Jetzt geht’s um Ihren Hintern!

Man nannte es „Honnis letzte Rache“ und es war weit über die Wendezeit hinaus noch im Handel. Es war grau bzw. braun, oder eine Mischung aus beiden Farben, manchmal mit und manchmal ohne Mittelpappe, hart und nur zweilagig. Toilettenpapier in der DDR war immer zweilagig. Spaßvögel des Arbeiter- und Bauernstaates nahmen diese Tatsache mit Humor und witzelten: Warum gibt es in der DDR zweilagiges Klopapier? Weil eine Kopie immer an die Stasi geht!

Als Westbesucher musste man es benutzen wenn man mal musste. Ausnahmslos gab es nur dieses Zeug, sowohl privat als auch in Gaststätten, auf dem Ostberliner Fernsehturm, im Tanzlokal mit Biergarten am See – einfach überall war es auf DDR-Toiletten zuhause. Als verwöhnter Wessi schleppte man daher gerne schon mal eine Familienpackung Tempotücher mit rüber, eben für hinterlistige Zwecke, wie man so treffend ausdrückte. Bei der Grenzkontrolle erklärte man dem Vopo, dass einen der Schnupfen, Heuschnupfen oder ähnliches plage, dann durfte man mit diesem wichtigen Gebrauchsgegenstand meist problemlos einreisen. In absolut unbeobachteten Momenten freute sich so manch ein Grenzer selbst über eine Zehnerpackung, die unsereins unbeobachtet aus der Tasche fiel.

Zwischenzeitlich hat sich das aber auch in der Ehemaligen mit dem Klopapier verbessert. Dank Helmut Kohl blühten nicht nur die Landschaften auf, nein, auch die stillen Örtchen erfuhren einen frischen Wind. Und nicht zuletzt durch die westliche Vielfalt des Klopapiers.

Es gibt dreilagiges, vierlagiges und sogar fünflagiges Papier, weißes, farbiges, mit Muster und ohne, flauschig-weiches, recyceltes, antibakterielles und parfümiertes von der Rolle und alle Sorten tragen Namen, die schon beim Kauf und vor der Benutzung Wichtiges verraten. Da heißt es zum Beispiel: Danke, Servus, Happy End, Kokett, Royal Comfort, soft & fly oder sanft und sicher.

Sanft und sicher war es in früheren Zeiten keineswegs und so wissen wir aus der Antike, dass auch Steine und Tonscherben zur Reinigung dienten. Bis zur heute so praktischen und weichen Rolle war es ein weiter Weg und Gras, Moos, Schafswolle und noch so allerhand mussten herhalten, das menschliche Hinterteil zu säubern. Auch wurden alte Zeitungen in handliche Formate zerschnitten, an einem Ende gelocht, auf einen Bindfaden gezogen und auch diese Variante diente der Sauberkeit. Wer also die Depesche noch nicht zu Ende studiert hatte, konnte das auf der persönlichen Sitzung nachholen.

1928 erfand Hans Klenk das Toilettenpapier der Neuzeit und seine Fabrik produzierte die Marke Hakle, die jeder kennt. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts kam ihm der Gedanke, Feuchtpapier herzustellen und bewies damit genau den richtigen Riecher, um im eigentlichen Sinne des Wortes Schiete in Goldklumpen umzuwandeln. Wer möchte das nicht auch können!

Bis vor einiger Zeit konnte man sogar bei der Deutschen Bahn die Sorte „Goldfinger“ ausprobieren und eigene Erfahrungen mit dieser eher minderwertigen Qualität machen. Doch mittlerweile sind selbst dort diese Zeiten vorbei und weiches, weißes und mehrlagiges von der Rolle hängt zur Benutzung im engen Klo herum.

In jeder Drogerie, in jedem Supermarkt, im Kaufhaus – einfach überall gibt es das Papier, das in unserer Kultur zum Alltag und zur täglichen Hygiene gehört. Doch nicht in allen Kulturkreisen hat das Toilettenpapier sich durchgesetzt und erfreut sich großer Beliebtheit wie bei uns. Hierzulande muss die Stiftung Warentest regelmäßig umfangreiche Testreihen mit Probanden durchführen, damit wir, die Benutzer, auch wissen, welche Sorte von welchem Hersteller in welchem Laden genau das richtige Produkt für den eigenen Popo ist.

Auch auf Reisen hat man im eigenen Auto schon gerne mal eine Rolle dieses hervorragenden Papiers dabei. Dann allerdings gut verborgen im Kofferraum oder getarnt mit einem selbst gehäkelten Wollkleidchen auf der Hutablage im hinteren Wagenteil. Soll übrigens typisch deutsch sein, sagt man und dieser Brauch stammt aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Damals fuhr man im Käfer oder Opel Kadett von Hamburg oder Berlin über die Alpen nach Rimini in einem Rutsch in den Urlaub. Da bestand der Darm unterwegs schon mal auf seinem Recht zur Entleerung am Wegesrand und man war heilfroh, dass man die Abreißrolle griffbereit unter der selbst gefertigten Handarbeit hatte.

Klopapier ist eine der wichtigsten Erfindungen unserer Zeit. Seien Sie mal ehrlich, was würden wir machen, hätte Herr Hakle es nicht erfunden? Wir müssten unsere Zivilisation völlig neu überdenken – jedenfalls diesbezüglich!

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