Bekannte, gute Bekannte, Freunde

Drei schöne Begriffe. Aus Bekannten können gute Bekannte und später vielleicht auch Freunde werden – das ist ein Werdegang, den man sich vorstellt und auch wünscht.  Wer von uns wünscht sich nicht gute Bekannte oder gar Freunde? Vermutlich braucht jeder die Vertrautheit, die Ehrlichkeit, die Offenheit und die Nähe eines guten Bekannten, eines Freundes.

Glücklich ist, wer Freunde aus dem Sandkasten, dem Kindergarten und aus der Schulzeit hat, die ihn ein Leben lang begleiten. Die mit ihm durch dick und dünn gehen, Geburtstage feiern, Festtage wie Volljährigkeit, Abiball, Führerscheinprüfung, Examensfeier, Hochzeit und viele andere Anlässe bis hin ins hohe Alter gemeinsam erleben.

Mir sind einige Menschen bekannt, die das große Glück haben, solche Freundschaften zu erleben, die Höhen und Tiefen, Lachen und Weinen, Leben und Tod, Freud und Leid miteinander teilen. Meine Mutter gehörte zu den Auserwählten, die trotz Krieg und verheerenden Zeiten vier Freundinnen bis ins hohe Alter behalten durfte. Zu fünft durchlebten sie Bombenangriffe während des Krieges in Berlin, überlebten im Luftschutzbunker, gingen tanzen, lernten ihre Männer kennen, feierten Hochzeit, übernahmen gegenseitig die Patenschaften für ihre Kinder, betrauerten den Tod ihrer Eltern und sie waren immer füreinander da. Natürlich gab es auch Streit, gar nicht so selten, wie sie erzählten. Doch sie fanden immer wieder zueinander und Meinungsverschiedenheiten wurden ausgetragen und wieder beseitigt. Auf Regen folgte immer Sonnenschein und das war so gewiss wie das Amen in der Kirche.

Solche Freundschaften gab es zu allen Zeiten, es wird sie immer geben und es gibt sie auch heute. Freundschaft wird nicht unmodern. Vielleicht wird sie aber heutzutage in unserer schnelllebigen Hightech-Zeit anders gelebt. Im Zeitalter von Computer, Internet, E-Mail, Skype, Facebook, Twitter, Smartphone und tausend anderen Schickimickis der Neuzeit. Man findet durch Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke täglich neue „sogenannte Freunde“ die sich überwiegend über gemeinsame Interessen vielfältiger Art definieren. Auf jeden Fall hat der Begriff Freundschaft hier eine andere Bedeutung und entspricht nicht der Ursprungsform im eigentlichen Sinne der deutschen Sprache, unserer Tradition und Emotion.

Aber auch eine Freundschaft kann zerbrechen und dafür gibt es viele Gründe. Der Klassiker: Die eine spannt der anderen den Kerl aus und das Dilemma ist perfekt! Die jahrelange Freundschaft bekommt einen gewaltigen Knacks oder zerbricht ganz. Eine andere Variante ist, dass der Lebensgefährte der einen Freundin einen Seitensprung mit ihrer besten Freundin „wagt“. Auch das kommt früher oder später ans Tageslicht, falls die beiden nicht unmittelbar in flagranti erwischt werden. Alle Spielarten sind natürlich auch beim starken Geschlecht möglich, denn auch Männer pflegen Freundschaften.

Krankheit kann auch zum Trennungsgrund werden. Natürlich geht es da nicht um Husten oder Schnupfen, einen Bein- oder Armbruch. Meist sind es ernsthafte Erkrankungen die den Ausschlag geben. Freunde wissen oftmals nicht, wie sie mit einer schlimmen Krankheit ihres Pendants umgehen sollen. Sie haben Angst vor Verlust, vor zu viel Nähe, vielleicht vor Ansteckung und eventuell auch davor, konstant mit dem kranken Menschen konfrontiert zu sein und sich kümmern müssen. Obwohl beide Freunde oder Freundinnen von der neuen Situation betroffen sind, können sie nicht darüber reden und auch das Schweigen kann zum Bruch führen. Beide brauchen sich mehr als nötig, aber sie erkennen es nicht und selbst wenn sie es wissen, können sie nicht immer damit umgehen. Sie sind oftmals einfach überfordert mit den veränderten Bedingungen!

Krankheit bedeutet vielfach Krankenhaus, Therapie und auch Reha und das heißt wiederum, dass man neue Bekanntschaften macht. Sozusagen Leidensgenossen trifft, die ebenfalls erkrankt oder bereits auf dem Weg der Besserung sind – oder leider auch nicht. Man lernt sich kennen, spricht miteinander und stellt fest, dass das Gegenüber ein ähnliches Schicksal hat, wie man selbst. Man tauscht sich aus, man schwimmt auf gleicher Welle und das fördert Gemeinsamkeit und Bekanntschaft. Mit viel Glück wird gute Bekanntschaft draus, vielleicht sogar Freundschaft.

Das ist mir passiert und diese Freundschaft hielt über einundzwanzig Jahre und dann starb meine Freundin. Aber nicht an Krebs, den hatten wir beide gemeinsam überwunden.

29.05.2014

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