Neulich beim Fischhändler

Hmmmm, eine tolle Fischsuppe! Oh ja, das wäre lecker! So klang es aus dem Munde meines Lebensgefährten.

Also auf zum Fischhändler unseres Vertrauens. Der Laden ist fußläufig zu erreichen, aber wir stiegen lieber in unser rotes Radieschen – so heißt nämlich unser knallroter Golf plus.

Im Fischladen trafen wir auf einen einzigen Kunden, diverse Fische, sowohl geräuchert als auch roh, filetiert und im Ganzen, mit und ohne Kopf und auf zwei Verkäuferinnen, eine sehr jung und  – wie sich unverzüglich herausstellen sollte  – ohne Erfahrung, die andere mittleren Alters und mit wenigen Zähnen im Mund. Freundlich grüßte niemand, wobei die Fische allesamt an dieser Stelle nicht gemeint sind.

„Gerne hätte ich einige Fischkaskaden“, so mein Wunsch an die junge Dame hinterm Tresen. Verwirrt schaute sie erst mich an, dann zur geräucherten Makrele, weiter zum Matjes und dann über den Kabeljau hinweg zum Lachs, der um die Augen herum auch nicht gerade frisch aus seiner schuppigen Haut blickte. „Was soll das denn für ein Fisch sein?“ fragte sie nach längerem Schweigen. „Den haben wir nicht!“

„Kaskaden sind Fischskelette, also sozusagen das Grätengehäuse nach dem Filetieren, abgeschnittene Köpfe, Schwänze, Bauchlappen. Aus diesen Resten kocht man einen Fischfond“  erklärte ich der Unwissenden den Begriff.

„Fischfond haben wir dahinten im Regal, schon fertig im Glas, können Sie kaufen. Ein Glas kostet so fünf oder sechs Euro“ antwortete sie mir.

„Aber Sie filetieren doch die Fische, die sie verkaufen, selbst  – oder? Somit muss es doch das Zeug geben, das ich gerade aufgezählt habe“ setzte ich unser Verkaufsgespräch beharrlich fort. Nun war sie völlig verwirrt und verwies darauf, dass sie erst im zweiten Lehrjahr sein.

Jetzt schaltete sich Verkäuferin Nummer zwei ein, also die mit den wenigen Zähnen, dafür aber mit viel Ahnung in Sachen Fisch. „Nee, Karkassen haben wir nicht, müssen Sie einige Tage vorher bei uns bestellen, die werden uns dann extra angeliefert. Bis dahin können Sie doch wirklich den fertigen Fischfond von da vorne im Glas nehmen.“

Den wollte ich aber nicht. Aber immerhin hat sie wenigstens gewusst, was Karkassen sind.

Zum Glück hatten wir unser Radieschen dabei und konnten zum Supermarkt mit der exzellenten Fischabteilung inklusive des entsprechenden Fachpersonals fahren. Dort wusste die Verkäuferin sofort was mein Herz begehrt, bediente mich kompetent und bald köchelte der Fischfond zuhause im Topf seiner Fertigstellung entgegen.

Wegen einer unvorhergesehenen Verabredung und den sommerlichen Temperatur mussten wir den Fischfond allerdings zunächst in der eisigen Kälte des Gefrierschrankes im Keller parken. Zwei Wochen später wollten wir dann aber zur Vollendung und zum Essen der köstlichen Fischsuppe starten. Doch daraus wurde leider auch nichts. Denn wie von Geisterhand hatte sich der sonst so rot leuchtende Stromschalter auf dunkel gestellt und alles, was sich im geschlossenen Gefrierschrank befand, war reif für den Restmüll. Dieses dämliche Versehen war nicht nur ärgerlich sondern sowohl geruchs- als auch äußerst putzintensiv.

 

 

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