Fernsehen – und was mich ärgert!

Jetzt wird mal wieder gemeckert, und zwar zunächst mal übers Fernsehen. Vielleicht ist es dem einen oder anderen aufgefallen, dass unsere öffentlich-rechtliche Fernsehsender mit keiner Silbe erwähnt haben, dass Wladimir Klitschko vor kurzem geboxt und gewonnen hat. Wie immer – wenn die Klitschko-Brüder in den Ring gehen – fand der Boxkampf bei RTL statt und diesmal endete er mit patriotischen Bekundungen zur ukrainischen Heimat von Mister Steelhammer.

ARD und ZDF verloren kein Wort in ihren Nachrichtensendungen darüber. Weder im Sportteil noch im politisch dominierten Teil, als über die aktuellen Ereignisse in der Ukraine berichtet wurden. Das Event von Oberhausen war ihnen keine Nachricht wert! Sind es Animositäten, die dahinter stecken?

 

Dafür kann man allerdings den Hals bei ARD und ZDF zur aktuellen Berichterstattung über Fußball nicht voll bekommen. Da dürfen wir jeden Schritt verfolgen, den die Bayern erfolglos gegen die Königlichen aus Madrid laufen. Jegliche Trauer über beide vergeigte Spiele sowohl unter spanischem Himmel als auch im Heimatstadion der blauweißen Elitekicker wird den TV-Konsumenten in der ersten Reihe vermittelt und detailliert von Experten erklärt. Und das nicht nur vor und nach dem Spiel, sondern auch in den darauffolgenden Sendungen der nächsten 24 Stunden. Den Schmerz der hochbezahlten Spieler, das Leiden der Vereinsverantwortlichen, die nicht versiegen wollenden Tränen der Bayernfans und viele Livebilder zu unzähligen Kommentaren begleiten uns endlos.

Wenn Herr Vettel & Co. mit heißen Reifen über die weltweiten Formel-Eins-Pisten jagen, erfahren wir die Ergebnisse auch bei ARD und ZDF, obwohl diese Veranstaltungen bei RTL live stattfinden.

Warum sind die Klitschkos also die Ausnahme – was haben sie den Verantwortlichen bei ARD und ZDF getan, dass sie nicht mal unter ferner liefen erwähnt werden? Okay – Boxkämpfe, die vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesendet werden, unterscheiden sich massiv vom Knowhow der RTL-Übertragungen und nicht zuletzt von den Einschaltquoten. Somit könnte man annehmen, dass es einfach nur Animositäten sind, die zum Nachrichtenboykott über das Fäuste schwingen von Klitschko führen. Allerdings unverständlich aufgrund der momentan äußerst angespannten und absolut kritischen Situation in der Ukraine und dem Verhalten der Russen. Außerdem ist Witali Klitschko kein Unbekannter auf der politischen Bühne und die patriotischen Worte seines Bruders nach dem Kampf sind an die Landsleute in der Heimat gerichtet. Eigentlich Grund genug fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen, diese Veranstaltung zu erwähnen.

Dann war da noch Gerd Schröders 70. Geburtstag. Der feierte in Hannover, mit und ohne SPD, privat und offiziell und dann auch in Sankt Petersburg mit einigen früheren Wegbegleitern und auch Wladimir Putin. Darüber empörten sich das Kanzleramt, viele Politiker und etliche Medien. Der Empörungstenor lag bei: Das gehört sich nicht während der Ukraine-Krise! Da darf ein Ex-Kanzler der Bundesrepublik Deutschland den Präsidenten von Russland nicht umarmen! Das geht überhaupt nicht! Das ist ein Fauxpas der besonderen Art! Das ist der GAU überhaupt! In der Ukraine wurden OSZE-Beobachter in Geiselhaft genommen und Schröder feiert mit Putin!

Medien, Politiker, Menschen des öffentlichen Lebens haben sich geäußert – die meisten negativ. Was da losgetreten wurde, ist nicht mehr nachvollziehbar – jedenfalls für mich nicht!  Könnte es nicht genau Schröder sein, der im gesamten Ukraine-Konflikt positiv auf seinen Freund Putin einwirkt? Freunde können manchmal Wunder bewirken – möglicherweise auch in dieser mittlerweile sehr verfahrenen Kiste. Sollte man in dieser Ausweglosigkeit nicht alle erdenklichen Register ziehen? Ich finde ja! Und gerade dann, wenn ein Register Gerhard Schröder heißt und gemeinsam mit dem „lupenreinen Demokraten“ Wladimir Putin Geburtstag feiert. Warum also nicht, zumal doch sämtliche Diplomatie und andere Bemühungen bisher ohne Wirkung blieben!

Nur durch Fernseh-, Radio- und Zeitungsberichte wird sich an der Brisanz an diesem Brennpunkt nichts verändern – weder durch Sondersendungen, kluge Kommentare noch durch Korrespondentenberichte.

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