Tigi und Leo unterwegs

Tigi und Leo sind auf Deutschlandtour, und zwar per Flieger. Per Anhalter geht es nach Uelzen und fast hätten sie ihre Rucksäcke mit den Gemüsesnacks, Äpfeln, Kirschen, Erdbeeren, Kaugummis, Schokoriegel, Tarnkappe, Handy, Ladekabel und Kreditkarte von Leo im Auto des freundlichen Pärchens vergessen.

Leos Privatjet steht noch immer in Uelzen auf dem Flugplatz und seit mittlerweile zwei Wochen betreut Johnny Albatros den Flieger. Johnny ist nicht mehr der Jüngste und seine Augen sind nicht mehr die besten und deshalb hat sich die US Air-Force vor einigen Jahren von ihm als Piloten verabschiedet. Allerdings mit allen Ehren und sowas ähnlichem wie dem großen Zapfenstreich. Aufgrund seiner nicht ganz einfachen Familienverhältnisse – drei Mal geschieden, etliche minderjährige und uneheliche Kinder – muss er jedoch weiterhin Geld verdienen. Er hat sich nach dem Rausschmiss bei der Air-Force als Gärtner beworben, unter anderem auch bei den Dompteuren der weißen Tiger in Las Vegas. So lernten sich Leo und Johnny kennen. Sowohl im Blumengarten als auch auf dem gesamten Anwesens richtete Johnny viel Schaden an, denn weil er weder Brille noch Kontaktlinsen trägt, konnte er Blumen nicht von Unkraut unterscheiden. Drum war er diesen Job ratzfatz auch wieder los. Fand aber seine neue Berufung bei Leo, denn der suchte händeringend einen Privatpiloten für seinen Jet.

Die Drei treffen also am Uelzener Flugplatz aufeinander und Tigi und Johnny sind sofort ein Kiek und ein Ei und das erste Ziel des Trios soll die Nordseeinsel Helgoland sein. Also auf geht’s! Der Tower gibt die Starterlaubnis, Johnny startet durch, Tigi staunt und Leo bürstet sich nochmal die Mähne und schon ist Helgoland in Sicht. Johnny nimmt Kurs auf die Insel, peilt aber leider die Badeinsel und den Strand an, was alle Badegäste wie Hühner aufschrecken und wild durcheinander rennen lässt. Der zweite Anflug klappt dann aber besser. Diesmal hat Johnny auf Anhieb die Landebahn erwischt und auch das Einparkmanöver vorm Hangar war ganz professionell. Hungrig und durstig erobern die Drei die Insel, finden bald eine Milchbar und Leo spendiert die ersten Drinks und Milchreis mit Erdbeeren. Danach stromern sie über die Insel, geschlafen wird in den Dünen und früh am nächsten Morgen geht es weiter nach Sylt. Dort wird gerade das alljährliche Matjesfest gefeiert und jede Menge Touris belagern die Insel, die Kneipen und Restaurants und Bier und Genever zum leckeren holländischen Fisch fließen in Strömen. Johnny – der seinem Namen Albatros alle Ehre macht – ist total verrückt nach dem Matjes, der ihm vorzüglich mundet. Schlaraffenland pur, ruft er immer wieder! Er muss nicht erst ins Wasser und Fische fangen, umständlich die Gräten entfernen – alles ist mundgerecht vorbereitet und er futtert sich rundherum die Plauze dick. Leo geht zum Frisör und lässt sich eine sturmfeste Betonfrisur föhnen – ähnlich der von Uschi von der Leyen, wenn sie Soldaten im Einsatz irgendwo auf der Welt in heißen Regionen besucht. Tigi schleckt jede Menge italienisches Eis bis er Bauchgrummeln hat und andauernd aufs Klo muss. Abends bummeln die drei Freunde durch Westerland, genießen den Sonnenuntergang, stellen drei Strandkörbe zusammen und schlafen friedlich dem kommenden Tag entgegen. Der wird aber nicht so friedlich, wie sich bald herausstellt. Erst kommt die Flut und überspült den Strand und die drei gekaperten Strandkörbe, die sie dicht ans Wasser bugsiert haben, stehen nun in einem riesigen See. Außerdem bläst der Wind mit Stärke acht und treibt die Wolken am Himmel entlang. Dann kommt der Strandkorbwärter, will die Quittungen für die Strandkorbmiete und die Kurtaxe sehen. Der Bursche hat weder Angst noch Respekt vor den beiden Raubtieren, obwohl sie gefährlich knurren und angriffslustig um ihn herumschleichen.

Johnny Albatros hingegen pfeift La Paloma und den gut gebauten Möwen hinterher, für die ein solch seltsamer Vogel äußerst exotisch wirkt und schließlich kacken sie ihm von oben auf sein Gefieder.

Der Strandkorbwärter droht Tigi und Leo mit der Polizei, wenn sie nicht sofort zahlen und schon wählt er die 110 auf seinem Handy und ist unverzüglich mit dem Revier in der Strandstraße verbunden. Okay, Leo zückt sein Portemonnaie und löhnt einen stattlichen Betrag. Während der Strandkorbwärter zufrieden abzieht, zieht ein Gewitter und Regen auf. Leo holt seinen Knirps aus dem Rucksack, spannt ihn auf und hofft, dass der seine Mähne ein klein wenig vor zu großer Verwüstung durch Wind und Regen schützt. Oben auf der Straße angekommen telefonieren sie nach einem Taxi, das die Troika dann rasch zu ihrem Jet am Flughafen bringt.

Alle Drei wollen nur noch nach Hause, doch dazu brauchen sie die Starterlaubnis vom Tower, die aber wegen des fiesen Wetters auf sich warten lässt.

Lautes Geknatter kündigt ihre Landung auf der Wiese im nahe gelegenen Park an. Ach du lieber Himmel, was ist denn nun los? Mit ebenso lautem Tatütata braust ein Polizeiwagen herbei, der dem Trio auch unmittelbar verklickert, dass Landen und Parken eines Jets streng verboten ist. Zu allem Übel erkennen die Polizisten auch Tigi, der bei den Beamten kein unbeschriebenes Blatt ist. Also halten sie sich nicht lange mit sinnlosem Lamentieren auf, rufen bei uns an und wir sollen ihn und seine beiden Freunde unverzüglich abholen und das Flugzeug gleich mit. Da haben wir den Schlamassel!

Mit Mühe und Not erreichen wir einen Freund, der einen Flugschein hat und den können wir – wenn auch nur mühsam und wortreich – überreden, uns aus der Patsche zu helfen und den Privatjet von Leo umzuparken. Nun hat unser Freund was gut bei uns und wir ein Flugzeug im Garten. Die drei tierischen Kerle haben zwischenzeitlich heiß geduscht, warmen Kakao getrunken und liegen nun schnarchend im Wohnzimmer herum und träumen von weiteren Abenteuern.

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