu oder machen wir es nur unseren Vorfahren nach?

Früher kam ohnehin meist regionales und saisonales Essen auf den Tisch.

Der Baum aus dem nagegelegenen Wald wurde entweder selbst geschlagen oder beim Oberförster rechtzeitig bestellt und der Baumschmuck gehegt, gepflegt und über Generationen weitergereicht und das Lametta nach dem Baumabschmücken grundsätzlich aufgebügelt, in Zeitungspapier gewickelt und wieder sorgfältig verstaut.

Prinzipiell könnte man meinen, dass unsere Gegenwart völlig anders ist, als unsere Vergangenheit es war und unsere Zukunft es sein wird. Irgendwie eine feststehende Tatsache, der vermutlich so ziemlich jeder zustimmen wird.

Aber ist das auch so?

Der Wunsch nach einem Zurück zu Ursprung und Wurzeln liegt total im Trend. Vieles, was heutzutage voll en vogue ist, war früher schon mal da. Ur-Produkte werden wieder gezüchtet, angebaut und erfreuen sich größter Beliebtheit. Möhren in lila, orange, gelb und weiß präsentieren sich als farbenfroher Augen- und Gaumenschmaus, alte Apfel-, Birnen- und Pflaumenarten sind auf jedem Wochenmarkt ebenso begehrt, wie Tomatenzüchtungen aus Uromas Garten und längst vergessen geglaubte Kartoffelsorten aus heimischem Anbau.

Was gut ist kommt wieder, sagt der Volksmund. Ist eben alles nur eine Frage der Zeit. Ob allerdings das gute alte Lametta nochmals eine Renaissance erleben wird, kann man nicht prognostizieren und in Zeiten von Greta und den Friday-for-Future-Kids schon gar nicht.

Und dass es mit den Glitzerfäden aus Metall am Weihnachtsbaum rapide bergab geht, wissen wir bereits seit 1976. Denn schon damals stellte Loriot anlässlich eines weihnachtlichen Intermezzos bei Familie Hoppenstedt tiefgreifend fest: Früher war mehr Lametta!

30.11.2019